Stimmzettel auf dem AfD-Parteitag in Gießen
Stimmzettel auf dem AfD-Parteitag in Gießen Bild © picture-alliance/dpa

Der Parteitag der hessischen AfD verläuft deutlich anders als geplant. Weil unter anderem die Technik streikt, fehlt am Ende die Zeit für die Wahl des neuen Vorstandes. Ein zweiter Parteitag muss her.

Der Landesparteitag der hessischen AfD ist am Sonntag in Gießen ohne die geplante Wahl eines neuen Vorstandes zu Ende gegangen. Diese ist nun für den 16. Dezember vorgesehen, dann will sich die Partei zu einem weiteren Parteitag treffen.

Zuvor hatten unter anderem technische Pannen mit Stimmgeräten auch zum Ärger vieler Parteimitglieder dazu geführt, dass sich das Treffen der rund 200 Landesdelegierten erheblich verzögerte. Die Wahl von rund 50 hessischen Delegierten für den AfD-Bundesparteitag Anfang Dezember musste anders als geplant per Stimmzettel durchgeführt werden.

Eine inhaltliche Debatte fand auf dem Gießener Parteitag daher nicht statt. Von der Vorstandswahl, die auf Mitte Dezember verschoben wurde, erwartet man sich Hinweise darauf, wie stark der rechte Flügel in der Hessen-AfD ist und ob gemäßigte Kreise sich behaupten können.

Ex-AfD-Chefin Petry erwartet weiteren Rechtsruck

Sechs Mitglieder hatten sich vorab beworben, Nachfolger der drei amtierenden Parteisprecher Glaser, Peter Münch und Rolf Kahnt zu werden. Diese treten wohl nicht mehr für den Posten an.

Zu den Bewerbern zählen Schatzmeister Robert Rankl und Beisitzer Andreas Lichert. Lichert gilt als Vertreter des rechten Flügels innerhalb der Partei und soll der neurechten "Identitären Bewegung" nahestehen. Die frühere AfD-Bundeschefin Frauke Petry bezeichnete Lichert am Samstag bei einer Veranstaltung in Rodgau als Beispiel für den "Rechtstrend" der AfD. "Wenn solche Leute Einfluss gewinnen, dann ist das bezeichnend", sagte sie.

Glaser fordert Ende interner Streitigkeiten

Hessens AfD-Sprecher Albrecht Glaser hat seine Partei am Samstag aufgefordert, die internen Streitigkeiten zu beenden. Die AfD habe nach ihrem Einzug in den Bundestag die Chancen, Volkspartei zu werden, "wenn wir es nur wollen und uns selber nicht beschädigen", sagte Glaser. "Interne Streitereien und Fallenstellereien bringen uns nicht weiter." Es sollte ein ehrlicher und offener Umgang miteinander herrschen. "Und das muss der leitende Stil unserer täglichen Parteiarbeit werden."

Vor dem Parteitag demonstrierte eine kleine Gruppe von Gewerkschaftern und linken Aktivisten gegen die Rechtspopulisten. "Für bunte Vielfalt statt brauner Einfalt" und "Aufstehen gegen Rassismus" stand auf den Transparenten. "Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda", riefen die Demonstranten am Eingang des Tagungsortes.

Probleme bei der elektronischen Abstimmung

Die AfD hat in Hessen rund 2.400 Mitglieder und will bei der Landtagswahl 2018 mit aller Macht den Einzug in das künftige hessische Parlament schaffen. Die Rechtspopulisten landeten bei der Bundestagswahl im September in Hessen mit 11,9 Prozent an dritter Stelle.

Sendung: hr-iNFO, 11.11.2017, 8 Uhr