Rettungswagen zur Evakuierung von Krankenhauspatienten
Rettungswagen zur Evakuierung von Krankenhauspatienten Bild © picture-alliance/dpa

Rund 70.000 Menschen müssen am Sonntag wegen der Entschärfung einer Luftmine ihre Wohnungen verlassen. Wen betrifft die Evakuierung? Welche Straßen sind gesperrt? Was ist mit dem Nahverkehr? Fragen und Antworten.

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Wo genau wurde die Bombe gefunden?

Die Bombe wurde auf einer Baustelle in der Wismarer Straße im Westend gefunden. Die Straße liegt in unmittelbarer Nähe zum Uni Campus Westend.

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Wer ist von der Evakuierung betroffen?

Durch die Größe der Bombe sind nach Angaben der Polizei umfangreiche Evakuierungsmaßnahmen notwendig. Ab Sonntagmorgen um 6 Uhr wurde die Umgebung in einem Radius von 1,5 Kilometern Entfernung abgesperrt, alle Menschen mussten die Zone verlassen. In diesem Umkreis liegen unter anderem das Bürgerhospital und das Marienkrankenhaus, zehn Altenheime, das Polizeipräsidium und der Hessische Rundfunk. Das Markuskrankenhaus ist entgegen ersten Meldungen nicht von der Evakuierung betroffen.

Bombenfund Frankfurt Karte
Im Radius von etwa 1,5 Kilometer um den Fundort der Bombe soll evakuiert werden. Bild © hessenschau.de

Das Bürgerhospital kündigte an, geplante Operationen zu verschieben. Außerdem schaltete das Krankenhaus eine Hotline für Patienten und deren Angehörige (069/15005929). Feuerwehr und Polizei richteten für Fragen zur Evakuierung ein Bürgertelefon ein (069/212111), das rund um die Uhr besetzt ist.

Nach Schätzung der Behörden müssen rund 70.000 Anwohner - nach neuen Angaben der Polizei vom Samstagnachmittag, bislang war von mehr als 60.000 die Rede - in Sicherheit gebracht werden. Mit Hilfe des Geoinformationsportals der Stadt Frankfurt ist leicht herauszufinden, ob die eigene Wohnung in der Sperrzone liegt. Einfach die Hausnummer eingeben! Wegen der großen Nachfrage kann das Portal zeitweise überlastet sein. Als alternative Suchmöglichkeit bietet sich auch diese interaktive Karte an.

Hier der vorläufige Evakuierungsbereich für die Entschärfung der #Weltkriegsbombe im #Westend #Ffm , am kommenden Sonntag

Wie lange dauert die Evakuierung?

Am Sonntagtmorgen um 6 Uhr begann die Evakuierung im Umkreis von 1,5 Kilometer rund um den Fundort der Weltkriegsbombe. Laut Zeitplan sollten alle Menschen den Bereich gegen 8 Uhr verlassen haben, es kam allerdings zu Verzögerungen von zweieinhalb Stunden, weil sich noch Menschen in der Sperrzone aufhielten. Gegen 14.30 sagte Polizeipräsident Gerhard Bereswill, die Evakuierungsmaßnahme sei erfolgreich verlaufen: ""Alles ist menschenleer."

Um 15 Uhr meldete die Polizei dann die erste Erfolgsmeldung: Ein Zünder konnte erfolgreich entfernt werden. Damit sind noch zwei weitere Zünder übrig, sollten diese problemlos entfernt werden können, könnten die Arbeiten an der Weltkriegsbombe gegen 19.30 Uhr abgeschlossen sein. Dann werden zunächst ältere Menschen und Patieneten zurück ins evakuierte Bürgerhospital, das Marienkrankenhaus und in die 20 Altenheime zurück gebracht, die in der Evakuierungszone liegen. Erst danach können alle Bewohner der Evakuierungszone zurück in ihre Wohnungen. Das Ende der Sperrung wird per Lautsprecheransagen und im Rundfunk, also auch hier auf hessenschau.de, bekannt gegeben.

Sind die Anwohner verpflichtet, ihre Häuser zu verlassen?

Ja, die Polizei kontrollierte ab 8 Uhr alle Häuser. Uneinsichtige Anwohner mussten unter Zwang den Evakuierungsbereich verlassen. Nach Angaben des Frankfurter Polizeipräsidenten Bereswill liegt die Zahl der Polizeibeamten im vierstelligen Bereich. Außerdem werden rund 1.000 Feuerwehrleute und Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) im Einsatz sein. Von 8 bis 20 Uhr gilt ein Aufenthaltsverbot in der Sperrzone. Ordnungsdezernent Frank bittet darum, nicht mit der Polizei zu diskutieren, um den Zeitplan nicht zu gefährden.

Wo kann ich als Betroffener unterkommen?

Für Menschen, die sich nicht selbst versorgen können, richtet die Stadt Notunterkünfte ein: zwei Hallen auf dem Messegelände, die Jahrhunderthalle, die Fraport Arena (ehemals Ballsporthalle). Falls das nicht genügt, werden weitere Turnhallen oder Bürgerhäuser geöffnet. Es soll Platz für bis zu 6.500 Menschen geschaffen werden.

