Eintracht-Fans beim Pokalfinale
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Mit seinem Vorschlag, Fußball-Rowdys den Führerschein zu entziehen, hat sich Innenminister Beuth bei Eintracht-Fans keine Freunde gemacht. Der Fan-Verband "Nordwestkurve" attestiert ihm "absolute Ahnungslosigkeit". Beuth selbst fühlt sich bestätigt.

Ob Innenminister Peter Beuth (CDU) in der Fankurve von Eintracht Frankfurt demnächst mit freundlichen Sprechchören begrüßt wird, darf stark bezweifelt werden. Der offene Brief an den Minister, den der Fangruppen-Zusammenschluss "Nordwestkurve" jetzt veröffentlicht hat, lässt es jedenfalls nicht an Klarheit fehlen. Beuths Vorschlag, Fußball-Randalierern den Führerschein zu entziehen, gehöre zu den "dümmsten Maßnahmenforderungen", sei "peinliches Wahlkampfgetöse" und offenbare "absolute Ahnungslosigkeit".

Beuth hatte seinen umstrittenen Vorschlag vergangene Woche im Umfeld der Innenministerkonferenz platziert. Er bezog sich dabei unter anderem auf Stadionbesucher, die Feuerwerkskörper abbrennen. Wer so etwas tue, habe erstens im Stadion nichts verloren, so Beuth. "Aber zweitens lässt er auch die Zuverlässigkeit vermissen, die man braucht, um ein Fahrzeug zu steuern." Pyro-Sünder und andere Krawallmacher sollten deshalb eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) machen und gegebenenfalls ihren Führerschein abgeben.

Eintracht-Fans: Kommt bald das Schrebergarten-Verbot?

Der "Nordwestkurve"-Rat, der sowohl zahlreiche Fanclubs als auch Ultra-Gruppen der Eintracht vertritt, kritisiert an dem Vorschlag zweierlei: Zum einen sei er nicht durchdacht. Krawallmachern, die sich auch von Geld- und Haftstrafen nicht abschrecken ließen, mache auch der zeitweilige Führerscheinentzug keine Angst.

Zum anderen hätten Fußball-Randale und Führerschein schlicht nichts miteinander zu tun, sagte ein Sprecher von "Nordwestkurve" in hr-iNFO: "Dann könnte man auch den Schrebergarten-Besitzern unter den Randalierern sagen: Du darfst ein Vierteljahr nicht mehr in deinen Schrebergarten."

Personalisierte Tickets fanden keinen Anklang

Der Führerschein-Entzug ist nicht Beuths erster Vorschlag zum Thema Sicherheit im Stadion. Vor einem Jahr sprach er sich für personalisierte Tickets aus, also Eintrittskarten, die den Namen des Kartenbesitzers tragen und auch nur für diesen gelten. So könne man Randalierer leichter identifizieren.

Der Vorschlag hat sich aber bisher nicht durchgesetzt. Praktiker bezweifeln, dass sich ein vollständiger Identitätsabgleich beim Stadioneinlass umsetzen lässt. Der Verband "Nordwestkurve" kritisiert Beuth deshalb als Populisten, der sich mit plakativen Forderungen als Hardliner profilieren wolle.

Minister: Habe Nerv getroffen

Den Minister selbst scheint die Kritik indes nur wenig zu verunsichern. Im Gegenteil: Er hält sie für ein gutes Zeichen. Es gehe darum, Sanktionen zu finden, die den Betroffenen wehtun: "Die Tatsache, dass sich viele über diesen Vorschlag von mir beschweren, zeigt mir, dass es offensichtlich ein Nerv ist, der trifft." Die bisherigen Sanktionen - Stadionverbote, Geldstrafen, im Extremfall Haftstrafen - hätten offenbar nur geringe Abschreckungswirkung entfaltet.

Die Annahme, die Fan-Vereinigung wolle nur potenzielle Krawallmacher vor Sanktionen schützen, weist der "Nordwestkurve"-Sprecher allerdings zurück. Man sei nicht grundsätzlich gegen Sanktionen: "Man kann jemanden sanktionieren, wenn man seiner habhaft wird, wenn man ihm seine Schuld nachweisen kann."

Tatsächlich hapert es oft genau daran: Die Justiz bekommt viele Krawallmacher gar nicht zu fassen, etwa weil sie vermummt waren und nicht mehr identifiziert werden können. Und dann lassen sich Strafen auch nicht anwenden - ob sie nun den Geldbeutel oder den Führerschein betreffen.

Sendung: hr-iNFO, 08.08.2017, 18.20 Uhr

Ihre Kommentare Führerschein-Entzug für Randalierer: Was halten Sie davon?

8 Kommentare

  • Halte ich fuer Quatsch. Welche Rechtsgrundlage will denn hier der Innenminister anwenden? CDU-Wahlkampfgeschfafel.

  • NICHTS!!!!!! Die Ursachen liegen viel tiefer. Die so genannten Krawallmacher spiegeln zum Teil die heutige - nicht nur in Deutschland - Gesellschaft wieder. Auch bei anderen Großereignissen wie z.B Hessentag, Volksfesten, Schützenfesten etc. geht es nicht nur friedlich zu. Das ist alles nicht zu entschuldigen, aber die Politiker/innen sollten sich darüber mal einen "Kopf" machen, statt populistisch was in die Welt zu pusten.

  • Lieber Herr Beuth,
    Bitte erst denken dann sprechen. Wie kann man nur so populistisch agieren? Ich fordere Stadionvetbot für solch unqualifizierte Aussagen!
    Beste Grüße von einem Fußballfan!

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