Zum Abschuss freigegeben: Nilgänse in Frankfurt. Die Stadt will ihre Zahl verringern - zumindest im Brentanobad.
Zum Abschuss freigegeben: Nilgänse in Frankfurt. Die Stadt will ihre Zahl verringern - zumindest im Brentanobad. Bild © picture-alliance/dpa

Ziemlich ungehindert haben sich die Nilgänse in Frankfurt vermehrt. Demnächst darf im Brentanobad auf die Vögel geschossen werden - aus Sorge um die Gesundheit von Kindern.

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Ihr Name weist daraufhin, dass ihr ursprünglicher Lebensraum woanders liegt: in Afrika. Doch 30 Jahre, nachdem am Niederrhein das erste frei lebende Exemplar in Deutschland gesichtet wurde, haben sich Nilgänse auch in Hessen breit gemacht - vor allem im Rhein-Main-Gebiet. In Frankfurt haben sich die Vögel so rasant vermehrt, dass die Stadt von September an die Jagd auf die Vögel erlauben will.

Dann darf im Brentanobad im Stadtteil Rödelheim auf einzelne Nilgänse geschossen werden, um alle anderen Artgenossen von dort zu vertreiben, wie Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) am Dienstag dem hr-fernsehen bestätigte. Untersuchungen des Gesundheitsamts haben demnach ergeben: Der von den Nilgänsen reichlich auf dem Schwimmbadgelände hinterlassene Kot ist für Babys und Kleinkinder gesundheitsgefährdend.

Bäderbetriebe für den Abschuss

Deshalb müsse der Bestand der Vögel verringert werden, sagte Frank. Die Stadt reagiert mit der Abschusslaubnis auf eine Forderung der städtischen Bäderbetriebe. Sie wissen sich gegen den Dreck, den die Wasservögel hinterlassen, nach eigenen Angaben nicht mehr anders zu helfen.

Der Versuch, die Nilgänse zu vertreiben, sei gescheitert, sagte Bäderbetriebe-Chef Frank Müller. Nach seinen Angaben wurden in den Kotproben unter anderem Salmonellen festgestellt. Bis zu 100 Nilgänse seien im Brentanobad anzutreffen, "mitunter auch mehr". Die Jagdzeit gelte vom 1. Spetember bis zum 15. Januar.

Möglicherweise dürfen die Nilgänse demnächst auch noch an anderen Orten Frankfurts gejagt werden. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) will weitere Parks und Bäder in der Stadt untersuchen lassen. Die Politikerin hatte sich zunächst gegen die Jagd auf Nilgänse gesträubt, weil das wenig bringe. Allerdings gehe der Schutz der Bevölkerung vor, sagte Heilig nun angesichts der Kotuntersuchungen.

Plage oder heimisch gewordene Art?

Nilgänse gehören wie Waschbären zu den sogenannten Neozoen: Sie haben sich sehr erfolgreich in einem Gebiet ausgebreitet, in dem sie ursprünglich nicht heimisch waren. Die sehr robusten, anpassungsfähigen, lauten und vor allem gegen andere Wasservögel aggressiven Vögel werden nicht nur in städtischen Gebieten von vielen als Plage empfunden. Landwirte klagen über Schäden, die gefräßige Nilgänse auf den Äckern hinterließen.

Natur- und Tierschützer bezweifeln das und wenden sich gegen die Jagd auf die Vögel. Als "nicht angemessen" kritisierte der Landestierschutzverband Hessen das Vorhaben in Frankfurt. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) vertritt die Position, die Nilgänse seien inzwischen hier heimisch geworden. Außerdem verwechselten Jäger andere Gänse leicht mit den Nilgänsen.

Ihre Kommentare Was halten Sie von der Jagd auf Nilgänse?

127 Kommentare

  • Liebe hessenschau Redaktion, Jäger sind aktive Naturschützer; der Deutsche Jagdverband ist eine staatlich anerkannte Naturschutzorganisation, genau wie zB der Nabu. Nur müssen Nabumitglieder keine staatliche Prüfung machen, wie die Jäger, sondern lediglich Beitrag zahlen.
    Warum benutzt Ihr den Begriff Naturschützer immer nur für Organisationen die grundsätzluch oder teilweise gegen die Jagd sind? Informiert euch doch mal besser, für meine Rundfunkgebühr erwarte ich auch ausgewogene Berichterstattung.

  • Nun also sollen Nilgänse bekämpft werden, weil sie „Dreck“ = Kot hinterlassen. An Hundehalter wird appelliert, die Hinterlassenschaften ihrer Tiere vorschriftsmäßig zu entsorgen; doch frage ich mich immer wieder: was, bitte schön, wird gegen Kippen wegwerfende Raucher getan? Dabei sind sie es, die Parkplätze, Bushaltestellen, Kinderspielplätze, Wohnstraßen u. Grünanlagen mit ihrem Kippendreck vermüllen und verpesten. Fragt denn keiner, in welchem hohen Maße kleine Kinder gefährdet sind, die eine Kippe aufnehmen und diese in den Mund stecken? Zigarettenkippen sind der häufigste Müll in der Landschaft. Die Kippen sind weit mehr als nur ein ästhetisches Problem. Über sie geraten Hunderte schädliche Chemikalien in die Umwelt.
    Lange, bevor Nilgänse abgeschossen werden sollen, muss es heißen: „Rauchen in der Öffentlichkeit verboten!“. Erst danach sind Nilgänse an der Reihe!

  • Nun also sollen Nilgänse bekämpft werden, weil sie „Dreck“ = Kot hinterlassen. An Hundehalter wird appelliert, die Hinterlassenschaften ihrer Tiere vorschriftsmäßig zu entsorgen; doch frage ich mich immer wieder: was, bitte schön, wird gegen Kippen wegwerfende Raucher getan? Dabei sind sie es, die Parkplätze, Bushaltestellen, Kinderspielplätze, Wohnstraßen u. Grünanlagen mit ihrem Kippendreck vermüllen und verpesten. Fragt denn keiner, in welchem hohen Maße kleine Kinder gefährdet sind, die eine Kippe aufnehmen und diese in den Mund stecken? Zigarettenkippen sind der häufigste Müll in der Landschaft. Die Kippen sind weit mehr als nur ein ästhetisches Problem. Über sie geraten Hunderte schädliche Chemikalien in die Umwelt.
    Lange, bevor Nilgänse abgeschossen werden sollen, muss es heißen: „Rauchen in der Öffentlichkeit verboten!“ Erst danach sind Nilgänse an der Reihe.

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