An fünf Sammelpunkten (Raimundstraße, Hansaallee, Holzhausenstraße, Fürstenbergerstraße, Reuterweg) fahren am Sonntag zwischen 6 und 8 Uhr Busse in die Notunterkünfte - und am Abend wieder zurück.

Die Infos zu den Sonder-Bussen zu den Betreuungsstellen sind online https://t.co/6PMULQhfUG #Weltkriegsbombe #Westend #ffm ^fe

Wer nicht aus eigener Kraft die Wohnung verlassen kann und Hilfe beim Transport benötigt, kann sich an das Bürgertelefon wenden (069/212111).

Was sollten Evakuierte unbedingt bei sich haben?

Die Behörden raten, wichtige persönliche Dokumente mitzunehmen: z. B. Personalausweis, Führerschein oder medizinische Unterlagen. Außerdem sollten Betroffene bei Bedarf wichtige Medikamente einpacken. Für Babys Babynahrung nicht vergessen.

Was ist mit dem U-Bahn-, Bus- und Straßenbahnverkehr?

In der Sperrzone wird kein öffentlicher Nahverkehr fahren. Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) informiert ausführlich über die Behinderungen. Demnach werden die S-Bahnen ungehindert verkehren können. Anders die U-Bahnen: Da die sogenannte A-Strecke mit den Linien U1, U2, U3 und U8 durch den Sperrkreis fährt, werden die Bahnen für die Zeit der Entschärfung nur bis zur Grenze fahren. Zwischen Hauptwache und Hügelstraße wird der Verkehr eingestellt. Auch die Linien U4, U5, U6 und U7 werden in Teilen betroffen sein. Die U9 verkehrt planmäßig.

Auch die Straßenbahnen können bis auf eine Ausnahme ungehindert verkehren: Die Linie 16 wird von Oberrad kommend ab Haltestelle Adalbert-/Schloßstraße zum Westbahnhof umgeleitet. Die Buslinien 32, 34, 36, 64 und 75 werden am Sonntag nicht fahren. Bei der Buslinie 50 gibt es Einschränkungen. Es ist davon auszugehen, dass die Sperrungen länger dauern, um hilfsbedürftige Menschen zurücktransportieren zu können.

Ist auch der Flugverkehr betroffen?

Ob die Bombenentschärfung Auswirkungen auf den Luftverkehr über Frankfurt hat, ist nach Angaben der Deutschen Flugsicherung in Langen noch unklar. Das hänge auch von den Windverhältnissen am Sonntag ab. Im Anflug auf den größten deutschen Flughafen überquerten Flugzeuge nur bei Ostwind das Gebiet über dem Fundort der Bombe.

Wo informieren Polizei und Feuerwehr?

Die Frankfurter Feuerwehr informiert laufend über die Sprengung und die Evakuierung im Internet: auf Twitter und auf ihrer Homepage.

Dort zu finden ist auch ein Dokument mit zahlreichen Fragen und Antworten auf Deutsch und Englisch. Die Feuerwehr bittet, erst dieses Dokument zu lesen. Für weitere, dringende Fragen verweist sie auf das Bürgertelefon: 069/212111. Alternativ werden am Samstag und Sonntag zwischen 8 und 18 Uhr auch unter der Behördennummer 115 Fragen zur Evakuierung beantwortet.

Auch die Polizei Frankfurt informiert laufend im Internet über Twitter.

Um was für eine Bombe handelt es sich?

Es handelt sich um eine britische 1,8 Tonnen-Bombe mit der Bezeichnung HC-4000 aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Luftminen waren bis zu 80 Prozent ihres Gesamtgewichts mit Sprengstoff gefüllt. Der in Frankfurt gefundene Sprengkörper enthält demnach 1.400 Kilogramm TNT.

Die HC-4000 wurde auch als Blockbuster oder Wohnblockknacker bezeichnet. Die Bombe hat einen Durchmesser von 76 Zentimetern und war ursprünglich gut drei Meter lang. Die nun gefundene Bombe ist mit zwei Metern Länge nicht mehr ganz vollständig. Die Royal Air Force warf bis Kriegsende insgesamt 68.000 Luftminen dieses Typs über ganz Deutschland ab.

Wie wird die Bombe entschärft?

Die Bombe hat noch drei Aufschlagzünder. Zunächst muss von Hand auf jeden dieser Zünder eine Raketenklemme angeschraubt werden. Anschließend wird versucht, diese ferngesteuert herauszudrehen. Dabei werden je zwei Kartuschen gezündet und es gibt einen "kleinen Knall".

Die Entfernung für die vier bis fünf Entschärfer zur Luftmine könne maximal 800 Meter betragen - "in einer geeigneten Deckung". Wenn es nicht gelingt, mit dieser Methode alle drei Zünder herauszudrehen, bleibt den Entschärfern noch ein zweiter Weg: Mit einem Wasserstrahlschneider wird mit einem Druck von rund 600 Bar versucht, die Zünder herauszuschneiden.

Hat der Kampfmittelräumdienst schon mal so eine Bombe entschärft?

