AfD-Logo und Abstimmungskarte mit der Aufschrift "Nein".
Einige der AfD-Mitglieder in Offenbach sind heftig miteinander zerstritten. Bild © picture-alliance/dpa

In der Offenbacher AfD tobt ein schmutziger Machtkampf. Die Kreisvorsitzende soll in die Kasse gegriffen und WhatsApp-Botschaften mit Hitler-Bildern verbreitet haben. Die Politikerin wehrt sich mit Ausschlussverfahren - und Post an den Arbeitgeber eines Widersachers.

Der Wahlkreis 43 - Stadt Offenbach - hat für die AfD bei den Landtagswahlen im Oktober besondere Bedeutung. Hier holte die Partei bei der Bundestagswahl 2017 das beste Ergebnis in einer hessischen Großstadt: fast zwölf Prozent der Zweitstimmen. Schon bei den Kommunalwahlen 2016 war die AfD mit sechs Politikern ins Stadtparlament eingezogen.

Dabei hat der Kreisverband Offenbach nach eigenen Angaben gerade einmal 35 Mitglieder. Die Fäden laufen zusammen bei Christin Thüne. Sie ist Kreisverbandssprecherin und Fraktionschefin im Offenbacher Stadtparlament, war vergangenes Jahr OB-Kandidatin und wurde Mitte Januar zur Direktkandidatin für die Landtagswahlen nominiert. Entsprechend selbstbewusst gibt sie auch als Ziel für die Landtagswahlen aus, "das beste Wahlergebnis für die AfD aller kreisfreien Städte in Hessen zu erreichen."

Kompletten Vorstand abgesetzt

Ob Thüne selbst aber für die AfD in den Wahlkampf ziehen wird, scheint ungewiss. Gegen die 56-Jährige läuft ein Parteiausschlussverfahren, das noch der alte AfD-Landesvorstand im vergangenen Jahr in die Wege geleitet hat. Damals hatte die Landes-AfD gleich den kompletten Offenbacher Kreisvorstand abgesetzt. Die Offenbacher Parteimitglieder scherten sich darum nicht. Vergangenen Monat wählten sie Thüne erneut zu ihrer Kreisvorsitzenden.

Christin Thüne.
Christin Thüne. Bild © privat

Bis heute verrät der Landesvorstand nicht, warum Thüne ausgeschlossen werden soll. "Wir beziehen momentan keine Stellung zu Vorgängen in den Kreisverbänden", sagt AfD-Landessprecher Robert Lambrou schmallippig.

Kinder auf 450-Euro-Basis angestellt?

Die Vorwürfe, die nach Informationen von hessenschau.de im Raum stehen, sind gravierend: Es geht um Geld, das aus der Fraktionskasse verschwunden ist, um Drogen-Vorwürfe gegen den Kassierer, um rassistische Witze und Hitler-Bilder in einer internen WhatsApp-Gruppe.

Im August 2016 habe Thüne einen hohen dreistelligen Betrag vom Konto der Offenbacher AfD-Fraktion abgehoben - ohne Fraktionsbeschluss. Das berichtete Frank Gercke, der frühere Kassierer in der Stadtverordneten-Fraktion, dem Parteivorstand. Darauf angesprochen, habe Thüne ihre Kinder auf Minijob-Basis rückwirkend bei der Fraktion angestellt. Die Angegriffene bestreitet, dass es finanzielle Unregelmäßigkeiten gegeben habe. Solche Vorwürfe seien "erstunken und erlogen". Ein Wirtschaftsprüfer im Rathaus nehme schließlich jeden Beleg unter die Lupe.

Beim Arbeitgeber angeschwärzt

Gercke ist sich sicher: Weil er ihre Abwahl forderte, habe Thüne ihn daraufhin aus der Fraktion ausschließen lassen. Später schwärzte sie ihren innerparteilichen Widersacher in zwei Schreiben an: in einem Brief an Gerckes Arbeitgeber, die Lufthansa. Und in einer Mail an den damaligen AfD-Landessprecher Albrecht Glaser. Gercke konsumiere Drogen, hieß es da. In einem der Bezichtigungsschreiben, die hessenschau.de vorliegen, behauptet Thüne zum Beispiel: "Herr Frank Gercke ist seit ein paar Wochen unser Problem. Er konsumiert bewusstseinsverändernde Substanzen."

Die Lufthansa schickte Gercke daraufhin sogar kurzzeitig in Urlaub - und zum Drogentest. Der Test fiel negativ aus. Das Unternehmen bekam außerdem zu hören, sein Mitarbeiter sei ein Schmuggler. Thüne sagt, den Brief an das Unternehmen habe sie aufgrund eines Beschlusses der Fraktion geschrieben, "um uns zu schützen. Wenn man so etwas weiß, muss man das mitteilen, sonst macht man sich strafbar." Sie habe ja auch mit Polizei und Staatsanwaltschaft Kontakt gehabt.

Hitler-Bilder in der WhatsApp-Gruppe

Und dann sind da noch die Bilder, die Thüne Zeugen zufolge in einer internen WhatsApp-Gruppe gepostet hat. Sie verschickte demnach in der AfD-internen Gruppe türken- und muslimfeindliche Bilder, mehrere davon mit dem Konterfei von Adolf Hitler. Die Kommunalpolitikerin hat auf Twitter auch eine Karikatur geteilt, in der Muslime als Schweine dargestellt werden - und auch den Spruch "Wer den Islam wählt, wählt den Tod".

Ob das Teilen in einer geschlossenen WhatsApp-Gruppe juristisch betrachtet geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören und somit eine Volksverhetzung darstellt: Das ist nach Einschätzung von Rechtsexperten nicht leicht zu klären. Für manche der AfD-Mitglieder bleibt es dennoch eine unzumutbare Geschmacklosigkeit. So sagt etwa Thomas Gotta aus Offenbach: "So etwas ist menschlich und moralisch das Allerletzte und diskreditiert jeden für jegliches Amt innerhalb der Partei."

Christin Thüne streitet allerdings vehement ab, diese Bilder geteilt zu haben. Der Vorwurf sei "manipuliert", sie spricht von einer "Lügenkampagne". Auch parteiunabhängige Zeugen bestätigen dagegen, die genannten Bilder im Chat gesehen zu haben - gesendet von Thünes Handynummer.

Mehrere Parteiausschlussverfahren laufen

Die AfD-Politikerin will zurückschlagen: Auf Thünes Betreiben hin bereitet der Offenbacher Kreisvorstand inzwischen Parteiausschlussverfahren gegen mehrere Mitglieder vor. Ein Ausschluss ist bereits beantragt. Die Betroffenen stecken nach Thünes Meinung hinter den Vorwürfen gegen sie. Begründung für die Ausschlussverfahren: "parteischädigendes Verhalten".