Bauarbeiten an der Gedenkstätte "Margit-Horváth-Zentrum" im Jahr 2016, eingeworfene Scheibe.
Bauarbeiten an der Gedenkstätte "Margit-Horváth-Zentrum" im Jahr 2016, eingeworfene Scheibe. Bild © Heinrich Wagner/Polizeipräsidium Südhessen

Unbekannte haben eine KZ-Gedenkstätte in Mörfelden-Walldorf beschädigt. Sie warfen Scheiben des "Margit-Horváth-Zentrums" ein und trafen Fotos damals inhaftierter Jüdinnen. Die Polizei ermittelt.

Sachbeschädigung einer KZ-Gedenkstätte beschäftigt die Polizei im Rhein-Main-Gebiet. Unbekannte haben Scheiben des "Margit-Horváth-Zentrums" in Mörfelden-Walldorf (Groß-Gerau) eingeworfen. Der Vorfall ereignete sich am Freitag, wie die Polizei am Montag mitteilte.

Schaden von mindestens 3.000 Euro

Das Zentrum erinnert an die Frauen im "KZ-Außenlager Walldorf". An dem Glasbau, der über freigelegten Mauerresten eines Küchengebäudes errichtet wurde und abgelegen in einem Waldstück liegt, entstand nach ersten Schätzungen der Polizei ein Schaden von mindestens 3.000 Euro. Die Beamten nahmen Ermittlungen wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung auf. Diese Straftatbestand bezieht sich auf Vandalismus gegen religiöse oder öffentliche Denkmäler. Sie bitten Zeugen um Hinweise.

Cornelia Rühlig, Vorsitzende der Margit-Horváth-Stiftung, sagte hessenschau.de, der Schaden sei von einer Polizeistreife entdeckt worden. Es handle sich um mehrlagige Glasscheiben, die äußere sei an mehreren Stellen zerstört worden. Vermutlich sei mit einer Zwille geschossen worden. Es ist laut Rühlig die erste Sachbeschädigung an der Gedenkstätte.

Geschichten und Fotos der Inhaftierten dokumentiert

Auf den Scheiben der Fassade sind ausgewählte Geschichten der Inhaftierten dokumentiert - und Fotos der jungen Frauen. Die Gedenkstätte war im September 2016 von der Horváth-Stiftung eröffnet worden. Margit Horváth war eine ungarische Jüdin, die selbst in der KZ-Außenstelle inhaftiert war.

In dem Lager sollten 1.700 ungarische Jüdinnen eine betonierte Rollbahn für Hitlers neue Wunderwaffe bauen, das erste düsengetriebene Flugzeug der Welt. Der Plan scheiterte und viele der Frauen zahlten mit ihrem Leben, totgeprügelt in den Kellerräumen des Lagers.

Arbeits- und Seminarraum für Jugendliche

Das Zentrum erinnert nach Angaben der Stiftung nicht nur an die Opfer, sondern dient auch als Arbeits- und Seminarraum für Jugendliche. "Uns ist die Arbeit mit jungen Leuten besonders wichtig, dabei geht es uns aber nicht nur um die Vergangenheit, sondern auch um den Umgang mit Minderheiten in der heutigen Zeit", hatte Rühlig bei der Eröffnung gesagt.

Das Gedenkprojekt kostete knapp 500.000 Euro. Unterstützt wurde die Stiftung unter anderem von der Stiftung Flughafen, dem Flughafenbetreiber Fraport sowie den Städten Mörfelden-Walldorf und Frankfurt.

Sendung: maintower, 05.02.2018, 18.00 Uhr