Fahrraddiebstähle nehmen zu.
Fahrraddiebstähle nehmen zu - vor allem in großen Städten. Bild © Imago, Archiv

Nicht nur Radfahren liegt im Trend: Die Zahl der Fahrraddiebstähle in Hessen steigt und steigt. Die Aufklärungsquote ist miserabel. Und das liegt nicht nur an der Cleverness der Diebe.

Fahrraddiebstähle nehmen in Hessen weiter zu. Im vergangenen Jahr ermittelte die Polizei in 15.267 Fällen, das sind knapp 13 Prozent mehr als noch 2012. Deutschlandweit blieb die Zahl dieser Delikte im selben Zeitraum etwa gleich.

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Großstädte besonders betroffen

Immerhin: Umgerechnet auf die Einwohnerzahl liegt Hessen noch unter dem bundesweiten Schnitt. Knapp 247 Fälle von Fahrraddiebstahl kommen in Hessen auf 100.000 Einwohner. Deutschlandweit sind es 405 pro 100.000 Einwohner. Betroffen sind laut Claus Opfermann, stellvertretender Leiter der Zentralstelle Kriminal- und Verkehrsprävention beim Landeskriminalamt (LKA) Hessen, vor allem Großstädte.

Allein in Frankfurt waren es im vergangenen Jahr 5.159 Diebstähle, das sind gut 14 pro Tag. In Wiesbaden wurden 2016 insgesamt 464 Räder gestohlen. Brennpunkte in den Innenstädten sind Orte wie Bahnhöfe, Schulen oder Universitäten. Klar, dort werden besonders viele Räder abgestellt. 

Miserable Aufklärungsquote

Die Aufklärungsquote bei diesen Delikten ist mit 11,1 Prozent gering. Hessen liegt damit zwar über dem bundesweiten Schnitt von 8,8 Prozent.  Im Vergleich zu anderen Straftaten ist die Quote aber niedrig: 2016 wurde in Hessen jeder dritte Autodiebstahl aufgeklärt, insgesamt wurde bei zwei von drei Straftaten der Täter ermittelt. 

"Wir stellen die Verfahren sehr schnell ein, wenn wir keine Hinweise haben", sagt Claus Opfermann vom LKA. Ein gravierendes Problem: Oft seien Fahrräder nicht eindeutig gekennzeichnet. Das erschwere die Ermittlungen. Außerdem sei Fahrraddiebstahl ein Massendelikt. Bei der derzeitigen Personalstärke komme man nicht hinterher. 

E-Bikes bei Dieben sehr beliebt

Dass immer mehr Menschen mit dem Rad fahren, sieht Opfermann als Grund für die Zunahme der Delikte. "Das Fahrrad ist ein In-Mobil", sagt er. Die Fahrräder auf den Straßen werden nicht nur mehr, sondern - nicht zuletzt wegen der zunehmenden Beliebtheit von E-Bikes - auch teurer: "Der Trend zu hochpreisigeren Modellen steigt seit Jahren", sagt David Eisenberger vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV).

Ein Fahrrad koste im Durchschnitt etwa 640 Euro, ein E-Bike rund 2000 Euro. "Das macht den Diebstahl für die Täter attraktiv", sagt Opfermann. In Hessen liegt die Schadenshöhe bei durchschnittlich 577 Euro. 

Laut Opfermann reicht das Profil der Täter vom Profi, der Fahrräder komplett oder in Teile zerlegt ins Ausland verschafft, bis zum Beschaffungskriminellen in der Großstadt, der sie im Internet anbietet, auf Flohmärkten oder an Hehler verkauft. Mit in die Statistik fließen auch die Fälle "unbefugter Ingebrauchnahme" ein, bei denen das Fahrrad nur kurzzeitig benutzt und wieder abgestellt wird. 

Opfermann, der neben seiner Arbeit beim LKA auch Referent für Diebstahlprävention beim hessischen Landesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ist, rät daher, Fahrräder codieren zu lassen. Außerdem sei es für die Polizei sehr hilfreich, wenn der Eigentümer im Fall eines Diebstahls einen Fahrradpass vorweisen kann, mit dem das Rad eindeutig identifiziert werden kann. Der Pass ist auch als App verfügbar.

Bremen führt Pro-Kopf-Statistik an

Die meisten Fahrraddiebstähle gab es 2016 mit 80.688 in Nordrhein-Westfalen. Mit 1.010 Fällen pro 100.000 Einwohner ist der relative Spitzenreiter aber Bremen. Nur 1.000 Fahrräder wurden im Saarland als gestohlen gemeldet.