Akten Schimmel
Akten (Archivbild). Bild © picture-alliance/dpa

Schimmel-Alarm in der Kreisverwaltung in Dillenburg: 180.000 Bau-Akten sind betroffen. Ein großer Teil flog schon auf den Müll, der Rest soll für 14 Millionen Euro gerettet werden.

Wie es wohl riechen mag, wenn in einem feuchten Keller 180.000 Akten Schimmel ansetzen - und das so dick, dass zehntausende von ihnen weggeworfen werden müssen? Spielt für die Misere vielleicht auch keine Rolle, ebenso wenig wie die noch offene Frage: Wann wurde der erste Mitarbeiter der Kreisverwaltung in Dillenburg (Lahn-Dill) wegen des Geruchs misstrauisch?

Fest steht: Die Kreisverwaltung hat die 180.000 Bau-Akten so viele Jahre in einem feuchten Keller gelagert, dass sie kaputt gingen. Am Ende wusste selbst die Landesregierung in Wiesbaden, die die Dillenburger um Rat baten, für einen Teil keine andere Lösung als "wegwerfen". Damit war das Schicksal von 40.000 Dokumenten besiegelt.  

"Versäumnisse aus den 1970er Jahren"

Es handele sich um Versäumnisse aus den 1970er Jahren, erklärt Heinz Schreiber (Grüne) , Erster Kreisbeigeordneter und Baudezernent des Lahn-Dill-Kreises auf Anfrage. "Damals hatte man keine Vorstellung, wie Akten zu lagern sind", sagte Schreiber.

Als die Kreisverwaltung bemerkte, dass die Dokumente Schimmel ansetzten, seien sie gereinigt und in einer angemieteten Halle in Wetzlar gelagert worden, berichtete die Wetzlarer Neue Zeitung am Dienstag. Aber die Halle sei so schlecht beheizt gewesen, dass der Schimmel munter weiter blühte.

"Mittlerweile sind die Akten in einem angemieteten Gebäude in Wetzlar untergebracht", erklärt Schreiber. Dort würden Temperatur und Luftfeuchtigkeit überwacht.

60 Akten pro Woche nach Berlin

Inzwischen sei der Bestand wieder auf rund 160.000 Akten angewachsen. Die lasse die Verwaltung derzeit digitalisieren. Dafür würden jede Woche 60 Akten zu einer Spezialfirma nach Berlin geschickt, um sie dort scannen und dann vernichten zu lassen.

Bislang seien 775 Akten digitialisiert worden, für rund 60.000 Euro. Hochgerechnet ergibt das Kosten in Höhe von rund 14 Millionen Euro Kosten, bestätigte Schreiber. Nach Angaben des Bauamts gibt es nur wenige Firmen, die Akten digitalisieren. Das nächste Angebot sei mindestens doppelt so teuer gewesen, erklärte Schreiber.

Irmer-Kritik: "Bauvorhaben verzörgern sich"

Der Kreis habe sich nicht um seine Archive gekümmert, kritisierte der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Hans-Jürgen Irmer. Und nicht nur das: Der Schimmel führe nun zu Verzögerungen bei Baugenehmigungen.

Das bestreitet Schreiber. Das Schimmel-Problem habe keine Konsequenzen für die Bürger. Schließlich besitze jeder Hausbesitzer einen eigenen, schimmelfreien Satz der Unterlagen. Und falls das benötigte Dokument tatsächlich befallen sein sollte? Dann würden Mitarbeiter der Behörde die Akte heraussuchen, in luftdichte Tüten verpacken und nach Berlin zum Digitalisieren schicken - mit Atemschutzmaske und Handschuhen.

Sendung: hr-iNFO, 22.03.2017, 10:20 Uhr