Udo Bausch, OB-Kandidat in Rüsselsheim
Neuer OB von Rüsselsheim: Udo Bausch. Bild © Udo Bausch

Überraschung in Rüsselsheim: Der unabhängige Kandidat Udo Bausch ist neuer Oberbürgermeister der Stadt. Er konnte sich in einer Stichwahl knapp gegen Amtsinhaber Patrick Burghardt (CDU) durchsetzen.

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Es war bis zum Schluss ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Bei der Stichwahl in Rüsselsheim (Groß-Gerau) setzte sich der unabhängige Kandidat Udo Bausch nach dem vorläufigen Endergebnis mit 50,7 Prozent der Stimmen gegen Amtsinhaber Patrick Burghardt (CDU) durch (49,3 Prozent). Der 61 Jahre alte Bausch ist damit neuer Oberbürgermeister von Rüsselsheim.

"Ich bin erfreut über das Ergebnis", sagte Bausch der hessenschau. Rüsselsheim habe über seine Zukunft entschieden. Der unterlegene Burghardt gratulierte seinem Nachfolger. "Ich konnte nicht genug Wähler mobilisieren", sagte der 36-Jährige. Es habe nicht ganz gereicht.

Bausch gewann die Wahl mit 8.460 Stimmen, Burghardt erhielt 8.234 Stimmen. Die Wahlbeteiligung war mit 37,8 Prozent relativ gering. Im ersten Wahlgang, der parallel zur Bundestagswahl am 24. September stattgefunden hatte, waren es noch 62 Prozent gewesen. Wahlberechtigt waren rund 44.500 von insgesamt etwa 63.000 Rüsselsheimern.

Bitteres Ergebnis für Amtsinhaber Burghardt

Patrick Burghardt, Oberbürgermeister Rüsselsheim, beim Hessentag 2017
Verlierer der Wahl: Patrick Burghardt (CDU) Bild © picture-alliance/dpa

Für den bisherigen OB Burghardt ist das Ergebnis bitter: Er war seinem Mitbewerber im ersten Wahlgang der OB-Wahl klar überlegen. Burghardt verpasste am Sonntag vor zwei Wochen mit 49 Prozent der Stimmen knapp die absolute Mehrheit. Mitbewerber Bausch kam damals auf 25,5 Prozent. Nach der Wahl hatten SPD, Grüne, Linke und "Wir sind Rüsselsheim" Bausch ihre Unterstützung zugesagt.

Entsprechend unterschiedlich fielen die Reaktionen auf das Wahlergebnis aus. Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel freute sich mit Bausch. Er twitterte: "Ich gratuliere Udo Bausch in Rüsselsheim ganz herzlich zum großartigen Wahlerfolg bei der OB-Wahl! Super!" Die CDU Hessen dankte dagegen Wahlverlierer Burghardt via Twitter: "Wir sind @PBurghardt sehr dankbar für seine herausragende Arbeit und stehen in diesem schweren Moment an seiner Seite."

SPD kritisierte "Wahlkampfhilfe" für Burghardt

Kurz vor der Stichwahl hatte das Land Hessen bekannt gegeben, sich an den höheren Sicherheitskosten für den diesjährigen Hessentag in Rüsselsheim zu beteiligen. Dies sicherte Staatskanzleichef Axel Wintermeyer (CDU) nach Angaben der Stadt dem bisherigen OB Burghardt zu. Eine genaue Summe nannte Wintermeyer aber nicht. Dazu müsse erst eine Endabrechnung vorliegen, die das Land prüfen und bewerten müsse.

Hessens SPD sprach von einem "Millionengeschenk" kurz vor der Stichwahl. Es handelte sich um "Wahlkampfhilfe für einen sich in der Bredouille befindlichen Oberbürgermeister aus den eigenen Reihen", kritisierte SPD-Generalsekretärin Nancy Faeser.

Streit über Hessentags-Defizit

Im August war bekannt geworden, dass sich die Kosten für die Sicherheitsmaßnahmen für den Hessentag in Rüsselsheim im vergangenen Juni fast verdoppelt haben. Mindestens drei Millionen Euro wurden dafür ausgegeben. Ursprünglich war die Stadt Rüsselsheim von rund 1,6 Millionen Euro Kosten für die Sicherheit ausgegangen.

Die höheren Kosten hatten auch für Zündstoff im Wahlkampf gesorgt - vor allem weil die Stadt weiter Schulden abbauen sollte. Als Schutzschirm-Kommune muss die Opel-Stadt bis 2020 eine schwarze Null erreichen.