Eine Lehrerin erklärt Erstklässlern in einer Schule in Frankfurt im Islamunterricht die Gebetswaschung.
Eine Lehrerin erklärt Erstklässlern in einer Schule in Frankfurt im Islamunterricht die Gebetswaschung. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Hessen setzt beim islamischen Religionsunterricht weiter auf eine Zusammenarbeit mit dem türkischen Moscheeverband Ditib. Allerdings fordert das Kultusministerium den Verband auf, bis Ende 2018 seine Unabhängigkeit vom türkischen Staat zu beweisen.

Videobeitrag

Video

zum Video Hessen überprüft Kooperation mit Ditib

Ende des Videobeitrags

Ist der umstrittene Moscheeverband Ditib Hessen als Kooperationspartner des islamischen Religionsunterrichts unabhängig genug von der Türkei? Wird Einfluss auf Unterricht und Lehrer genommen? Das waren die Fragen, mit denen drei Gutachter Anfang des Jahres vom hessischen Kultusministerium beauftragt worden waren.

Am Dienstag kamen die Ergebnisse. Das Wichtigste: Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) bleibt Partner. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) betonte, es sei kein Einfluss auf Unterricht oder Lehrkräfte nachweisbar.

Da es aber eine institutionelle Verbindung mit der türkischen Religionsbehörde Diyanet gebe, sei - gerade vor dem Hintergrund der politischen Entwicklung in der Türkei - eine unzulässige Einflussnahme nicht ausgeschlossen. Lorz sprach von keinerlei konkreten Belegen, aber einer abstrakten Gefahr.

Frist bis Ende 2018

Aufgrund der Vorbehalte wurde dem Moscheeverband eine Frist bis Ende des kommenden Jahres gesetzt, "um seine Unabhängigkeit sowie die fortdauernde Eignung als Kooperationspartner für den Religionsunterricht unter Beweis zu stellen".

Weitere Informationen

Islamischer Religionsunterricht

Im laufenden Schuljahr besuchen insgesamt rund 3.300 Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 5 an 56 Grundschulen und 12 weiterführenden Schulen den bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht (IRU). Zum Schuljahr 2018/19 wird dieser auch in Jahrgangsstufe 6 angeboten. Die Schüler werden derzeit von 86 staatlichen Lehrkräften unterrichtet.

Ende der weiteren Informationen

Dafür seien Nachweise über den Aufbau eines Mitgliedsregisters sowie hinreichend professioneller Verwaltungsstrukturen zwingend notwendige Voraussetzungen, hieß es am Dienstag. Ditib werde dringend empfohlen, stärkere institutionelle Unabhängigkeit von der deutschen Ditib-Zentrale in Köln und türkischen Institutionen herzustellen. Das Kultusministerium kündigte an, 2019 neu über die Zukunft der Kooperation zu entscheiden.

Unangekündigte Unterrichtsbesuche

Er habe bereits mit dem Vorsitzenden des Landesverbandes, Salih Özkan, Kontakt gehabt und dieser habe zugesagt, die Auflagen erfüllen zu wollen, sagte Minister Lorz. Um das zu überprüfen, sollen aber ab sofort auch vermehrt unangekündigte Unterrichtsbesuche vorgenommen werden. Sollte es im nächsten Jahr bereits Hinweise auf Einflussnahmen der Moscheegemeinde auf den von staatlichen Lehrkräften erteilten Unterricht oder auf die Pädagogen selbst geben, werde es auch schon vor Ende der Frist Konsequenzen geben.

Ditib wird verdächtigt, über die türkische Religionsbehörde direkt von Präsident Recep Tayyip Erdogan abhängig zu sein. Nach dem Putsch in der Türkei soll sie zudem eine Rolle bei der Bespitzelung von vermeintlichen Angehörigen der oppositionellen Gülen-Bewegung in Deutschland gespielt haben.

Minister: Positive Rückmeldungen von Lehrern und Schülern

Der Ditib-Landesverband ist maßgeblich an der Organisation des bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts beteiligt, den Hessen als erstes Bundesland 2013 eingeführt hat. Er erstellt unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium die Lehrpläne und erteilt die Erlaubnis für die in Hessen ausgebildeten Islamlehrer.

Lorz betonte am Dienstag, die Rückmeldungen von Lehrern und Schülern zum Islamunterricht seien bisher ausschließlich positiv. Es sei wichtig, dass Kinder muslimischen Glaubens auch künftig eine "der staatlichen Schulaufsicht unterliegende Alternative zu Koranunterrichten in Moscheen oder Moscheevereinen" hätten, sagte Lorz.

Lehrergewerkschaften sehen Zusammenarbeit kritisch

Die Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW in Hessen, Birgit Koch, begrüßte die Auflagen des Kultusministeriums und betonte, nun liege es an dem Moscheeverband, verloren gegangenes Vertrauen wieder herzustellen. Nach ihren Angaben gab in den bislang vier Jahren des islamischen Religionsunterrichts durchaus problematische Fälle der versuchten Einflussnahme, die von einzelnen Kollegen an die Gewerkschaft herangetragen worden seien.

Auch die Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hatte die Zusammenarbeit mit Ditib grundsätzlich infrage gestellt.

Der in Kooperation mit der Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat eingerichtete Islamunterricht war von der Überprüfung unberührt.