Julian Schweitzer Bad Endbach
Mit 25 ist Julian Schweitzer der jüngste Bürgermeister Hessens - mit 59,5 Prozent gewann er als SPD-Kandidat die Wahl in Bad Endbach. Bild © Julian Schweitzer, Manuel Heinrich / Wikimedia Commons (Collage: hr)

Jahrgang 1992, Sozialpädagoge: Julian Schweitzer hat am Sonntag die Wahl in Bad Endbach gewonnen - und ist damit Hessens jüngster Bürgermeister. Im Wahlkampf musste er gegen Vorurteile ankämpfen.

Ein Vorurteil hat Julian Schweitzer den Wahlkampf in Bad Endbach (Marburg-Biedenkopf) begleitet: "Sind sie nicht zu jung für den Job?" Schweitzer ist trotzdem zum Bürgermeister gewählt worden, mit 25 Jahren.

Er gewann die Wahl am Sonntag im 8.100-Einwohner-Ort für die SPD mit 59,5 Prozent gegen die unabhängige Kandidatin Karina Schlemper-Latzel. Damit ist er jüngster Rathauschef in Hessen, wie der Hessische Städte- und Gemeindebund auf Nachfrage von hessenschau.de bestätigte.

"Haben sie überhaupt die Lebenserfahrung?"

Ob er überhaupt genug Lebenserfahrung mitbringe, zweifelten viele in Bad Endbach. "Die Leute haben ein bestimmtes Bild von Bürgermeistern", sagt Schweitzer, "Mitte 40, Kinder, Familie". Schweitzer erfüllt das Bild nicht.

In seinem Wahlwerbevideo joggt und radelt der 25-Jährige durch die Landschaft, trinkt Bier und hat einen eigenen Hashtag: #DerSchweitzermachts. Mit der Zeit sei die Skepsis wegen seines Alters weniger geworden, sagt Schweitzer. Er musste aber Überzeugungsarbeit leisten.

"Jeder muss da reinwachsen", sagt er über den Bürgermeisterjob, er eben auch. Bei den Bügern versuchte er, mit seiner Erfahrung in der Kommunalpolitik zu punkten: Er sitzt im Kreistag von Marburg-Biedenkopf und in der Gemeindevertretung von Bad Endbach.

"Politik macht mir Spaß", habe er seinen Kritikern immer wieder erklärt. "Ich bin jung und motiviert und habe Lust hier Politik zu machen", sagt er in seinem Werbevideo.

Beschmierte Wahlplakate wurden zur Spendenaktion

Schweitzer kennt Bad Endbach lange, er ging hier zur Schule und wohnt im Ort. Dass ihm trotzdem so viel Skepsis im Wahlkampf begegnete, führt er darauf zurück, dass die Gegend sehr ländlich sei, die Strukturen eher konservativ. Der Beruf als Sozialpädagoge sei im Wahlkampf deswegen auch nicht immer hilfreich gewesen, vielen sei das fremd. Er arbeitet in einer vollstationären Einrichtung für Kinder und Jugendliche in Marburg. Immer wieder war er mit Klischees über seinen Job konfrontiert, sagt Schweitzer: "Geh lieber wieder zu den Kindern", hieß es dann. Als sei das keine richtige Arbeit.

Weitere Informationen

Wie alt muss ein Bürgermeisterkandidat sein?

Wer ins Rathaus möchte, muss am Wahltag das 18. Lebensjahr vollendet haben. Das entsprechende Gesetz wurde im Jahr 2015 modernisiert, die Altersgrenze wurde deutlich herabgesetzt. Bis dahin durfte nur für das Rathaus kandidieren, wer am Wahltag das 25. Lebensjahr vollendet hatte.

Ende der weiteren Informationen

Während des Wahlkampfs wurde auch auf Facebook geschimpft und gezetert. Das sei mittlerweile normal bei Wahlen, sagt Schweitzer. Als aber im gesamten Ort sein Gesicht auf den SPD-Wahlplakaten mit einem roten Fleck auf der Nase besprüht wurde, stellte er ein Video online: Er mahnte, wieder respektvoll miteinander umzugehen - auch im Wahlkampf. Für jedes beschädigte Wahlplakat versprach er, zehn Euro an einen Verein von Clowndoktoren zu spenden, die Kinder im Krankenhaus besuchen - und forderte andere auf, es ihm nachzumachen. Das Versprechen hat er gehalten.

Das Nesthäckchen unter den Rathauschefs

Im Januar wird Schweitzer ins Rathaus einziehen und den bisherigen Amtsinhaber Markus Schäfer von der CDU ablösen, der nicht mehr angetreten war. Mit 25 ist er das Nesthäkchen unter den Rathauschefs in Hessen und wird bei seiner Amtseinführung auch jünger sein als zwei andere Jungspunde im Chefsessel: Der Bürgermeister von Hohenroda (Hersfeld-Rotenburg), André Stenda (CDU), wurde mit 27 Jahren ins Rathaus gewählt, Thorsten Stolz (SPD) war auch 27 als er im Jahr 2006 Bürgermeister von Gelnhausen (Main-Kinzig) wurde und mittlerweile ist er Landrat.