Der Publizist und Politiker Daniel Cohn-Bendit und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron im Festsaal der Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität
Der Publizist und Politiker Daniel Cohn-Bendit (links) und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron im Festsaal der Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität Bild © picture-alliance/dpa

Absage an Rechtspopulismus und Fremdenhass, ein Bekenntnis zu europäischen Visionen - bei einer Debatte über die Zukunft Europas hat der französische Staatspräsident Emmanuel Macron an der Frankfurter Goethe-Universität eine "Koalition des guten Willens" gefordert.

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Wenige Wochen nach seiner weit beachteten Rede an der Sorbonne-Universität wiederholte der französische Präsident Emmanuel Macron am Dienstag vor Studenten der Frankfurter Goethe-Universität den Aufruf, sich wieder stärker mit der Identität Europas zu befassen und dabei auch die Bereiche Kultur und soziale Gerechtigkeit nicht zu vernachlässigen. "Kultur ist ein Bindemittel", betonte Macron, der am Abend zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die Frankfurter Buchmesse eröffnete.

Macron fordert "Wegeplan für Europa"

"Wir haben ein bisschen den Faden verloren in den letzten Jahren", sagte er. Im östlichen Europa gebe es einige Versuche, "dieses Europa ein wenig umzukrempeln", sagte Macron in Anspielung auf die Entwicklungen in Polen oder Ungarn. Nötig sei ein "Wegeplan für Europa" und eine "Koalition des guten Willens".

Zugang zu Kultur und Bildung machte Macron auch als Gegenmittel zur Radikalisierung junger Muslime nicht nur in Frankreich aus. Zwar sei bei der Bekämpfung von islamischen Terrorismus auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Nachrichtendienste eine europäische Aufgabe, sagte Macron in der Debatte mit dem deutsch-französischen Politiker Daniel Cohn-Bendit und dem Islam-Experten Gilles Kepel.

Erziehung und Ausbildung seien aber ebenfalls ein Gegenmittel: "Ein gut ausgebildetes Kind aus einer glücklichen Familie geht nicht zum IS."

Macron: Jungen Menschen wurden alleine gelassen

Viele junge Menschen aus Einwandererfamilien in den armen Stadtvierteln seien in der Vergangenheit alleingelassen worden, kritisierte Macron. "Ich glaube wirklich an Reformprojekte zu sozialer Mobilität." Es gelte, den Zugang zur französischen Sprache, aber auch den immer wichtiger werdenden Fremdsprachen auch Jugendlichen aus benachteiligten Vierteln zu ebnen. 

"Jeder junge Mensch, egal, wo er geboren ist, muss Zugang zur französischen Literatur, zu Goethe und Beethoven haben - das ist Exzellenz!" Vielleicht, so hoffte der französische Präsident, könnten gefährdete Jugendliche in der französischen Literatur sogar "positive Helden" entdecken, ehe sie womöglich in radikalislamischen Kämpfern ein Vorbild zu sehen.

Für die geplante Debatte mit den Studenten blieb am Dienstagnachmittag nur wenig Zeit - fast eine Stunde hatte sich Macron verspätet. Einige Fans der Bewegung "Pulse of Europe" konnten dem französischen Präsidenten aber doch noch vor der Diskussion mit der "Ode an die Freude" bei nasskaltem Nieselwetter ein Ständchen bringen.

Wie schon an der Sorbonne plädierte Macron für wirklich europäische Hochschulen, für die Mobilität einer polyglotten jungen Generation. Austauschprogramme allein reichten da nicht aus. "Ich glaube an diese Vitalität, und ich möchte, dass diese Bewegung auch in Deutschland entsteht", verabschiedete sich Macron von den Studierenden.