First In auf der Freßgass
Das First In auf der Freßgass Bild © picture-alliance/dpa

Die von einem Wirt und Pegida-Sympathisanten behaupteten sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in Frankfurt gab es nicht. Die Polizei ermittelt nun gegen den Gastronomen - und die Bild-Zeitung entschuldigt sich für ihre Berichterstattung.

Kehrtwende im Fall um den angeblichen Silvester-"Sexmob" in der Frankfurter Freßgass: Rund eine Woche nachdem Medien über massive sexuelle Übergriffe gegen Frauen auf der Frankfurter Ausgehmeile berichtet haben, stellt sich der Fall ganz anders dar. Gastwirt Jan Mai steht unter Verdacht, die Vorfälle erfunden zu haben.

Zeugin gesteht, nicht in Frankfurt gewesen zu sein

"Die in den Raum gestellten Vorwürfe sind haltlos und entbehren jeder Grundlage", sagte ein Polizeisprecher, "dies ergaben die intensiven und umfangreichen Ermittlungen der Polizei." Er bestätigte Medienberichte, wonach Ermittlungen gegen den Gastronomen eingeleitet wurden. Er muss nun um seine Konzession bangen, die überprüft werde.

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Oberstaatsanwältin Nadja Niesen

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Irina A., die angegeben hatte in Frankfurt in der Silvesternacht sexuell belästigt worden zu sein, hat zugegeben, dass sie in der fraglichen Nacht gar nicht in Frankfurt war. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit, nachdem sie gemeinsam mit der Polizei die Wohnung der 27-Jährigen durchsucht hatte. Dabei ging es um die Sicherung von Flugtickets oder anderen Reiseunterlagen.

Es gab keine Notrufe

Unter der Schlagzeile "Sex-Mob tobte in der Freßgass" hatte die Bild-Zeitung am 6. Februar erstmals über die angeblichen Vorfälle berichtet. Mai, Betreiber der Bar "First In", behauptete in dem Bericht, dass es in der Silvesternacht zu schweren sexuellen Übergriffen in seiner Bar gekommen sei. Bis zu 50 arabischstämmige junge Männer hätten Frauen belästigt, Schlägereien angezettelt und Gäste beklaut. Irina A. behauptete, man habe ihr zwischen die Beine und an die Brüste gegriffen.

Rund 900 "größtenteils betrunkene Flüchtlinge", so hieß es im Zuge der Berichterstattung weiter, seien nicht in den Sicherheitsbereich am Mainufer eingelassen worden und daraufhin zur Freßgass weiter gezogen, wo sie angeblich für Ärger sorgten. Ein Kellner des First In sowie der Betreiber einer anderen Freßgass-Bar, an der Mai ebenfalls beteiligt ist, bestätigten die Vorfälle. Allerdings: Andere Gastwirte auf der Freßgass, die von Zeitungen befragt wurden, sprachen von einer ganz normalen Silvesternacht.

Gastwirt sympathisiert mit Pegida, Zeugin war im Ausland

Anders als von Mai behauptet, gingen aber bei der Polizei in der Nacht keine Anrufe von besorgten Gästen ein. "Bis heute wurden bei der Polizei keine weiteren Straftaten aus dem Bereich der Freßgass angezeigt", sagte der Polizeisprecher. "Die Vernehmungen der genannten Zeugen, Gäste und Mitarbeiter, ergaben erhebliche Zweifel an den dargestellten Schilderungen."

Ebenfalls in Zweifel gezogen wurde schnell die Glaubwürdigkeit des Gastwirtes. So wurden Facebook-Einträge entdeckt, in denen eine Nähe Mais zur fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung und zur AfD deutlich wurde. Zudem soll er Verbindungen zu den in Frankfurt verbotenen Hells Angels haben. Die angebliche Hauptzeugin Irina A. wollte sich schon bald nicht mehr zu den Vorwürfen äußern.

"Bild" entschuldigt sich für Berichterstattung

Die Bild-Zeitung entschuldigte sie sich nun. "Mit Bedauern muss die Redaktion feststellen, dass die wiedergegebenen Aussagen und Anschuldigungen der vermeintlichen Opfer in keiner Weise von der Polizei bestätigt werden und gänzlich haltlos sind", hieß es in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme des Blatts. Man wolle intern klären, wie es zu der falschen Berichterstattung kommen konnte.