Der Kampfmittelräumdienst beim Regierungspräsidium Darmstadt nicht. Ein Team sei allerdings bei der Entschärfung einer Bombe des gleichen Typs in Augsburg dabei gewesen, sagt Entschärfer Rene Bennert. "Die Bombe ist aber nicht das Entscheidende. Wir wissen, welcher Zünder das ist." Sein Chef Dieter Schwetzler ergänzt: "Nervös und aufgeregt sind wir immer. Man muss jede Bombe so behandeln, als ob es die erste wäre."

Hat es einen solchen Bombenfund schon einmal gegeben?

Zu Großevakuierungen kommt es in Deutschland durchschnittlich ein Mal pro Jahr. In jüngster Vergangenheit gab es unter anderem in Hannover, Augsburg und Koblenz umfangreiche Einsätze.

  • 2017: Im Mai wurden in Hannover gleich drei kleinere Fliegerbomben auf einmal entschärft. Dafür mussten mehr als 50.000 Anwohner für rund neun Stunden in Sicherheit gebracht werden.
  • 2016: In Augsburg verbrachten nach dem Fund einer Luftmine vom Typ HC-4000 viele Menschen das Weihnachtsfest in Turnhallen. 54.000 Menschen mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Es war die bisher größte Evakuierungsaktion der Nachkriegszeit.
  • 2014: In Seelze bei Hannover muss eine HC-4000 direkt neben einem Wohngebiet entschärft werden. Die Stadt und drei umliegende Dörfer werden evakuiert.
  • 2013: In Dortmund mussten im November 20.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen, Krankenhäuser und Seniorenheime wurden in einem Umkreis von 1,5 Kilometern geräumt. Es war die zweite Bombe dieses Typus, die in Dortmund entschärft wurde. Zuvor hatte es 1998 eine Entschärfung gegeben.
  • 2013: In Gießen explodierte ein Blindgänger ohne Vorwarnung - zum Glück auf einem Acker. Verletzt wurde bei der Detonation niemand.
  • 2012: In München sollte eine 250-Kilo-Bombe entschärft werden. Weil das nicht klappte, entschieden sich die Experten zur Sprengung des Blindgängers. Die Wucht der Explosion war aber stärker als angenommen und richtetete im Stadtteil Schwabing massive Schäden in Millionenhöhe an. Bombensplitter flogen bis zu 300 Meter weit.
  • 2011: Im Dezember wurden in Koblenz gleich zwei Bomben im Rhein gefunden: Eine 1,8 Tonnen schwere HC-4000 und eine kleinere Fliegerbombe. Knapp die Hälfte der 104.000 Bewohner wurde in Sicherheit gebracht, Koblenz wurde für einen Tag zur Geisterstadt.
  • 2010: Im Juni kamen in Göttingen bei einer missglückten Bombenentschärfung drei Menschen ums Leben, mehrere wurden zum Teil schwer verletzt. Die Sprengstoffexperten bereiteten gerade die Bombenentschärfung vor, als der Blindgänger plötzlich explodierte. Zu diesem Zeitpunkt war die Evakuierung noch nicht abgeschlossen.
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Sendung: hr-iNFO,  01.09.2017, 14 Uhr

Ihre Kommentare Trifft Sie die Evakuierung? Und was tun Sie in der Zeit?

58 Kommentare

  • Auch wenn mich die Evakuierung nicht im Geringsten trifft (ich wohne 600 km von Frankfurt entfernt), so verfolge ich die Ereignisse doch mit höchstem Interesse.
    Ich hoffe im Interesse Aller, dass es gut und reibungslos abläuft. vor allem, dass keine menschlichen Schäden passieren.

    Ich wünsche den Beteiligten, den Verantwortlichen, den Bürgerinnen und Bürgern dieser großartigen Stadt, dass alles gut geht und dass Ihr alle am Ende des Tages erleichtert aufatmen und lachen könnt

  • Mich würde die Rechtsgrundlage dafür interessieren, dass die Polzei gehalten ist, polizeilichen Zwang auszuüben, wenn jemand im mehr oder weniger willkürlich festgelegten "Sperrgebiet" seine Wohnung nicht verlassen möchte. Was hat sich der "Rechtsstaat" dazu ausgedacht?

  • Wo ist der glorreiche Frankfurter Oberbürgermeister Feldmaus (oder wie war gleich sein Name?) Er überlässt alles den Fachleuten. Grauenvoll Beispiel: Dezernent Frank mit der Ausstrahlung einer Büroklammer. Dementsprechend ist das Vertrauen und die Konnotationseiner Kompetenz.
    Ein Desaster für die Stadt Frankfurt, das mit Petra Roth nicht passiert waere. Sie haette in einem gelungenen öffentlichen Auftreten die richtigen Worte gefunden. Kompetenz der Behörden verbunden mit Empathie für die Betroffenen. Das alles fehlt. Kein Vertrauen in diese Verwaltung : Arme Stadt Frankfurt! Welche ein erbärmliches Führungspersonal. Hoffentlich macht Frau Weyland das künftig besser!

    Kerstin Müller
    Eine enttäuschte Bürgerin der Stadt Frankfurt


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