Fahrradwege Frankfurt Bockenheim
Besser vier als gar keiner? Nach der Sanierung der Sophienstraße gibt es in Frankfurt Bockenheim jetzt vier Fahrradspuren. Bild © hr

Nicht nur einer in jede Richtung, gleich vier Fahrradwege schmücken seit kurzem die Sophienstraße in Frankfurt. Die Anwohner hatten auf mehr Parkplätze gehofft.

Radfahrer im Frankfurter Stadtteil Bockenheim haben jetzt die Wahl: Wer die Sophienstraße entlang radelt, muss nicht nur entscheiden, in welche Richtung, sondern auch auf welchem der beiden Fahrradwege. Der ältere verläuft auf dem Gehweg, nach einer Sanierung der Fahrbahn wurde parallel noch ein zweiter Radweg entlang der parkenden Autos auf der Fahrbahn markiert. Vier Radwege für eine innerstädtische Straße.

Anwohnerin: "Unsinnige Lösung"

"Eine unsinnige Lösung", sagt eine Anwohnerin dem hr. Sie hatte auf mehr Parkplätze gehofft. Die Stellplatznot der Anwohner ist groß in Bockenheim. Mit der Sanierung des Straßenbelags in der breiten Sophienstraße hätte das Problem gleich gemildert werden können. Parkplätze, die auf einer Straßenseite bisher längs zur Fahrbahn verlaufen, hätten in Stichparkplätze umgewandelt werden können, hatte die Anwohnerin der Stadt vorgeschlagen - es gab dazu auch eine Ortsbegehung mit Anwohnern. Die Fahrradwege auf dem Gehweg wären geblieben, wo sie immer schon waren.

Der zuständige Ortsbeirat hatte noch eine andere Idee: Er wollte einen fahrradfreien Gehweg und statt neuer Parkplätze einen Grünstreifen. Keiner der Vorschläge hatte Erfolg. Die Stadt ließ die Bauarbeiter die Farbe auspacken und verdoppelte das Fahrradwegangebot.

Kinder und Unsichere rechts, alle anderen links

"Das bleibt so und war eine bewusste Entscheidung", bekräftigt Michaela Kraft, Leiterin des Frankfurter Amts für Straßenbau und Erschließung. Die Idee dahinter: Auf dem Gehweg-Fahrradstreifen könnten die "unsicheren Verkehrsteilnehmer" und Kinder radeln, auf der Straße alle anderen - jedem Radlertyp sein Streifen. Durch die Sanierung seien keine Parkplätze weggefallen, aber auch keine hinzugekommen. Das Konzept sei auch denkbar für andere Orte in Frankfurt, sagt Kraft: Denn immer mehr Radler möchten gerne auf der Fahrbahn statt auf dem Gehweg unterwegs sein.

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In der Bockenheimer Sophienstraße könnte die Nutzung des Fahrbahnstreifens aber ein gewisses Risiko bergen: Weil ein Teil der Parkplätze senkrecht zur Fahrbahn angelegt wurde, sogenannte Stichparkplätze, werden Radler womöglich häufiger mit ausparkenden Autos in Konflikt geraten. Und wer sich über die freie Fahrradwegwahl freut, wird noch einen anderen Wermutstropfen finden: Einer der neuen Radwege auf der Fahrbahn ist nach 200 Metern schon wieder zu Ende. Dann braucht die Straßenbahn den Platz.

Ihre Kommentare Zwei parallele Fahrradwege auf einer Straßenseite - ist das ein gutes Konzept für Städte?

77 Kommentare

  • Das kennen wir bereits aus dem Nordend/Bornheim. Auf der Rothschildallee in Richtung Berger Strasse gibt es auch zwei Radwege. Und auf beiden fahren die "sicheren" Radfahrer. Zusätzlich übrigens auch noch auf dem Teil, der für Fussgänger übrig geblieben ist. Bitter an der ganzen Geschichte ist, dass damals Kindergärten in der Gegend auf Anfrage nach Verkehrsberuhigung gesagt wurde, es seien keine Mittel verfügbar... schöne neue Welt, in der uns das Wohl der Kinder anscheinend so wichtig ist, dass Gelder lieber für doppelte Radwege ausgegeben werden.

  • Die Planung zeigt, das es eigentlich keine ganzheitliche realitätsnahe und übergreifende Planung gibt. Auf die Nöte und Bedürfnisse der Bürger wird kaum eingegangen. Wozu 2 Fahrradwege, die dann auch noch - wie so oft - aprupt enden. Schön wäre ein wirkliches Konzept für ein nebeneinander von Auto, Radfahrern und Fussgängern. Sollte eigentlich nicht so schwierig sein. Die Prioritäten liegen aber offensichtlich woanders.
    Wahrscheinlich bewegen sich die Zuständigen mit dem Hubschrauber...
    P.S. Das sieht in Hanau nicht anders aus.

  • Nur weiter so. Mehr Radfahrer auf die Straße. Wir Autofahrer haben ja sonst keine Ziele.

    Eine unsinnige Entscheidung. Dadurch wird das Gefahrenpotenzial unnötig gesteigert.
    Eine Räumliche Trennung bringt für alle Verkehrsteilnemer mehr Sicherheit.

    Wenn eine Verkehrsberuhigung angedacht war, würden das auch sehr gut Querparkflächen eher dazu beitragen.

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