Wildschwein auf Wiesbadener Wilhelmstraße
Das Wildschwein lief über die Wiesbadener Wilhelmstraße. Bild © Tobias Cieplik/Montage: hessenschau.de

Ein Wildschwein hat einen spontanen Stadtbummel auf einer Wiesbadener Prachtstraße mit dem Leben bezahlt. Kurz nach seinem auf Video festgehaltenen Ausflug wurde das Tier erschossen.

Videobeitrag

Video

zum Video Wildschwein in Wiesbaden

Ende des Videobeitrags

Beim noblen Herrenausstatter durch die Tür geschaut, die Damen-Boutique links liegen gelassen und rein in den Eingang des Kunstvereins Bellevue-Saal: Ein Wildschwein stattete am Freitagmorgen gegen 8.30 Uhr der Wiesbadener Wilhelmstraße einen Besuch ab.

Videobeitrag

Video

zum Video Wildschwein in Wiesbadener Innenstadt

Ende des Videobeitrags

"Es lief vom Kurpark über die Straße und knallte zuerst gegen die Scheibe des Parkcafés", berichtete Augenzeuge Tobias Cieplik im Gespräch mit hessenschau.de. Auf einem Handyvideo hielt der Fotograf vom Auto aus den ungewöhnlichen Stadtbummel fest und alarmierte die Polizei. "Das Tier sprang verwirrt herum", sagte Cieplik.

Schäden oder Verletzte gab es nach ersten Erkenntnissen nicht. Die aufgesuchten Läden hatten zu dieser Zeit noch nicht geöffnet. Nachdem der Vierbeiner den Rückzug angetreten hatte, machten sich Stadt und Polizei auf die Suche nach dem etwa 80 bis 100 Kilo schweren Jungtier. Sie fanden es im mit dem Bellevue verbundenen Innenhof des Gebäudes Marktplatz 5, zwischen Büschen versteckt.

Wegen Gefahrenabwehr erschossen

Um 10.24 Uhr hätten Mitarbeiter der unteren Jagdbehörde das Tier erschossen, bestätigt Hans-Peter Erkel, Leiter der Stadtpolizei. Grund war die Gefahrenabwehr. "Dass ein solches Tier auf einer der Hauptverkehrs- und Einkaufsstraßen eine Gefahr darstellt, muss wohl nicht näher erklärt werden."

Narkose sei keine Option gewesen, sagt Erkel: "Das sieht das Recht nicht vor." Denn hätten die Beamten das Tier narkotisiert, hätten sie es nicht wieder in freier Wildbahn aussetzen können. Dort hätten es dann nämlich entweder die anderen Tiere angefallen, oder aber ein Jäger hätte es erschossen - nicht ahnend, dass das Tier betäubt wurde. "Es dauert 14 Tage bis drei Wochen, bis das Tier die Narkosestoffe abgebaut hat."

Da aber erschossene Tiere übers Forstamt "vermarktet" werden, also beispielsweise zu Wurst oder Steak verarbeitet, hätten die Kunden nichtsahnend die Schweinenarkosemittel mitgegessen. Auch das Tier vom Freitagmorgen war am Mittag bereits im Kühlhaus, berichtete Erkel.

Wildschweine in Pizzeria und Thermalbad

Umherlaufende Wildschweine sind in der Landeshauptstadt offenbar keine Seltenheit. Vor knapp zwei Jahren hatte eine Sau im Stadtteil Klarenthal mehrere Unfälle verursacht und einer Pizzeria einen Besuch abgestattet.

Im nordhessischen Bad Karlshafen war im vergangenen November ein Wildschwein gar in das Becken eines Thermalbads gehüpft und hatte für Aufregung im Wellness-Bereich gesorgt. Beide Fälle verliefen zumindest aus Sicht der Tiere glimpflicher: Ihnen gelang unbeschadet die Flucht.

Das könnte Sie auch interessieren