AfD-Fraktionschefs Weidel und Gauland am Dienstag im Bundestag mit Kandidat Glaser (v.l.n.r.).
AfD-Fraktionschefs Weidel und Gauland am Dienstag im Bundestag mit Kandidat Glaser (v.l.n.r.). Bild © picture-alliance/dpa

Dreimal ist er am Dienstag im Bundestag durchgefallen. Doch die AfD will weiter den hessischen Bundestagsabgeordneten Albrecht Glaser als Bundestagsvizepräsidenten. Seine Fraktion machte deutlich, dass sie hinter dessen islamfeindlichen Positionen steht.

Die AfD-Fraktion im Bundestag will an ihrem Kandidaten für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten festhalten. Man wolle Albrecht Glaser erneut zur Wahl stellen, sagte Fraktionschef Alexander Gauland am Mittwoch in Berlin. Dies sei nach Beratungen in der Fraktion entschieden worden.

Der AfD-Kandidat Glaser hatte in der konstituierenden Sitzung des Bundestages am Dienstag die notwendige Mehrheit in drei Wahlgängen deutlich verfehlt. Seine Kandidatur war wegen seiner islamfeindlichen Äußerungen bei allen anderen Fraktionen auf heftigen Widerstand gestoßen. Er hatte in einer Rede gesagt, die im Grundgesetz verbriefte Religionsfreiheit gelte für Muslime nicht uneingeschränkt und seine Ansichten im Gespräch mit hessenschau.de verteidigt.

AfD-Fraktionschef: Glasers Position ist auch unsere

Gauland machte deutlich, dass die AfD weiter hinter Glaser und seinen Äußerungen steht. Er sagte, man wolle vor einem weiteren Wahlgang den anderen Fraktionen im Bundestag Gelegenheit geben, mit Glaser ins Gespräch zu kommen. Der AfD-Kandidat biete an, ihnen seine Position zum Islam zu erklären, "die ja die unsere Position ist", so Gauland.

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Albrecht Glaser

Glaser wurde 1942 in Worms geboren. Der studierte Jurist trat 1970 der CDU bei. Ab 1995 war er im Frankfurter Stadtrat zuständig für Wirtschaft und Gesundheit. 1997 wurde er Stadtkämmerer. Im Herbst 2012 trat er aus der CDU aus, im März 2013 wurde er AfD-Mitglied. Er ist Mitglied des Vorstands der AfD Hessen und einer von drei stellvertretenden Bundesvorsitzenden. Bei der Bundestagswahl war er Direktkandidat im Wahlkreis Schwalm-Eder, holte 12 Prozent der Erststimmen und zog über die Landesliste ins Parlament ein.

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Seine Fraktion hat sich damit vorerst gegen die Möglichkeit entschieden, Glaser zurückzuziehen und einen anderen Kandidaten oder eine Kandidatin zu benennen. Der frühestmögliche Termin für einen weiteren Wahlgang wäre die Woche vom 20. November an, in der der Bundestag wieder zusammenkommen soll. Der Ältestenrat muss dem Verfahren aber zustimmen.

In drei Wahlgängen durchgefallen

In der konstituierenden Sitzung des neu gewählten Parlaments war zunächst der bisherige Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit einer großen Mehrheit der insgesamt 709 Abgeordneten zum Bundestagspräsidenten gewählt worden. Die Kandidaten aller anderen Fraktionen waren im ersten Wahlgang zu seinen Stellvertretern gewählt worden.

Glaser hingegen fiel mit 115, 123 und 114 Ja-Stimmen in drei Wahlgängen durch. Der frühere Frankfurter Stadtkämmerer und CDU-Kommunalpolitiker erhielt damit aber auch Stimmen aus anderen Fraktionen.

Ein Bundestagsvize aus jeder Fraktion

Jede Fraktion kann einen der insgesamt sechs Stellvertreter von Bundestagspräsident Schäuble stellen. Üblicherweise wählen die Abgeordneten jeweils die Kandidaten einer jeden Fraktion.

Nur 2005 hatte eine Mehrheit der Parlamentarier der Linkspartei die Zustimmung für Lothar Bisky als Vizepräsident verweigert. Er scheiterte auch im vierten Wahlgang und gab dann auf. Später stellte die Fraktion Petra Pau zur Wahl, die dann gewählt wurde und bis heute eine der Vizepräsidentinnen und -präsidenten des Parlaments ist.