Der Grüne Knollenblätterpilz ist hochgiftig.
Der Grüne Knollenblätterpilz ist hochgiftig. Bild © picture-alliance/dpa

Nach einer schweren Pilzvergiftung gibt es für eine syrische Familie Entwarnung. Auch die jüngste Tochter kann nach einer Lebertransplantation bald aus dem Krankenhaus und zurück nach Frankfurt.

Das Warten und Bangen hat ein Ende: "Das jüngste Kind kann in Kürze entlassen werden", sagte Burkhard Büscher, Sprecher des Universitätsklinikums Essen, am Freitag zu hessenschau.de. Ihr wurde eine neue Leber transplantiert. "Es gab keine Komplikationen", berichtete Büscher weiter.

Er wies darauf hin, dass das fünfjährige Mädchen aufgrund der Abstoßungsreaktion des Körpers gegen das fremde Organ nun dauerhaft Medikamente nehmen müsse. Das Pilzgift hatte die Leber so massiv geschädigt, dass nur eine Transplantation ihr Leben retten konnte.

Die Schwester der Fünfjährigen ist bereits wieder zu Hause, auch sie schwebte zeitweise in Lebensgefahr. "Das Pilzgift hatte in kurzer Zeit die Leber der beiden Kinder massiv geschädigt. Bei einem Kind konnten unsere Leberexperten der Kinderklinik die Leber erhalten. Es konnte bereits die Universitäts-Kinderklinik Essen verlassen", berichtete der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin Essen, Jochen A. Werner.

Knollenblätterpilz mit essbarem Pilz verwechselt

Zu der Pilzvergiftung war es gekommen, nachdem der Vater der Kinder beim Pilzesammeln im Frankfurter Stadtteil Fechenheim den hochgiftigen Grünen Knollenblätterpilz irrtümlich für einen essbaren Pilz gehalten hatte und ihn anschließend mit seinen drei Töchtern verzehrte. Der Flüchtlingsfamilie aus Syrien war der Knollenblätterpilz nicht bekannt. Der Vater und seine Kinder kamen zunächst mit schweren Vergiftungen in die Frankfurter Uniklinik. Zwei Mädchen wurden kurz darauf in das Leberzentrum der Uniklinik Essen verlegt.

Knollenblätterpilze
Sieht harmlos aus, ist aber hochgiftig: der Grüne Knollenblätterpilz. Bild © picture-alliance/dpa

Der Vater und ein weiteres Mädchen kamen in die Medizinische Hochschule Hannover (MHH). Sie konnten ebenfalls erfolgreich behandelt werden. Weitere Details wollte die Klinik am Freitag nicht nennen. Nachdem die Patienten Ende August eingeliefert wurden, hatte die Spezialklinik eine Pressemeldung mit dem Titel "Vorsicht, Giftpilze!" herausgegeben.

Warnungen vor Giftpilzen in Flüchtlingsunterkünften

Darin hieß es, dass Kinderärzte innerhalb einer Woche vier Kinder mit einer Pilzvergiftung behandeln mussten. Es gab laut MHH auch eine Zunahme an erwachsenen Patienten, die sich eine Pilzvergiftung zuzogen - dabei handelte es sich vor allem um syrische Flüchtlinge, die die giftigen Knollenblätterpilze offenbar mit essbaren Exemplaren aus ihrer Heimat verwechselten.

Um Flüchtlingsfamilien vor einer Vergiftung zu schützen, wurden inzwischen in vielen Flüchtlingsunterkünften Warnhinweise in mehreren Sprachen ausgehängt.

50 Gramm des Pilzes können tödlich sein

Der Knollenblätterpilz enthält das Gift Amatoxin, das schon ab einem Verzehr von 50 Gramm des Pilzes tödlich wirken kann. Es wirkt stark leberschädigend. Zudem kann es zu Nierenversagen und inneren Blutungen kommen. Gefährlich an dem Knollenblätterpilz ist auch, dass er gut schmeckt und erst Stunden nach dem Essen Bauchschmerzen, Erbrechen oder auch Durchfall auftreten.