Twitter, Facebook, Instagram: Fast jedes Soziale Netzwerk ist den OB-Kandidaten recht, um auf sich aufmerksam zu machen. Auch wenn sie die Wahlberechtigten damit kaum erreichen.

Die drei OB-Kandidaten Schloberg, Weyland und Wehnemann
Visionen, Selfies und Leckerbissen - mit den Frankfurter OB-Kandidaten Karsten Schloberg, Bernadette Weyland und Nico Wehnemann (von links). Bild © facebook.com, hessenschau.de

Die Kandidaten der Frankfurter OB-Wahl stürzen sich in den Wahlkampf, den Wahltermin am 25. Februar fest im Blick. Dafür werden nicht nur die Wände der Stadt plakatiert, sondern auch die virtuellen Wände im Netz.

Die Follower

Über 30 Millionen Deutsche sind bei Facebook. Da ist es wenig überraschend, dass sich auch die meisten OB-Kandidaten dort präsentieren. Neun der zwölf Bewerber tummeln sich auf der Plattform - fast alle mit einer offiziellen Seite zur Wahl. Dabei fällt auf, dass keiner der Kandidaten die Marke von 5.000 Followern knackt. Umgerechnet gelingt es also keinem Bewerber, mindestens ein Prozent der wahlberechtigten Frankfurter (rund 511.000) für den eigenen Facebook-Auftritt zu begeistern.

Ein Phänomen, das sich bei Twitter noch verstärkt. Dort bleiben die Followerzahlen der meisten Kandidaten im zwei- oder dreistelligen Bereich. So hat beispielsweise der amtierende Oberbürgermeister Feldmann im Wahlkampf einen eigenen Twitterkanal (dieses Mal kein Fake-Kanal wie vor sechs Jahren bei seinem Wahlsieg) angelegt. Dort hat @feldmann2018 mit exakt sieben Tweets aber erst 84 Personen (Stand: 31. Januar, 18.25 Uhr) erreicht.

Twitterprofil Peter Feldmann
Twitterprofil Peter Feldmann Bild © twitter.com/Screenshot hessenschau.de

Eine Ausnahme ist die Kandidatin der Linken, Janine Wissler. Mehr als 11.000 Tweets und über 5.000 Follower bescheren ihr eine gewisse Sonderstellung im Twitter-Wahlkampf. Bei rund 511.000 Wahlberechtigten liegt aber auch sie hier prozentual noch hinter ihrem Wahlergebnis von 2012, als sie schon mal für den OB-Posten in ihrer Heimatstadt kandidierte. Damals bekam sie 3,8 Prozent der Stimmen.

Twitterprofil Janine Wissler
Twitterprofil Janine Wissler Bild © twitter.com/Screenshot hessenschau.de

Die Hashtags

Wer im Netzwahlkampf wirklich was reißen will, setzt natürlich auf das wichtigste Symbol der sozialen Kanäle, den Hashtag. Dabei reicht das Spektrum von einem mottogetriebenen #frankfurtkannanders bei Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) bis zu einem schnörkellosen #Stein2018 bei dem unabhängigen Kandidaten Volker Stein.

Friseurmeister Karsten Schloberg, ein weiterer unabhängiger Bewerber, versucht es hingegen mit einem Wahlaufruf im Geiste der berühmten Kampagne Willy Brandts im Bundestagswahlkampf 1972 ("Willy wählen") und setzt alles auf #karstenwählen.

Doch keiner der Bewerber baut so konsequent auf den Hashtag wie Bernadette Weyland (CDU). Jedes Bild, jedes Plakat und jeder Post ziert ein geschwungenes #OBernadette. Wenn die CDU-Kandidatin damit den Tag des Apfels, der Handschrift oder italienischen Küche zelebriert, denkt man als User aber manchmal auch: #OhBernadette.

