Peter Münch
Peter Münch Bild © Imago

Die hessische AfD hat in Gießen im zweiten Anlauf ihre Bundestagskandidaten nominiert. Während der umstrittene Ex-CDU-Politiker Martin Hohmann unter die Top sieben kam, wurde Vorstandssprecher Peter Münch abgestraft.

"Ich gebe offen zu, ich bin sehr enttäuscht", kommentierte Peter Münch am Sonntag gegenüber hessenschau.de sein persönliches Wahldebakel. Der AfD-Landesvorstandssprecher wurde beim Landesparteitag der Partei in Gießen am Wochenende nicht unter die Top sieben der Landesliste für die Bundestagswahl gewählt.

Münch gibt seine Ämter auf

Bei der ersten, wegen eines Formfehlers gescheiterten Listennominierung im November war Münch noch auf den zweiten Listenplatz gewählt worden. Diesmal blieben die nötigen Stimmen für einen Spitzenplatz aus. "Das ist ein klares Zeichen der Mitglieder. Ich werde daraus meine Konsequenzen ziehen und mich zurückziehen", sagte Münch.

Bis zur Sommerpause werde er sich aus dem Kreisverband Hochtaunus zurückziehen. Im Landesvorstand habe er noch einige Aufgaben zu erledigen, aber spätestens bei der regulären Neuwahl im Oktober stehe er nicht wieder zur Verfügung, so Münch, der sich am Sonntag in Gießen trotz seiner Enttäuschung noch zur Wahl für einen der hinteren Plätze stellte. Schließlich "stehe ich nach wie vor hinter der AfD", so Münch.

Die hessische AfD hat an diesem Wochenende ihre Bundestagskandidaten nominiert - im zweiten Versuch. Der erste im November war gescheitert, nachdem zwei nicht berechtigte Mitglieder mit abgestimmt hatten. Auch am Samstag wäre es beinahe wieder zu einer ähnlichen Wahlpanne gekommen. Diesmal bemerkte man aber noch rechtzeitig, dass ein ausländisches Mitglied eine Stimmkarte ausgehändigt bekommen hatte.

Hohmann auf Platz sechs

Zur Spitzenkandidatin wurde am Samstagabend - wie schon im ersten Versuch im Herbst - Mariana Harder-Kühnel gekürt. "Ich freue mich über ihre Wiederwahl, sie macht das sehr gut", kommentierte Münch die Personalie. Rang zwei hinter der Juristin ging an die Politologin Joana Cotar, auf Platz drei wurde Uwe Schulz, Sprecher des Gießener Kreisverbandes, gewählt. Auf die Plätze vier bis sechs kamen Jan Nolte, Vorsitzender der Jungen Alternative (JA) Hessen, der Bundespartei-Vize und frühere Frankfurter Kämmerer Albrecht Glaser sowie der umstrittene frühere CDU-Politiker Martin Hohmann aus Fulda.

Hohmann war im November noch auf Rang vier gewählt worden. Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete hatte 2003 mit einer als antisemitisch empfundenen Rede einen Skandal ausgelöst. Rang sieben ging an Andreas Lichert. Im Verlaufe des Sonntags stehen noch die Wahlen weitere Listenplätze an, die AfD will 19 Kandidaten aufstellen. Zudem hielt am Sonntag AfD-Spitzenkandidatin im Bund, Alice Weidel, eine Rede.

Zähe Diskussionen vor dem Wahlgang

Der erste Wahltag am Samstag war geprägt von zähen Disputen über Formales, Anträgen und Abstimmungen. Erst nach rund fünf Stunden konnte mit dem Wahlmarathon mit insgesamt 26 Kandidaten begonnen werden. Auch am Sonntag gestaltete sich die Veranstaltung als zäh, wie ein Sprecher sagte: "Und es sind mit rund 300 Personen auch deutlich weniger Mitglieder da als gestern." Am Samstag hatten demnach rund 400 Mitglieder an dem Landesparteitag teilgenommen.

Sendung: hr-iNFO, 14.05.2017, 12 Uhr