Thorsten Schäfer-Gümbel
Zum Greifen nah wähnt Thorsten Schäfer-Gümbel das Amt des Ministerpräsidenten für sich und seine Partei. Bild © picture-alliance/dpa

Zum dritten Mal geht die SPD mit Thorsten Schäfer-Gümbel an der Spitze in den Landtagswahlkampf. Das beschlossen die Genossen am Samstag in Frankfurt. Bei der Wahl gehe es um Bouffier oder ihn, betonte Schäfer-Gümbel - "gestern oder morgen".

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SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel führt die Sozialdemokraten in den Landtagswahlkampf im nächsten Jahr. Auf dem Parteitag in Frankfurt wurde der 48-Jährige am Samstag mit 94,6 Prozent der Stimmen zum Spitzenkandidaten und damit zum Herausforderer von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) gekürt.

Zuvor hatte er die Sozialdemokraten mit einer kämpferischen Rede auf den hessischen Landtagswahlkampf eingeschworen. "Es gibt für die Wähler im September oder Oktober nächsten Jahres nur eine einzige wirkliche Entscheidung", sagte der SPD-Bundesvize am Samstag auf dem Parteitag in Frankfurt. "Volker Bouffier oder Thorsten Schäfer-Gümbel - gestern oder morgen."

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„Aber ich bin so klar. Ich bin so hart entschieden und so fest entschlossen, dass diese Wahl unsere ist, dass wir es wuppen können.“ Zitat von Thorsten Schäfer-Gümbel
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Wenn die SPD an sich selbst glaube, die Ärmel hochkrempele und anfange zu arbeiten, dann werde sie auch Wahlen gewinnen. "Ich fühle mich so gut vorbereitet, wie noch nie", rief der 48-Jährige vor mehr als 300 Delegierten. Der "Leberhaken" nach der letzten Landtagswahl habe zwar lange nachgewirkt. "Aber ich bin so klar. Ich bin so hart entschieden und so fest entschlossen, dass diese Wahl unsere ist, dass wir es wuppen können", betonte Schäfer-Gümbel unter dem minutenlanger Applaus seiner Parteifreunde.

Die SPD werde mit drei Kernthemen in den Landtagswahlkampf ziehen, kündigte er an: Wohnen, Mobilität und Bildung.

Für die Landtagswahl 2009 war Schäfer-Gümbel mit 96,7 Prozent der Delegiertenstimmen zum Spitzenkandidaten gekürt worden, vor der Wahl 2013 hatten 97,8 Prozent für ihn votiert.

Zurückhaltung zu Bundesregierung

Später am Samstag wurde Schäfer-Gümbel auch im Amt als Parteichef bestätigt: 93,7 Prozent der Delegierten stimmten für ihn, vor zwei Jahren waren es noch knapp 91,4 Prozent. Schäfer-Gümbel sagte, er sei "unfassbar dankbar, dass es nicht 100 Prozent waren", in Anspielung auf das Wahlergebnis von SPD-Bundeschef Martin Schulz, der erst mit 100 Prozent Parteichef wurde und bei den anschließenden Bundestagswahlen krachend verlor.

Der Parteitag stand unter dem Eindruck der geplatzten Sondierungsgespräche für eine Bundesregierung. Schäfer-Gümbel sagte zurückhaltend, bevor er sich für Neuwahlen, eine Minderheitsregierung  oder eine Große Koalition ausspreche, müsse er die Gespräche der SPD in der kommenden Woche mit der Union abwarten. Vor kurzem hatte er noch vehement für eine Minderheitsregierung im Bund geworben.

Allerdings, so fügte Schäfer-Gümbel leicht genervt hinzu: "Wir haben ja eine gewisse Erfahrung als hessische Sozialdemokratie, dass immer, wenn wir was Wichtiges vorhaben, irgendein Bundesmist passiert, der uns alles verhagelt."