Landgericht Limburg Sujet Prozess
Bild © picture-alliance/dpa

Ein Asylbewerber aus Afghanistan muss für mehr als vier Jahre ins Gefängnis, weil er in Hünfeld seinen Mitbewohner erstochen hat. Der 18-Jährige hatte nach Auffassung des Gerichts gezielt zugestochen.

Videobeitrag

Video

zum Video Prozess um Messerattacke in Flüchtlingsheim

Ende des Videobeitrags

Der junge Mann aus Afghanistan wurde vom Landgericht Fulda nach Jugendstrafrecht wegen Totschlags zu vier Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Der 18-Jährige hatte am 4. Juli in Hünfeld (Fulda) einen gleichaltrigen Landsmann erstochen.

Der Angeklagte habe zwei Mal gezielt zugestochen und von Anfang an vorgehabt, seinen Mitbewohner zu töten, sagte der Richter bei der Urteilsverkündung am Donnerstag. Der Angeklagte und das spätere Opfer hatten in Hünfeld in einer Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gewohnt.

Hintergrund der Tat war möglicherweise ein sexueller Missbrauch durch das spätere Opfer. Der Angeklagte hatte gegenüber einem psychiatrischen Gutachter von einem entsprechenden Vorfall im Frühjahr gesprochen. Das Gericht hat keinen Zweifel an der Richtigkeit der Aussage.

Keine Notwehr

Vor Gericht hatte der Angeklagte erklärt, in jener Juli-Nacht habe er seinen Mitbewohner zu einer Aussprache treffen wollen und dabei das Messer mitgenommen. Als der Mitbewohner ihm das Messer abnehmen wollte, habe er aus Angst vor einem körperlichen Angriff des anderen zugestochen.

Die Staatsanwaltschaft hatte sechseinhalb Jahre Haft gefordert. Der Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert, weil er von einer Tat im Affekt und aus Notwehr ausging. Der Richter sagte, der sexuelle Vorfall habe den Angeklagten zwar emotional aus der Bahn geworfen. Zum Zeitpunkt des Messerangriffs sei er aber voll schuldfähig gewesen. Strafmildernd wertete das Gericht, dass der Angeklagte keine Vorstrafen hat und die Tat gestand.