Die Selfies

Bernadette Weyland macht ein Selfie mit einer Besucherin
Ein Schnappschuss von einem Schnappschuss. Bild © Instagram

Nicht nur den Hashtag nutzt Bernadette Weyland, auch das Selfie ist ihr nicht fremd. Neben diversen Schnappschüssen mit Bekannten oder Besuchern ihrer Veranstaltungen lässt sie sich sogar beim Selfieknipsen knipsen.

Da ist es nicht verwunderlich, dass es dem Kandidaten der Satirepartei Die Partei, Nico Wehnemann, gelingt, ein gemeinsames Selfie mit sich und Weyland zu posten. Selfies sind ohnehin eine beliebte Ausdrucksform Wehnemanns – im Regelfall mit Bier in der Hand.  

Selfies von Wehnemann
Nico Wehnemann in typischer Pose Bild © instagram, hessenschau.de

Auch Außenseiter-Kandidatin Felicia Herrschaft setzt in ihrem Instagram-Auftritt sehr oft auf das Selfie. Die Dozentin der Goethe-Universität schafft es aber nicht immer, wirklich alles in einem Bildausschnitt unterzubringen. In aller Regel verzichtet sie auf einen Teil ihres Gesichts.

Selfies von Felicia Herrschaft
Eine Sammlung der Fast-Selfies von Felicia Herrschaft Bild © Instagram, hessenschau.de

Die Sperre

Wie wichtig ein konsistenter Netzauftritt ist, hat Bernadette Weyland vergangene Woche gemerkt. Aufgrund irritierender Aussagen zum umstrittenen geplanten neuen Stadtteil im Nordwesten Frankfurts wurde ihre Website für kurze Zeit vom Netz genommen, wie die Frankfurter Neue Presse berichtete. Während Weyland bei einer Veranstaltung eine Bebauung jenseits der A5 ausschloss, ging dies aus einem Text auf ihrer Homepage nicht so eindeutig hervor.

In der Folge räumte Bernadette Weyland ein, dass die gewählte Formulierung unglücklich gewesen sei. Außerdem hat sie inzwischen eine Klarstellung auf ihrer Seite veröffentlicht. Fettgedruckt und in rot präsentiert sie dort ihre Position zum Thema.

Die Umfrage

Umfrage von Volker Stein
Repräsentativ ist anders: Volker Steins Umfrage zur OB-Wahl Bild © Instagram

Im Netz gab es auch schon die "Erste Umfrage zur Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt am Main". Veröffentlicht hatte sie Volker Stein. Die Umfrage sah Stein klar auf Platz zwei. Doch das Kleingedruckte verrät, dass die Erhebung nicht repräsentativ ist. Es wurden nur 296 Personen befragt – von den Wahlhelfern Steins.

Die Randerscheinungen

Den antizyklischsten Netz-Wahlkampf führt eindeutig die Diplom-Ingenieurin Juli Wünsch. Während ihre Konkurrenten auf Twitter und Facebook um Stimmen werben, ist Frau Wünsch lieber dort unterwegs, wo fast niemand sie sieht. Als einzige Bewerberin kämpft sie auf google+, dem kaum beachteten Sozialen Netzwerk des Suchmaschinengiganten, um Wählerstimmen.

Twitterinfo von Michael Weingärtner
Twitterinfo von Michael Weingärtner Bild © Twitter

Die Agenda von Michael Weingärtner (Freie Wähler) ist vor allem in seinem Blog zu finden. Wobei auch seine Selbstauskunft bei Twitter schon wichtige Eckdaten über ihn verrät: "Offen, ehrlich und unbestechlich. Vielleicht für Schokolade?"

Von Unternehmensberater Ming Yang, der als unabhängiger Kandidat antritt, ist in den Netzwerken kein Auftritt zu finden. Ähnlich sieht es mit Hein Gottfried Fischer aus. Für den Rentner ist der Wahlkampf aber ohnehin nur ein Hobby.