Die Nidda
Auch in der Nidda wurden die multiresistenten Keime gefunden. Bild © Imago

Das Frankfurter Gesundheitsamt hat in fünf Gewässern multiresistente Keime entdeckt. Eine Gefahr für die Bevölkerung besteht nicht – wenn man vorsichtig ist.

Videobeitrag

Video

zum Video Keime in Frankfurter Gewässern

Ende des Videobeitrags

Ein Mann stürzt in den Eschbach, fängt sich dort einen tödlichen Keim ein und stirbt wenig später – allerdings aus anderen Gründen – in der Frankfurter Uniklinik. Dieser noch immer viel diskutierte Fall vom März 2017 war Anlass für eine flächendeckende Untersuchung von Frankfurter Gewässern auf gefährliche Krankheitserreger. Die vom Gesundheitsamt beauftragten Experten der Uni Bonn entnahmen deshalb im September insgesamt 19 Proben – und fanden erneut multiresistente Bakterien.

Fünf Gewässer belastet

In der Nidda, zweimal im Urselbach, einmal im Königsbach sowie im Rebstock-Weiher wurden die Antibiotika-resistenten Erreger aufgespürt, wie die stellvertretende Leiterin und Keimexpertin des Frankfurter Gesundheitsamts Ursel Heudorf gegenüber dem hr erklärte. In fünf von 19 untersuchten Flüssen, Bächen oder Weihern waren die Befunde positiv. Eine Gefahr für die Bevölkerung bestehe aber nicht, hieß es.

Sollte man in direkten Kontakt mit dem betroffenen Wasser oder Uferschlamm kommen, hilft schon: Hände waschen. Schwimmen sollte man – jahreszeitunabhängig – sowieso vermeiden. Zu spaßen ist mit den Keimen dennoch nicht: "Ein Problem wird das erst im Krankenhaus", so Heudorf. "Sollten die Keime über Hautbarriere-Verletzungen in den Blutstrom gelangen, können sie schwere Infektionen auslösen." Diese ließen sich dann nicht mehr behandeln.

Wildvögel und Landwirtschaft schuld?

Doch wie kommen die Krankheitserreger überhaupt rein in die Gewässer? Die immer als erste in Verdacht stehenden Kläranlagen können aufgrund der geographischen Lage der Fundstellen nicht alleine schuld sein. "Weitere Einflussfaktoren sind wahrscheinlich", bestätigte Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) schon bei der Präsentation der Ergebnisse am Mittwoch.

Und auch das Gesundheitsamt hat zwei weitere möglcihe Quellen im Auge: Wildvögel und die Landwirtschaft. "Das ist in der Diskussion“, bestätigte Heudorf. Der Kot von Tieren, der auf natürlichem Weg oder eben über das Düngen von landwirtschaftlich genutzten Flächen ins Wasser gelangen kann, könnte die Erreger verbreiten.

Warten auf Konsequenzen

Das Gesundheitsamt plädiert deshalb dafür, in der Tier- und Humanmedizin weniger Antibiotika einzusetzen. Auch eine flächendeckende Aufrüstung von Kläranlagen steht zur Debatte. Entschieden wird darüber allerdings aktuell noch nicht. Derzeit läuft noch eine bundesweite Studie, die sich mit der gleichen Thematik beschäftigt. Die Ergebnisse stehen aus.