Sturm Frankfurt Regen Pfütze Straßen
Es bleibt auch in den nächsten Tagen nass. Bild © picture-alliance/dpa

Tief "Burglind" war gnädiger zu Hessen, als zunächst befürchtet. Doch anhaltender Regen lässt die Pegel an hessischen Flüssen steigen. In Kaufungen kämpften die Menschen gegen eine Schlammlawine.

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Der anhaltende Regen hat in vielen Teilen Hessens für steigende Pegelstände in den Flüssen gesorgt. In Kaufungen (Kassel) rollte am Mittwoch eine Flutwelle durch den Ort. Hier war ein Regenrückhaltebecken gebrochen, die Schlammlawine riss vier Autos mit. Verletzt wurde laut der örtlichen Feuerwehr niemand.

Auch in anderen Orten spitzt sich die Lage zu. Besonders in Mittelhessen gibt es bereits Hochwasser mit Überflutungen, wie das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie meldete. Betroffen ist die Lahn in Gießen, Marburg und Leun (Lahn-Dill).

Hochwasserwarnmeldung der Stadt Gießen! Voraussichtlich wird im Laufe der Nacht die #Meldestufe 3 (650cm) überschritten. Bitte Vorsicht an #Lahn und #Wieseck ! Wir halten Sie auf dem Laufenden. #fwgi #giessen #Hochwasser https://t.co/5Rdtg8d2Tt

Aber auch an der Fulda seien die Pegelstände kritisch, zum Beispiel in Bad Hersfeld und in Bronnzell. Auch an noch kleineren Flüssen melden Behörden hohe Pegelstände, wie an der Weil, der Nidda, der Kinzig und der Dill. In vielen Orten rechnet das Landesamt bis Donnerstag mit einem weiteren Ansteigen der Wasserstände.

Trübe Aussichten mit Dauerregen

Denn am Donnerstag stellt sich vermutlich Dauerregen ein - und wieder soll es vor allem den Süden Hessen treffen. "Das wird die Lage an kleineren Flüssen und Bächen noch einmal verschärfen“, sagte hr-Meteorologe Rainer Behrend am späten Mittwochnachmittag. Ab Samstag und Sonntag werde der Niederschlag weniger, so dass es sich die Lage zumindest an kleineren Gewässern voraussichtlich entspanne. Am Rhein jedoch werde sich die Lage wegen Tauwetters vom Schwarzwald her vermutlich noch einmal verschlimmern.

Flieger und Bahnen verspätet

Sturmtief "Burglind" war am Mittwoch mit teils heftigen Böen über Hessen gefegt. Drei Stunden mussten rund 600 Fahrgäste in einem Zug der Hessischen Landesbahn ausharren. Zwischen Friedberg und Wöllstadt (Wetterau) war ein Baum in einer Kurve auf die Oberleitung gekracht. Weil die Unfallstelle schlecht einsehbar war, fuhr der Zug in die zerstörte Oberleitung. Erst Stunden später konnte er abtransportiert werden - die meisten Fahrgäste mussten so lange warten. Rund 40 Passagiere hatten es aber eilig und mussten zum Flughafen. Sie durften vorher aussteigen und wurden mit Taxis zum Flughafen gebracht.

Bei Limburg fiel ein Baum auf die Oberleitung der Bahn und bremste Züge auf der Strecke Limburg-Frankfurt aus. Die Route war zwischen den Stadtteilen Eschhofen und Lindenholzhausen für rund fünf Stunden unterbrochen.

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Auch am Frankfurter Flughafen kam es zu Verspätungen und Ausfällen. Nach Angaben eines Sprechers musste am Vormittag das Anflugsystem wegen des Sturms verlangsamt werden. Dadurch waren nur noch 40 statt der sonst etwa 60 Starts und Landungen pro Stunde möglich. Zusätzlich mussten wegen des Wetters 25 Flüge von oder nach Frankfurt wetterbedingt annulliert werden, wie eine Sprecherin am Mittag bilanzierte.

Baugerüst drohte umzustürzen

Mit einem Großeinsatz verhinderte die Feuerwehr in Wiesbaden das Umstürzen eines Baugerüsts an einem vierstöckigen Haus am Rande der Innenstadt. Die Feuerwehr war mit mehreren Fahrzeugen vor Ort, auch ein großer beweglicher Kran kam am Mittwoch zum Einsatz. Die Straßen vor und hinter dem Haus wurden teilweise abgesperrt. Das etwa zwölf Meter hohe und rund sechs Meter breite Baugerüst hatte sich wegen "Burglind" gelöst und war am Vormittag bereits teilweise eingestürzt.

Beim Polizeipräsidiums Westhessen gingen rund 70 Meldungen wegen umgestürzter Bäume, umherfliegender Gegenstände und überfluteter Straßen ein. Auf einer Landesstraße zwischen Villmar und Aumenau (Limburg-Weilburg) prallte ein unbesetzter Bus gegen einen umgestürzten Baum. In Limburg flogen Dämmmaterialien von einer Baustelle und eine mobile Toilette umher. Auch die Autobahnen blieben nicht verschont: Am Wiesbadener Kreuz hatte der Sturm einen Bauzaun auf die Fahrbahn geweht.

Blockierte und überflutete Straßen

In Darmstadt löste der Sturm 14 Feuerwehreinsätze aus.  Im morgendlichen Berufsverkehr blockierten umgestürzte Bäume den Verkehr an drei Straßen. An anderen Straßen kämpfte die Feuerwehr gegen Überflutungen. Die Main-Weser-Bahn konnte kurzzeitig zwischen Langgöns und Kirch-Göns (Gießen) nur eingleisig fahren, es kam zu Verspätungen.

Auch in Nordhessen gab es Schäden und Verkehrsbehinderungen: Im Landkreis Kassel stürzten zwei Bäume auf Straßen. Außerdem sei bei Fritzlar (Schwalm-Eder) ein Ast auf die A49 gefallen, erklärte ein Polizeisprecher. Auf der A 44 bei Kassel wehte der Sturm Schilder um.

Autos prallten gegen auf der Straße liegende Bäume

Am härtesten im Norden Hessens traf es den Landkreis Waldeck-Frankenberg. Dort meldete die Polizei insgesamt zwölf Vorfälle, fast alle mit umgestürzten Bäumen. Dreimal kam es zu Unfällen, als Autos gegen die auf der Straße liegenden Bäume fuhren. Dabei wurde eine Frau leicht verletzt. 

Mehr als 100 Rettungskräfte suchten am späten Dienstagabend in Mücke (Vogelsberg) bei starkem Regen und einsetzenden Windböen eine demente 90-Jährige. Auch ein Polizeihubschrauber aus Egelsbach war im Einsatz. Feuerwehrleute fanden die 90-Jährige schließlich in einem Waldstücke. Sie lag stark unterkühlt in einem Graben. Ansonsten hat Sturmtief "Burglind" Osthessen weitgehend verschont.

Stärkste Orkanböe in Runkel

Spitzenreiter bei den Windgeschwindigkeiten im Flachland war Ennerich, ein Stadtteil von Runkel (Limburg-Weilburg). Dort blies der Wind am Mittwoch mit 106 Stundenkilometern, wie der Deutsche Wetterdienst berichtete. Das fällt unter "orkanartige Böen".