Das Amtsgericht Frankfurt und ein gefälschter Haftbefehl.
Das Amtsgericht Frankfurt wird als Quelle für die gefälschten Haftbefehle angegeben. Bild © Polizei Niedersachsen, picture-alliance/dpa

Seit Wochen kursieren in Deutschland Briefe, die angeblich von der Staatsanwaltschaft Frankfurt stammen. Sie fordern die Empfänger auf, eine hohe Strafe zu zahlen oder aber in Haft zu gehen. Dabei geht es den Betrügern gar nicht ums Geld - zumindest nicht sofort.

Betreff: "Wegen Vollstreckung der Erzwingungshaft." Wer einen angeblichen Haftbefehl mit dieser Titelzeile aus dem Briefkasten fischt, sollte bloß nicht die angegebene Nummer anrufen - sondern die 110. Denn nun warnt auch die Staatsanwaltschaft Frankfurt vor den seit einigen Wochen in ganz Deutschland verschickten Briefen. Bereits vor einem Monat hatte das Polizeipräsidium Mittelhessen darauf aufmerksam gemacht, dass Fälschungen im Umlauf sind.

Die Briefe, die vor allem alte Menschen erhalten, erwecken den Eindruck, von der Staatsanwaltschaft Frankfurt zu stammen. Weil die Adressaten eine angeblich offene Strafe nicht beglichen hätten, "wird die Gesamtsumme in Höhe von 28.500,00€ sofort zu 950Tagen Freiheitsstrafe umgewandelt zu einem Tagessatz von 30,00€ pro Tag" (alle Schreibfehler aus dem Original). Wer nicht zweieinhalb Jahre lang ins Gefängnis will, bekomme "letztmalig die Chance", innerhalb von drei Tagen eine Anzahlung zu leisten.

Keine Konto-, aber eine Telefonnummer

Auf den Schreiben ist keine Kontonummer aufgeführt. Stattdessen solle man sich beim Sachbearbeiter, einem angeblichen Martin Koch, telefonisch melden. "Andernfalls wird die Rechtssprechung unwiderruflich durchgeführt." Medienberichten zufolge ist die angegebene Rufnummer aber ständig belegt - den Betrügern geht es also darum, an die Telefonnummern ihrer Adressaten zu gelangen. Dementsprechend entsteht den Betroffenen auch kein finanzieller Schaden, zumindest vorerst nicht.

Gefälschter Haftbefehl.
Voller Schreibfehler, aber mit hoher Forderung: Ein gefälschter Haftbefehl. Bild © Polizei Niedersachsen

Die Fälschung kommt zwar mit Briefkopf, Unterschrift und Stempel auf den ersten Blick recht professionell daher, bei genauerem Hinsehen fallen aber die vielen Schreibfehler auf sowie die für eine Behörde eher ungewöhnlichen Formulierungen wie "Sie bekommen letztmalig die Chance".

Ob dennoch Menschen - wie in den Briefen gefordert - bei der Justizvollzugsanstalt in der Frankfurter Oberen Kreuzäckerstraße vorstellig geworden sind, um ihre Haft anzutreten, war am Mittwochnachmittag nicht in Erfahrung zu bringen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des Betrugs und der Urkundenfälschung.

Sendung: hr-iNFO, 16. August 2017, 18 Uhr