Gülle verunreinigt den Bleidenbach bei Weilmünster
Gülle verunreinigt den Bleidenbach bei Weilmünster Bild © hessenschau.de

Aus einer defekten Biogasanlage in Weilmünster sind mehrere hunderttausend Liter Gülle in den angrenzenden Bleidenbach und von dort in Weil und Lahn geflossen. Experten sprechen von einer Katastrophe: "Alle Fische sind tot."

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Winfried Klein kann das Ausmaß nicht fassen. "Es ist eine Katastrophe", sagte der Gewässerwart des zuständigen Fischereisportvereins Oberlahn zu hessenschau.de. Aus der Biogasanlage eines landwirtschaftlichen Betriebs in Weilmünster (Limburg-Weilburg) sind am Donnerstag rund 500.000 Liter Gülle in den Bleidenbach gelaufen. Von dort bahnte sich die braune Masse ihren Weg in die Weil und weiter in die Lahn.

Tote Fische angeschwemmt

"Der Bleidenbach ist kaputt, die Weil ist kaputt. Alle Fische sind tot", lautete Kleins ernüchternde Bilanz nach einer ersten Begutachtung. Überall an den Ufern würden die verendeten Tiere angeschwemmt. Auch die Lahn sei betroffen - in welchem Ausmaß, konnte der Experte allerdings noch nicht einschätzen.

Eine Fachfirma versucht seit dem Nachmittag, die Gülle aus dem Bleidenbach zu entfernen und das Gewässer zu spülen. Bei dieser Riesen-Menge ein nahezu aussichtsloses Unterfangen. "Die Ökologie des Bleidenbachs wurde dadurch erheblich gestört", hieß es von offizieller Stelle aus dem Büro des Landrats des Kreises Limburg-Weilburg.

Erhebliche Geruchsbelastung

Als Ursache wird ein technischer Defekt an dem mit insgesamt 600 Kubikmeter Gülle gefüllten Behälter vermutet. Laut Gewässerfachmann Klein führt Biogas-Gülle zu besonders gravierenden Folgen. "Sie entzieht dem Wasser sofort den Sauerstoff. Ein Überleben ist nicht möglich", erklärte Klein. Ein seit 1994 betriebenes Lachs-Projekt in der Weil sei damit ebenso dahin wie der Versuch, Bachmuscheln wieder anzusiedeln.

"Da stecken abertausende Stunden Arbeit drin. Ich könnte heulen", sagte der Gewässerwart. Und noch etwas bringe das Auslaufen des braunen Düngers mit sich, wie Klein aus nächster Nähe berichten konnte: "Es stinkt wie die Pest."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 5.10.2017, 19.30 Uhr