Sparkasse Oberhessen
Angeklagt ist ein früherer Mitarbeiter der Sparkasse Oberhessen Bild © Sparkasse Oberhessen

Knapp neun Millionen Euro soll ein Sparkassen-Mitarbeiter auf sein eigenes Konto umgeleitet haben. Beim Prozessauftakt war die Öffentlichkeit ausgeschlossen - denn es ging auch um Details aus dem Privatleben des Angeklagten.

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Zu Beginn des Prozesses gegen einen früheren Bankmitarbeiter aus Mittelhessen hatte das Landgericht Gießen am Donnerstag die Öffentlichkeit noch ausgeschlossen. Der Vorsitzende Richter wollte den persönlichen Lebensbereich des Mannes schützen - denn es geht nicht nur um einen Millionenbetrug, sondern auch um Details aus dem Privatleben des Angeklagten. Die Rede ist von einer "Suchtproblematik".

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Ausschluss der Öffentlichkeit

Grundsätzlich sind Gerichtsverfahren öffentlich. Allerdings kann die Öffentlichkeit von einer Verhandlung ausgeschlossen werden, wenn Umstände aus dem persönlichen Lebensbereich zur Sprache kommen und schutzwürdige Interessen der Betroffenen dadurch verletzt würden. Häufig wird dies bei Straftaten gegen Kinder und Jugendliche gemacht oder bei Vergewaltigungsfällen.

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Dem 44-Jährigen wird vorgeworfen, mehrere Millionen Euro veruntreut zu haben. Von dem Geld soll er Wertpapiere und Grundstücke gekauft haben, aber auch "sexuelle Dienstleistungen im SM-Bereich" in Anspruch genommen haben. Weitere Details zu den Motiven des Mannes wurden am ersten Prozesstag nicht bekannt.

"Ich kannte die Schwachstellen"

Von 2007 bis 2017 hatte er laut Anklage Gelder auf Umwegen auf eigene Konten geleitet. "Ich kannte die Schwachstellen", sagte er vor Gericht. Zwar gab es demnach ein Vier-Augen-Prinzip. Doch die Kollegen hätten aufgrund der Position des Angeklagten darauf vertraut, dass die Buchungen ihre Richtigkeit gehabt hätten, heißt es in der Anklageschrift.

Die heimliche Selbstbedienung war Anfang April aufgeflogen. Insgesamt knapp neun Millionen Euro soll der Mann veruntreut haben, etwa vier Millionen Euro konnten die Ermittler bei ihm sicherstellen. Da ein Teil der Taten bereits verjährt ist, geht es vor dem Landgericht noch um 4,3 Millionen Euro. Kunden der Sparkasse wurden offenbar nicht geschädigt.

Der Angeklagte zeigte sich vor Gericht offen und antwortete ohne Umschweife auf die Fragen des Vorsitzenden. So sagte er unter anderem, dass seine Kollegen "keine Chance" gehabt hätten, sein Tun zu erkennen.

Angeklagter saß im Gemeindeparlament

Im Zuge der Ermittlungen hatte die Sparkasse Oberhessen weitere Mitarbeiter aus dem unmittelbaren Umfeld des Mannes entlassen oder versetzt. Ein stellvertretendes Vorstandsmitglied wurde freigestellt. Der Mann selbst, der direkt nach seiner Festnahme im Juni in Untersuchungshaft kam, war zu dem Zeitpunkt Vorsitzender der Gemeindevertretung von Limeshain im Wetteraukreis.

Die Sparkasse Oberhessen lässt nach Angaben einer Sprecherin derweil "nichts unversucht", das veruntreute Geld wieder zurückzubekommen. Weitere Angaben zu dem Fall machte sie mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht.

Sendung: hr1, 30.11.2017, 12 Uhr