Peter Münch
Peter Münch schmeißt sein Vorstandsamt hin - ihm passt der "Trend" zum Gemäßigten nicht. Bild © Imago

Der hessische AfD-Vorstand Peter Münch tritt von seinem Posten als Landessprecher zurück. Die eigene Partei sei ihm nicht mehr radikal genug, begründete er seinen Schritt. Die AfD entwickle sich zu einer "weichgespülten CDU".

In der hessischen AfD brodelt es mal wieder: Der Sprecher des AfD-Landesvorstands, Peter Münch, hat angekündigt, nicht mehr für das Amt kandidieren zu wollen. Die Neuwahl des Vorstands findet am 16. Dezember statt. Grund für seine Entscheidung sei der Verlauf des AfD-Bundesparteitags am Samstag in Hannover und der "allgemeine Trend" zu gemäßigten Positionen, sagte Münch am Sonntag zu hessenschau.de.

In Hannover war es bei der Wahl des Bundesvorstands zum Eklat zwischen dem konservativ-wirtschaftlichen und dem rechtsnationalen Flügel um Alexander Gauland gekommen, mit dem Ergebnis, dass sich Gauland zum Co-Vorsitzenden neben Jörg Meuthen wählen ließ, nachdem der gemäßigte Kandidat Georg Pazderski gescheitert war.

Münch: Es braucht keine CSU 2.0

Münch erklärte, er sei "hochzufrieden mit Gauland". Allerdings habe er beim Bundesparteitag gesehen, dass die AfD sich in eine falsche Richtung entwickle - eine Beobachtung, die auch speziell für den hessischen Landesverband gelte. Die AfD dürfe keine "weichgespülte CDU oder eine CSU 2.0" werden, das brauche niemand. Die ehemaligen Parteichefs Bernd Lucke und Frauke Petry sind zwar nicht mehr in der Partei, Münch stört sich nach eigener Aussage dennoch noch an deren nachhaltigem Einfluss in Form eines vergleichsweise gemäßigten Kurses.

Außerdem wirft er seiner Partei vor, zunehmend so zu werden wie andere Parteien: Mit "Hinterzimmerpolitik", Geschacher um Gelder oder Posten und Versuchen, irgendwann "ausgerechnet mit der CDU" koalieren zu wollen und deren Steigbügelhalter zu sein. Auch das Bestreben, möglichst bald in Regierungsverantwortung zu kommen, sei falsch, meinte Münch. Dass es mittlerweile Parteikollegen gebe, die Subventionen für Landwirtschaft oder den Ausbau der Elektro-Mobilität gutheißen, hält er sogar für einen "gefährlichen Wandel". Fragt man Münch, wie er selbst seine Position beschreiben würde, sagt er "bürgerlich-konservativ".

Anzeige gegen Vorstandskollegen

Münch will sich nicht mehr in den Vorstand der Landespartei wählen lassen, aber seinen Posten im Ortsverband Bad Homburg (Hochtaunus) behalten. Seine Sprecherfunktion im Landesvorstands überlässt er mit sofortiger Wirkung den anderen beiden Landesvorständen Albrecht Glaser und Rolf Kahnt. Münch hatte seinen Vorstandskollegen Glaser erst vor Kurzem wegen des Verdachts auf Untreue angezeigt, zuerst hatte ein FAZ-Redakteur darüber berichtet. Im Jahr 2000 hatte Glaser, damals noch mit CDU-Parteibuch und Stadtkämmerer in Frankfurt, rund 200 Millionen D-Mark in Fonds angelegt und mit sehr großen Verlusten später wieder verkauft.

Das sei auch schlecht für die AfD, die ja immer gegen Steuerverschwendung sei, erklärte Münch hessenschau.de. Außerdem habe Glaser auch vor dem Landesparteitag in Gießen im November mit E-Mails an Parteikollegen eine "widerliche Intrige" gegen ihn geführt. Am Ende konnte nicht wie geplant ein neuer Vorstand gewählt werden, weil die Technik streikte. Zum neuen Termin am 16. Dezember wird Münch dann gar nicht unter den Delegierten sein, er bleibe zu Hause, kündigte er an.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 3.12.2017, 19.30 Uhr