Mädchen auf der Schulbank
An Hessens Grundschulen fehlen noch Lehrer Bild © picture-alliance/dpa

Bis zum Ende des Schuljahres werden viele Lehrerstellen an hessischen Grundschulen unbesetzt bleiben. Das gestand die Landesregierung jetzt ein. Die Opposition im Landtag warf dem Kultusminister Versagen vor.

Etwa 100 Lehrerstellen waren an den rund 1.100 hessischen Grundschulen zu Beginn des Schuljahres noch unbesetzt. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) zeigte sich Mitte September noch zuversichtlich, in den folgenden Wochen alle Stellen besetzen zu können. Nun musste er eingestehen, dass dies nicht gelungen ist.

Von den vakanten Stellen konnte demnach gerade einmal ein Viertel besetzt werden. Schlimmer noch: Es würden wohl auch bis zum Ende des Schuljahres nicht für alle Stellen Lehrer gefunden werden, erklärte das Ministerium am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

SPD: "Versagen auf ganzer Linie"

Die Opposition im Landtag reagierte mit heftiger Kritik auf diese Ankündigung. Die SPD warf Lorz "Versagen auf ganzer Linie" vor und sprach von einem Armutszeugnis. Die Zahl der Grundschüler und damit der Lehrerbedarf seien seit Jahren bekannt, argumentierte ihr bildungspolitischer Sprecher Christoph Degen.

Degen warf dem Minister außerdem vor, das wahre Ausmaß des Lehrermangels zu verschweigen. So verfügten 6.000 Vertretungskräfte über kein Lehramt. Dazu habe sich der Minister nicht geäußert. Auch ein Berichtsantrag der SPD zur ungeklärten Qualifikation von zehn Prozent der Lehrkräfte sei bislang unbeantwortet geblieben.

Linke fordert höhere Besoldung für Grundschullehrer

Wie die SPD forderte auch die Linksfraktion, den Beruf des Grundschullehrers attraktiver zu machen, etwa durch höhere Bezahlung. "Die Besoldungserhöhung auf A13 ist überfällig", sagte die Linken-Abgeordnete Gabi Faulhaber. Außerdem stelle ihre Partei seit zehn Jahren Haushaltsanträge für mehr Lehrerstellen. Diese seien von der CDU jedes Mal abgeschmettert worden.

Der FDP-Abgeordnete Wolfgang Greilich sagte, es zeige sich nun, dass die Maßnahmen zur Lehrergewinnung viel zu spät begonnen worden seien und noch immer nicht ausreichten. "Es stellt sich vor allem die Frage, wann die Erkenntnis im Kultusministerium reifte, dass eine Besetzung nicht möglich sein wird." Fraglich bleibe auch, inwieweit die 700 angekündigten Sozialarbeiterstellen an Schulen besetzt werden könnten.

Gymnasialstudenten sollen an Grundschulen unterrichten

Um der Situation an den Grundschulen Herr zu werden, will das Ministerium künftig auch Studenten an Grundschulen zulassen, die einen Abschluss für ein anderes Lehramt besitzen.

So sollen ab November etwa 50 Absolventen des 1. Staatsexamens für Gymnasien, Real- und Hauptschulen ihr Referendariat an Grundschulen machen können. Dafür waren bislang zusätzliche Fortbildungen notwendig.

Sendung: hr-iNFO, 23.10.17, 15.00 Uhr