Selbstverwaltetes Zentrum Klapperfeld, Wissenschaftsminister Boris Rhein
Selbstverwaltetes Zentrum Klapperfeld, Wissenschaftsminister Boris Rhein Bild © Imago, picture-alliance/dpa (Archiv)

Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) klingelt nach heiterem Abend mit Freunden am linken Zentrum Klapperfeld in Frankfurt. Einlass erhält er nicht, stattdessen belehren die Linken den früheren Innenminister, wie wichtig Regeln sind.

Zum Anekdotenschatz der Bonner Republik gehört, wie Gerhard Schröder (SPD) einst nach einem Kneipenabend an den Gittern des Kanzleramtes rüttelte und rief: "Ich will da rein." Nun hat auch die Frankfurter Stadtgesellschaft ihre Rüttel-Geschichte.

Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, begehrte Kunst- und Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) am Montag nach einem heiteren Abend mit Freunden Einlass in das linksalternative Kulturzentrum Klapperfeld in der Innenstadt, scheiterte aber an der strengen Türpolitik.

Ministeriumssprecher: Spontaner Entschluss

Anders als Schröder, der ja Kanzler werden wollte und es später auch wurde, dürfte der frühere Innenminister Rhein allerdings kein Amt im selbstverwalteten Gebäude angestrebt haben. Sein Sprecher, der die Geschichte am Freitag im Wesentlichen bestätigt, sagt, nach einem Abendessen mit Freunden sei Rhein mit diesen am Zentrum vorbei gekommen.

Man habe sich an die Debatten über das Zentrum erinnert, als nach den G20-Ausschreitungen in Hamburg auch linke Zentren in Frankfurt zum Thema wurden. Und da noch Licht brannte, Musik erklang und Leute ein und aus gingen, habe sich die Gruppe entschlossen, aus "rein persönlichem Interesse sich die Örtlichkeiten anzuschauen", wie Rheins Sprecher sagt.

An der Tür war Schluss

An der Tür jedoch wurde Rhein klar gemacht, dass nicht geöffnet sei. Der Sprecher betont, Rhein sei darauf weitergezogen. Christopher Schneider von der Initiative "Faites votre jeu", die das Klapperfeld organisiert, berichtet, Rhein habe darauf verwiesen, das Zentrum werde öffentlich gefördert, daher solle er Zugang bekommen. Im Übrigen sei die Gruppe durch ihre Kleidung ("Strickjacken") rasch als konservativ aufgefallen.

Die Menschen im Zentrum hätten sich durch die Gruppe von zehn angetrunkenen Männern, die an der Tür gerüttelt und Sturm geklingelt hätten, durchaus bedrängt gefühlt, sagt Schneider. Sie hätten Rhein aber dann erklärt, dass es Regeln gebe, an die man sich auch hier halten müsse, anderswo könne man ja auch nicht einfach mal so vorbei kommen. Immerhin, das mitunter im Verfassungsschutzbericht erwähnte Klapperfeld könne ja kaum so gefährlich sein, "wenn der Minister sich traut, bei uns zu klingeln."

Rheins Sprecher will diese Version so nicht ganz bestätigen: Niemand sei bedrängt worden, "Alkohol hat hier zu keiner Zeit eine Rolle gespielt", sagt er.

Rhein würde wiederkommen

Die Reaktionen auf die Geschichte ließen nicht lange auf sich warten. Der Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Landtag, Gert-Uwe Mende, bewertet Rheins Verhalten auf Twitter zum "Fremdschämen". Ansonsten neigen die Reaktionen eher zu ironischer Heiterkeit.

Rhein jedenfalls zeigte sich durch den Hinweis auf die Öffnungszeiten nicht frustriert, wie sein Sprecher sagt: "Wenn er nächstes Mal reingelassen wird, schaut er bestimmt mal vorbei."