Bundespolizist auf einem Bahnsteig
Bundespolizist auf einem Bahnsteig Bild © picture-alliance/dpa

Aus Personalmangel hat sich die Bundespolizei offenbar von mehreren Bahnhöfen teilweise zurückgezogen. Vor allem Limburg und Hanau sind betroffen. Die Gewerkschaft der Polizei ahnt, wo die Beamten stattdessen eingesetzt werden.

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Der Vorplatz des Limburger Bahnhofs gilt als Kriminalitätsschwerpunkt. Drogen werden gehandelt. Es gab zwei Massenschlägereien in diesem Jahr. Die Landespolizei setzte bis vor kurzem eine "Besondere Aufbauorganisation" ein, um die Kriminalität dort zu bekämpfen.

Nicht unterstützt werden konnte sie von der Bundespolizei, die im Bahnhof ihre Dienststelle hat. "Dieses Revier ist zu 98 Prozent der Dienstschichten nicht besetzt", sagt Helmut Seibert, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Kreisgruppe Frankfurt.

Bundespolizei räumt Engpässe ein

Der Sprecher der zuständigen Bundespolizeidirektion Koblenz, Christian Altenhofen, bestätigt die Gewerkschaftszahlen nicht: "Dazu kann ich keine Aussage treffen, weil ich die Grundlage nicht kenne." Er räumt aber Personalengpässe ein.

Das kommt bei der Stadt Limburg nicht gut an. Sie verweist darauf, dass der Bahnhof ein Drehkreuz für Reisende und Pendler ist. "Umso schwieriger ist die Tatsache, dass die für den Bahnhof zuständige Bundespolizei und die Bahn selbst sich kaum um die Sicherheit auf dem Bahngelände kümmert", erklärt Pressesprecher Johannes Laubach.

Gespräche seien ergebnislos verlaufen, da die Bundespolizei auf ihre Personalknappheit verwiesen habe und die Bahn das Problem gerne an die Stadt oder die Landespolizei weiterreichen würde.

Viele Dienststellen nicht mehr voll besetzt

Auch an anderen hessischen Bahnhöfen hat sich die Bundespolizei zumindest teilweise zurückgezogen. Die Dienststellen in Wiesbaden, Fulda, Darmstadt, Hanau und Limburg waren in den letzten zwölf Monaten nicht durchgängig besetzt. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor.

Laut GdP war Hanau zu 54 Prozent nicht besetzt, in Darmstadt fiel jede 5. Schicht weg. Die Gewerkschaft hat den Zeitraum von August 2016 bis August 2017 ausgewertet.

Richtung Frankfurt abgezogen?

Der Grund ist nach Einschätzung der Gewerkschaft, dass viele Beamte an Kriminalitätsschwerpunkten wie dem Frankfurter Hauptbahnhof eingesetzt würden. Die starke Präsenz in Frankfurt sei zwar richtig, findet Seibert. Dafür sei aber die Situation in anderen Revieren teilweise prekär: "Bahnhöfe werden immer mehr zu Angsträumen für die Bürger und das müssen wir bekämpfen." Die Bundespolizei müsse an den Bahnhöfen wahrnehmbar sein.

Bundespolizei-Sprecher Altenhofen sagt dazu, die Bundespolizei setze ihr Personal zeitlich und örtlich flexibel an Kriminalitätsschwerpunkten ein, auch in Limburg, Hanau und Darmstadt. Die Situation werde sich außerdem ab 2019 durch neu ausgebildete Polizisten entspannen.

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Das Abzeichen des Bundespolizei auf einem Uniformärmel.

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