Firmenlogos mit dem Namen "Mohren-Apotheke".
Die Internet-Auftritte von sechs Apotheken aus Hessen, eine Gemeinsamkeit: Ein Name, den die Frankfurter Ausländervertretung als rassistisch empfindet. Bild © Screenshots: hessenschau.de

Der Begriff "Mohr" werte schwarze Menschen ab und soll daher aus dem Sprachgebrauch verschwinden, fordert die Frankfurter Ausländervertretung. Sie will, dass sich deshalb zwei Apotheken in der Stadt umbenennen. Auch anderswo in Hessen gibt es "Mohren"-Apotheken.

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Apotheken-Logo auf einer Tür.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kommentar: Warum es richtig ist, die Apotheken umzubenennen

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"Bekloppt", "Leute, die sonst nichts zu tun haben", "Kann man nicht ernst nehmen" - so reagierten Frankfurter Stadtverordnete der Fraktionen "Die Frankfurter", "Bürger für Frankfurt" und der AfD auf einen Antrag der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) der Stadt. Sie hatte gefordert, die Stadt solle sich dafür einsetzen, dass sich die Frankfurter "Mohren-Apotheke" und die "Apotheke zum Mohren" neue Namen suchen. Zuerst hatte die Frankfurter Rundschau darüber berichtet.

In der Begründung für den Antrag heißt es, Frankfurt müsse "Flagge gegen die Verwendung rassistischer Bilder und Bezeichnungen zeigen". KAV-Geschäftsführer Thomas Usleber sagte hessenschau.de am Mittwoch, Worte wie "Neger" oder "Mohr" seien zurecht als rassistisch anerkannt. Entsprechend werde auch die Bezeichnung "Mohrenkopf" nicht mehr verwendet. Auch die Schokoladen-Firma Sarotti werbe nicht mehr mit dem "Sarotti-Mohr".

Logo der "Mohren Apotheke" in Frankfurt.
An diesem Logo auf der Website hat die Ausländervertretung Anstoß genommen. Mittlerweile wurde der Kopf entfernt. Bild © Screenshot: hessenschau.de

Darüber hinaus kritisiert der Antrag, dass die Apotheke im Frankfurter Stadtteil Eschersheim auf ihrer Website ein "klischeebehaftetes Logo mit einem stilisierten Frauenkopf" verwende. Zu sehen war ein Kopf mit Turban, großem Ohrring und dicken Lippen. "Stereotypen, die eigentlich schon lange nicht mehr in den Köpfen vorhanden sein sollten, werden weiterverbreitet", heißt es im Antrag. Am Donnerstagmorgen war die Darstellung von der Website verschwunden.

Die andere Apotheke an der Konstablerwache, im ehemaligen Hotel "Zum Mohren" untergebracht, führe die Bezeichnung zwei Mal, heißt es im Antrag: im Firmenschild und als Schriftzug in die Sandstein-Fassade des Hauses gemeißelt - ein Überbleibsel des Hotels.

"Rassismus findet im Kopf statt, nicht an Fassaden"

Während sich die Besitzerin der Apotheke in Eschersheim im Gespräch mit dem hr nicht zu dem Fall äußern wollte, erklärte Alexander Schwartz, Inhaber der "Zeil Apotheke Zum Mohren", er habe den Begriff vergangenes Jahr in den Namen seiner Apotheke aufgenommen, "weil er ohnehin schon am Haus stand". Seit Juli 2017 hat Schwartz die Räume in dem Haus gemietet. "Rassismus findet im Kopf statt, nicht an Fassaden", sagte Schwartz, der die Kritik der KAV zurückwies.

Schwartz kritisierte, dass die Ausländervertretung sich nicht zuerst an ihn, sondern direkt an das Stadtparlament gewandt habe. Er sei "offen für Gespräche". Wenn er den Namen aber überhaupt ändern solle, müsse er auch von der Fassade verschwinden - und das halte er für schwierig, das Haus stehe unter Denkmalschutz. Die zuständige Amtsleiterin war am Mittwoch nicht zu erreichen. Der Frankfurter Rundschau sagte sie aber, man werde einer Entfernung oder Abdeckung des Schriftzugs auf keinen Fall zustimmen.

Viele Apotheken führen den Begriff "Mohr" im Namen

Zudem sind die beiden Frankfurter Apotheken nicht die einzigen in Hessen, die das Wort "Mohr" im Namen führen. Etwa in Wiesbaden, Friedberg (Wetterau), Kassel und Hofgeismar (Kassel) gibt es ähnliche Namen.

"Der Name war früher nicht negativ behaftet", sagte Katja Förster, Sprecherin des Hessischen Apothekerverbands. Alte Apotheken führten ihn aus Traditionsgründen weiter. Der Apothekerverband sei nicht involviert, wenn es um die Namenswahl geht. Die Betriebserlaubnis erteile das Regierungspräsidium Darmstadt, und die Erlaubnis sei an den Namen gebunden.

"Im Mittelalter waren das die Heilkundigen"

Cordula Stark leitet die Mohren-Apotheke in Hofgeismar, die 2014 die Besitzerin gewechselt hat. "Damals waren alle Angestellten der Meinung, dass der Name bleiben sollte, wir haben das diskutiert", sagte sie. Sie finde es "unsinnig", auf die Diskussion Energie zu verwenden, zumal der Begriff in diesem Fall positiv besetzt sei: "Im Mittelalter waren das die Heilkundigen, die Menschen konnten etwas, was die Menschen hier nicht konnten."

Ähnlich sieht das auch Thomas Kirchner, integrationspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung: Bei den Mohren-Apotheken werde "ein positives Bild" gezeichnet, es werde "die wissenschaftliche Leistung einer anderen Kultur" anerkannt, sagte er. Das gerate durch die Diskussion unters Rad - "das auf das Thema Rassismus zu reduzieren, greift zu kurz".

"Von schwarzen Menschen als rassistisch wahrgenommen"

Diese Argumentation sei aber "sehr abstrakt", sagte Tahir Della, Sprecher der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland. Kaum jemand werde bei dem Wort an schwarze Menschen denken, die etwas Positives machen. Vielmehr verbänden die meisten damit Eigenschaften wie dumm, töricht oder einfältig.

"Der Begriff wird von schwarzen Menschen als rassistisch wahrgenommen" - und diese Wahrnehmung solle doch Grundlage des Handelns sein, unabhängig davon, ob man sie nachempfinden könne oder nicht. "Sprache passt sich gesellschaftlichen Veränderungen an", sagte Della. Daher wünsche er sich auch, dass das "M-Wort", wie er es nennt, aus dem deutschen Sprachgebrauch verschwindet.

Zunächst aber ist das Wort Thema im Frankfurter Stadtparlament - wann das geschieht, ist noch unklar. Wie die Entscheidung ausfällt, auch.

Ihre Kommentare Sollte der Begriff "Mohr" aus den Namen von Apotheken verschwinden?

199 Kommentare

  • Dann müssen bitte auch alle Logos von Produkten verschwinden die Babuschkas, Eskimos, Kimono-Japanerinnen, Chinesen mit Zopf, Rothaarige mit Sommersprossen.... Tim und Struppi etc. zeigen. Da ist auch vieles folkloristisch oder überzeichnet dargestellt! Diese Diskussion ist total kontraproduktiv, denn mittlerweile gibt es schon so etwas wie positiven Rassismus. Bin mal gespannt, wann es mal einen „nicht-weißen“ Bösewicht im Tatort oder einer Serie gibt........

  • Nein .... Rassismus findet im Kopf statt ...
    Wir haben andere Probleme

  • Eindeutig nein.

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