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In einem bei Zeit Online veröffentlichten Video hatte Nadja R. die Bundeskanzlerin um Hilfe gebeten. Bild © Screenshot: zeit.de

Nadja R. hat sich in Frankfurt radikalisiert und ist 2014 nach Syrien ausgereist. Nun bröckelt die IS-Herrschaft und die 31-Jährige will zurück nach Deutschland. Das Auswärtige Amt hilft ihr nach Informationen von hr-iNFO dabei.

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Die Rückkehr der IS-Anhängerin Nadja R. ist nach Informationen von hr-iNFO in Vorbereitung. Die 31-Jährige ist deutsche Staatsangehörige und bekommt deshalb Unterstützung vom konsularischen Service des Auswärtigen Amtes. Sie kann wieder nach Deutschland einreisen.

Nadja R. war 2011 aus einer Kleinstadt in Baden-Württemberg nach Frankfurt gezogen und hatte ihre Kinder bei ihrem Partner zurückgelassen. In Frankfurt schloss sie sich der Islamisten-Szene an. 2014 entschloss sie sich schließlich dazu, Deutschland den Rücken zu kehren und die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) in Syrien zu unterstützen.

Hilfsappell an Bundeskanzlerin

Vor drei Wochen folgte die Kehrtwende: In einem auf zeit.de geposteten Video wandte sich Nadja R. direkt an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): "Die Lage ist sehr schlimm, die ganzen Krankheiten. Bitte, ich brauch Ihre Hilfe, bitte helfen Sie uns. Ich möchte mit meinen beiden Kinder zurück nach Deutschland." Den Hilfsappell filmte ein Zeit-Reporter in einem Gefangenenlager, das kurdische Soldaten in Syrien für IS-Anhängerinnen eingerichtet haben.

Vor ihrer Verhaftung lebte Nadja R. in Rakka, jener Stadt in Nordsyrien, die der IS als Hauptstadt seines angeblichen Staates bezeichnet hatte. Dort heiratete sie einen aus Hamburg stammenden Kämpfer der islamistischen Terrormiliz. Mit ihm bekam sie zwei weitere Kinder. Nach eigenen Angaben geht von ihr keine Gefahr aus. "Sie brauchen keine Angst vor mir zu haben. Ich bin überhaupt nicht gefährlich. Ich bin keine Terroristin. Ich habe einen Fehler gemacht und bin hergekommen", sagte sie in dem Video. Allerdings erzählte sie dem Zeit-Reporter auch, dass der IS auch deshalb den Krieg verliere, weil er nicht streng genug gewesen sei.

Innenministerium: "Rückkehrwelle jederzeit möglich"

Nadja R. ist eine von vielen, die ausreisten, um die Terrormiliz IS zu unterstützen. Das Bundesinnenministerium spricht von 940 Menschen aus Deutschland, die sich in Syrien und im Irak islamistischen Milizen angeschlossen haben. Ein Fünftel davon sind Frauen.

"Die Sicherheitsbehörden des Bundes und der Länder sind sich bewusst, dass von Rückkehrern ein erhebliches Bedrohungspotential ausgehen kann und es jederzeit zu einer verstärkten Rückreisewelle kommen kann", erklärte das Ministerium auf Anfrage. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt gab keine Auskunft über mögliche Ermittlungen gegen Nadja R.

Es liegen dem Ministerium Erkenntnisse über 145 bei Kämpfen in Syrien und dem Irak Getöteten aus Deutschland vor. Von 70 gibt es Belege, dass sie sich an Kampfhandlungen beteiligten. Anzeichen für eine Rückreisewelle unter den noch lebenden Kämpfern gibt es derzeit nicht.

Rückkehrer bedeuten hohes Sicherheitsrisiko

Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass Dschihadisten in irakischen Flüchtlingslagern festsitzen. Die dortigen Behörden wollen IS-Kämpfer aus Mossul und anderen IS-Gebieten herausfiltern, indem sie alle Flüchtlinge durchleuchten.

Aufgrund dieser unklaren Informationslage tun sich Sicherheitsbehörden mit Prognosen schwer. Man müsse genau hinschauen, wer da kommt, meinte Dirk Peglow, hessischer Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK). Die eine Kategorie von Rückkehrern habe "die Schnauze voll" vom Kämpfen. Und die andere würde versuchen, "hier ihren Kampf weiter zu führen". Von dieser Gruppe ginge ein Sicherheitsrisiko aus.

Zu welcher Kategorie Nadja R. gehört, werden die Behörden einschätzen müssen, wenn die 31-Jährige wieder in Deutschland ist.

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Ruinen in Raqqa

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