Ordner mit Schriftzug NSU Ausschuss
Der NSU-Ausschuss befasst sich mit weiteren offenen Fragen. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Welche Rolle spielte die Zeugin Corryna G. beim NSU-Mord in Kassel? Diese und weitere Fragen soll der hessische Untersuchungsausschuss klären, zudem eine zweite Zeugin befragen. Den Auftrag verabschiedeten alle Parteien im Landtag.

Auf den NSU-Untersuchungssauschuss im hessischen Landtag kommt weitere Arbeit zu. Parteiübergreifend wurde am Mittwoch in Wiesbaden beschlossen, dass der Ausschuss die offenen Fragen nach der Vernehmung einer Zeugin klären und die Erkenntnisse den entsprechenden Ermittlungsbehörden zur Verfügung stellen soll.

Damit reagiert der Landtag auf die überraschende Aussage der Zeugin Corryna G. Sie war langjähriges Mitglied der rechtsextremen Szene in Thüringen und Nordhessen. Corryna G. hatte vor wenigen Tagen im Ausschuss zugegeben, dass sie das Internetcafé von Halil Yozgat in Kassel mehrfach besucht hatte. Yozgat wurde im April 2006 erschossen, der Mord wird dem "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) zugerechnet.

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Der Ausschuss soll nun der Frage nachgehen, ob Corryna G. das Internetcafe für den NSU auskundschaftete. Eine Skizze des Cafés war in der gemeinsamen Wohnung des NSU-Trios Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gefunden worden. Dabei geht es auch um mögliche Verbindungen zwischen Corryna G. und Zschäpe, der wegen Mittäterschaft bei zehn NSU-Morden lebenslange Haft droht.

SPD-Obmann Günter Rudolph im Ausschuss meinte, dass es zwar Zufall sein könne, dass die Zeugin Corryna G. kurz vor der Tat in dem Café war, sagte aber: "Wir glauben langsam nicht mehr an Zufälle." Auch CDU-Obmann Holger Bellino sah die Arbeit des Ausschusses - entgegen früherer Aussagen - als noch nicht erledigt an. "Wir wollen wissen, wie oft und wann Corryna G. in diesem Café war."

Weitere Zeugin soll befragt werden

Der Abgeordnete Jürgen Frömmrich, Grünen-Obmann im Ausschuss, erklärte: "Dass Corryna G. das Café kannte, ist in diesem Zusammenhang eine neue Information. Wir wollen deshalb auch ihr damalige Mitinhaftierte als Zeugin laden." Die derzeit inhaftierte Corryna G. befand sich damals im offenen Vollzug.

Obmann Hermann Schaus von den Linken sagte, dass es nun erforderlich sei, "dass die Akten der Zeugin Corryna G. rekonstruiert werden". Sie seien im Jahr 2009 grundlos vom hessischen Verfassungsschutz geschreddert worden. FDP-Obmann Jörg-Uwe Hahn meinte, dass der Ausschuss "auf jeden Fall dem Hinweis einer weiteren Zeugin nachgesehen muss".

Der NSU-Ausschuss des Landtags soll untersuchen, ob hessische Behörden bei den Ermittlungen nach der Tat in Kassel Fehler gemacht haben. Zeitweise galt der damalige Verfassungsschützer Andreas Temme als tatverdächtig. Er hatte sich am Tag des Mordes an Yozgat in dessen Café aufgehalten, sich aber nicht als Zeuge gemeldet. Die Ermittlungen gegen ihn wurden eingestellt.

Sendung: hr-iNFO, 27.09.2017, 12 Uhr