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Ein Mädchen liest während des islamischen Religionsunterrichts in einem Schulbuch. Bild © picture-alliance/dpa

Die Gewerkschaft GEW stellt die Kooperation mit dem Moscheeverband Ditib in Frage. Es gebe "besorgniserregende Berichte", nach denen Lehrer unter Druck gesetzt werden. Das Kultusministerium verlangt konkrete Hinweise.

Die Lehrergewerkschaft Gewerkschaft Erziehung Wissenschaft (GEW) äußerte ihre Zweifel schriftlich. In einem Brief an Kultusminister Alexander Lorz (CDU) stellt sie die Kooperation mit dem Moscheeverband Ditib beim islamischen Religionsunterricht "grundsätzlich in Frage".

Birgit Koch, Vorsitzende der GEW in Hessen, erklärte, dass es "besorgniserregende" Berichte gebe: Lehrer seien von Eltern und örtlichen Moscheevereinen unter Druck gesetzt worden, den aus der jeweiligen Sicht "richtigen Islam" zu vertreten. Die Entscheidung von Lorz, die Zusammenarbeit mit Ditib durch ein Gutachten überprüfen zu lassen, sei richtig, komme aber "sehr spät".

Kultusministerium fordert konkrete Hinweise

Auch forderte die GEW generell eine Überprüfung des islamischen Religionsunterrichts. Gemeinsam mit den Lehrkräften solle das Kultusministerium untersuchen, ob die Ziele der Förderung des interreligiösen Dialogs und der Toleranz tatsächlich erfüllt würden, verlangte sie. Die Überprüfung sei jetzt an der Zeit, da zum Ende des laufenden Schuljahres der erste Durchgang des Islamunterrichts durch die Grundschule abgeschlossen werde und eine Fortsetzung für die fünfte Klassenstufe vorbereitet werde.

Das Kultusministerium forderte die Gewerkschaft auf, die Vorwürfe hinsichtlich Ditib zu belegen und konkrete Hinweise dafür zu liefern. Diese würden natürlich vertraulich behandelt, versicherte ein Sprecher. Bislang seien dem Ministerium derartige Vorkommnisse aber nicht bekannt.

Gutachten überprüft Unabhängigkeit vom türkischen Staat

Minister Lorz hatte nach Berichten über eine Bespitzelung von Anhängern der Gülen-Bewegung durch Ditib-Mitarbeiter im Februar ein Gutachten über den Islamverband in Auftrag gegeben. Er sagte damals, das Kultusministerium überprüfe, "ob unser Kooperationspartner Ditib Hessen weiterhin in hinreichendem Maße unabhängig vom türkischen Staat ist". Ziel sei, jede "denkbare externe Einflussnahme auf den Unterricht und unsere Lehrkräfte auszuschließen".

Das Gutachten, das noch in diesem Schuljahr fertig sein soll, soll Aufschluss darüber geben, ob bei Ditib verfassungsrechtlich bedenkliche Entwicklungen zu erkennen sind.

Ditib maßgeblich am islamischen Religionsunterricht beteiligt

Der Ditib-Landesverband ist maßgeblich an der Organisation des bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts beteiligt, den Hessen als erstes Bundesland 2013 eingeführt hat. Er erstellt unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium die Lehrpläne und erteilt die Erlaubnis für die in Hessen ausgebildeten Islamlehrer.

Aktuell nehmen  nach Angaben des Kultusministeriums rund 3.200 Schüler an 56 Grundschulen daran teil. Der Unterricht wird in Kooperation mit Ditib Landesverband Hessen e.V. bzw. Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland K.d.ö.R. erteilt. Der weitere Religionsunterricht in Kooperation mit Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland ist nicht Gegenstand des Gutachtens.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 28.3.2017, 19:30 Uhr