Sturmtief "Friederike"
Entwurzelte Bäume blockieren eine Straße in Kassel. Bild © picture-alliance/dpa

Nach dem Orkan "Friederike" rollen fast alle Züge im Land wieder. Bahn- und Busreisende in Nordhessen müssen jedoch weiter mit Verspätungen und Ausfällen rechnen. Dutzende Landstraßen sind noch gesperrt.

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Nach dem Sturmtief "Friederike" laufen die Aufräumarbeiten in Hessen. Die Folgen des Orkantiefs, das über das Land fegte, sind aber auch am Freitag noch spürbar. Bundesweit verursachte der Orkan nach einer Schätzung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft einen Schaden von rund 500 Millionen Euro.

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Der Zugverkehr auf den Fernverkehrsstrecken läuft größtenteils wieder planmäßig. Am Nachmittag konnte die Bahn den Betrieb auch auf der Strecke Kassel-Wilhelmshöhe - Gießen - Frankfurt wieder aufnehmen. Probleme gebe es noch zwischen Koblenz und Köln, sagte ein DB-Sprecher. Mit weitgehend normalem Verkehr rechnet die Bahn wieder am Wochenende.

Strecke zwischen Marburg und Treysa gesperrt

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Im regionalen Zugverkehr kann es weiter zu Behinderungen kommen. Umgestürzte Bäume in den Gleisen stören den Zugverkehr zwischen Marburg und Kassel Hauptbahnhof erheblich. Die Strecke zwischen Marburg und Treysa ist gesperrt, ein Busnotverkehr ist eingerichtet.

Die Züge aus Richtung Kassel enden laut Bahn vorzeitig in Treysa und wenden dort. Die Züge aus Richtung Frankfurt enden vorzeitig in Marburg oder vereinzelt in Stadtallendorf und wenden dort.

Die Bahn hatte am Donnerstagnachmittag den Fernverkehr in ganz Deutschland eingestellt. Tausende Fahrgäste strandeten an den Hauptbahnhöfen von Frankfurt, Kassel und Fulda. Mehr als 1.000 Fahrgäste nutzten die Aufenthaltszüge in Fulda, in Kassel waren es rund 300.

Linienbusse in Nordhessen fallen aus

Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) berichtete am Freitag, dass wegen der Aufräum- und Reparaturarbeiten auf Straßen und Gleisen weiterhin mit Einschränkungen und Ausfällen im öffentlichen Nahverkehr gerechnet werden müsse. Hinzu kommt Eis- und Schneeglätte, die besonders in den Höhenlagen den Linienbussen erhebliche Probleme bereitet.

Betroffen sind nach NVV-Angaben die Strecken: Kassel - Hofgeismar, Kassel - Eichenberg, Kassel - Göttingen, Bebra - Göttingen, Korbach - Frankenberg, Korbach - Brilon, Kassel - Altenbeken, Treysa - Marburg, Kassel - Halle.

Dutzende Landstraßen weiter gesperrt

Mit der A7 wurde am Freitagnachmittag auch die wichtigste Nord-Süd-Verbindung im Land für den Verkehr wieder freigegeben. Zuvor war der Abschnitt zwischen Bad Hersfeld-West und Kirchheimer Dreieick wegen umgestürzter Bäume teilweise gesperrt. Auch in Richtung Niedersachsen ist die Autobahn jetzt wieder frei.

Dutzende Landstraßen sind jedoch noch gesperrt. Hessen Mobil hat sie aufgelistet.

Bäume können Tage später noch umstürzen

Der hessische Waldbesitzerverband rät von Besuchen im Wald in den nächsten Tagen ab. "Abgebrochene Äste hängen noch in den Baumkronen und können jederzeit herabstürzen", teilte der Verband am Freitag mit. Der Waldboden sei zudem nach den wochenlangen Regenfällen aufgeweicht und biete den Bäumen wenig Standsicherheit.

Der Sturm habe Bäume immer wieder hin- und hergeschaukelt, dabei könnten Wurzeln gerissen sein. "Manche Bäume bleiben trotzdem noch stehen und fallen dann Tage nach dem Sturm plötzlich um", warnte Verbands-Geschäftsführer Christian Raupach.

Gutshof eingestürzt, Bäume auf Supermarkt

Der schwerste Orkan seit mehr als zehn Jahren hatte am Donnerstag große Schäden angerichtet. Nordhessen hatte besonders stark mit den Sturmböen zu kämpfen, die Aufräumarbeiten laufen auf Hochtouren. Dort waren mehrere Lastwagen umgekippt, Dächer abgedeckt und Bäume entwurzelt worden. Auch Ost- und Mittelhessen waren stark betroffen.

Bei Calden (Kassel) brach ein alter Gutshof in sich zusammen. Im mittelhessischen Dillenburg fielen mehrere Bäume auf einen Supermarkt, der aber geschlossen war.

Hochschwangere Frau gerettet

Glück hatte eine hochschwangere Frau mit Wehen, die wegen des Sturmtiefs beinahe auf einer gesperrten Straße im Landkreis Marburg-Biedenkopf strandete. Ein Krankenwagen, der ihr zur Hilfe eilen wollte, sei am Donnerstag im Schlamm neben der Straße stecken geblieben, berichtet die "Oberhessische Presse" online. Kurzerhand habe eine Redakteurin der Zeitung eingegriffen, die mit ihrem Allradfahrzeug in der Nähe war. Sie brachte die Frau sicher durch den Matsch bis ins Krankenhaus.

Bundesweit kamen mindestens acht Menschen durch den Sturm ums Leben. In Hessen wurden mehrere Menschen verletzt. In Stadtallendorf (Marburg-Biedenkopf) erlitt ein 13 Jahre altes Mädchen schwere Verletzungen, als ein Baum umstürzte. In Marburg traf ein Dachziegel eine 65 Jahre alte Frau. In Kirtorf im Vogelsberg fiel ein 150 Meter hoher Kran um. Er beschädigte dabei ein Windrad. Der Sachschaden hier: über eine Million Euro.

Normalbetrieb am Frankfurter Flughafen

Am Frankfurter Flughafen herrschte am Freitag Normalbetrieb, wie ein Sprecher am Morgen sagte. Die Auswirkungen des Sturms waren vor allem auf anderen Flughäfen spürbar. Flugabsagen und Umleitungen in Städten wie Amsterdam, Köln und Bonn hatten so auch Frankfurt betroffen. Die Zahl der Annullierungen bewegte sich aber in einem normalen Rahmen.

"Friederike" war am Donnerstag mit Orkanböen von bis zu 133 Stundenkilometern über Hessen hinweg gefegt. Der Deutsche Wetterdienst stufte das Tief am frühen Nachmittag zum Orkan hoch.