Christian Geselle (SPD) am Sonntag nach der Wahl zum neuen Kasseler OB.
Christian Geselle (SPD) am Sonntag nach der Wahl zum neuen Kasseler OB. Bild © picture-alliance/dpa

Auch ein Jahr nach den Kommunalwahlen gibt es in Kassel kein Regierungsbündnis. Jetzt will der künftige OB Christian Geselle (SPD) ein Bündnis mit den Grünen und zwei abtrünnigen Liberalen schmieden.

Aus dem Feiern kommt Christian Geselle in diesen Tagen nicht heraus. Am Sonntag wurde der SPD-Politiker gleich im ersten Wahlgang zum künftigen Oberbürgermeister der Stadt Kassel gewählt. Zwei Tage später, am Dienstag, feierte er seinen 41. Geburtstag. Sein Geburtstagswunsch: "Dass wir gemeinsam mit der SPD, den Grünen und den Freidemokraten eine stabile Mehrheit für Kassel schaffen."

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Seit der Kommunalwahl vor einem Jahr ist in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung kein Regierungsbündnis zustande gekommen. Für eine Fortsetzung der rot-grünen Koalition fehlte die Mehrheit. Jetzt soll zügig eine Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und Liberalen auf den Weg gebracht werden - genauer müsste es heißen: eine alternative Ampel-Koalition. Sie hätte 36 von 71 Stimmen im Stadtparlament. Als "stabil" (Geselle) wäre solch eine Mehrheit allerdings nicht zu bezeichnen. Es geht um eine knappe Ein-Stimmen-Mehrheit.

Möglich wird sie durch die beiden fraktionslosen Stadtverordneten Cornelia Janusch und Andreas Ernst, die im Februar die einst vierköpfige FDP-Fraktion im Streit verließen. Anders als ihre ehemaligen Kollegen stehen sie für eine Koalition mit SPD und Grünen zur Verfügung. "Wir sind bereit, weiter Verantwortung für die Stadt zu übernehmen", sagte Ernst am Dienstag. Er und Janusch hatten bereits mit SPD und Grünen den Haushalt 2017 der Stadt durchs Stadtparlament gebracht.

Sitzungen von SPD und Grünen am Mittwoch

Die Koalitionsgespräche sollen noch im Frühjahr beginnen: Am Mittwoch treten SPD-Unterbezirksvorstand und -ausschuss zusammen, um die Aufnahme der Verhandlungen mit den Grünen und den beiden fraktionslosen Liberalen zu beschließen.

Am selben Tag treffen sich die Grünen zu ihrer Kreismitgliederversammlung. Man wolle unter anderem darüber beraten, wie eine "Partnerschaft mit zwei Partnern" funktionieren kann, sagte der Sprecher der Kasseler Grünen, Boris Mijatovic, am Dienstag: "Wir freuen uns auf die Gespräche."

CDU blitzt mit Koalitionsangebot ab

OB-Wahl Kassel Kalb Kühne-Hörmann
Bietet der SPD eine Koalition an: CDU-Kassel-Vorsitzende, Justizministerin Eva Kühne-Hörmann. Neben ihr der unterlegene OB-Kandidat der CDU, Dominique Kalb. Bild © picture-alliance/dpa

Eine Koalition von SPD und CDU ist inzwischen unwahrscheinlich - vor allem mit liberalem Partner. Anfang der Woche hatte die Kasseler CDU-Vorsitzende, Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann, laut HNA der SPD ein Koalitionsangebot gemacht. Demnach möchte die CDU zusammen mit den beiden anderen fraktionslosen FDP-Stadtverordneten Matthias Nölke und Thorsten Burmeister eine Koalition mit der SPD eingehen. Die Mehrheit läge in dieser Konstellation bei 38 von 71 Stimmen, also bei drei Stimmen.

Der SPD-Unterbezirksvorsitzende Uwe Frankenberger erteilte diesem Angebot am Dienstag eine Absage. "Darüber kann ich nur lachen", sagte er auf Nachfrage. Der FDP-Kreisvorsitzende und Stadtverordnete Nölke habe zuletzt nichts mit der SPD zu tun haben wollen. "Für uns ist der Mann nicht berechenbar."

Der designierte Kasseler Oberbürgermeister Geselle nannte eine Zusammenarbeit mit der CDU die "zweitbeste Option". Dazu brauche man Nölke aber nicht. Auch mit der CDU alleine gebe es eine Mehrheit. Es wäre allerdings eine Ein-Stimmen-Mehrheit mit 36 von 71 Stimmen- dieselbe knappe Mehrheit, die die Kasseler SPD nun mit den Grünen und zwei Liberalen favorisiert.