Michael Roth und Thorsten Schäfer-Gümbel
Da geht's lang: SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel (links) und Michael Roth. Bild © picture-alliance/dpa

Voller Euphorie stellte die SPD am Samstag ihre Landesliste für die Bundestagswahl auf. Kein Wunder: Die Umfragen sind gut, die Mitgliederzahlen auch. Die Delegierten hoffen auf den Schulz-Effekt. Nur bei einem Thema sank die Stimmung.

Videobeitrag

Video

zum Video Michael Roth führt Hessen-SPD in Bundestagswahlkampf

Ende des Videobeitrags

Man konnte sich kaum retten vor "guter Laune" auf dem Landesparteitag der SPD. "Wir haben gute Laune", rief Generalsekretärin Nancy Faeser den 350 Delegierten zu. Auch SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel und andere Redner beschworen ein ums andere Mal die "gute Laune". Und dass die Partei derzeit mental geradezu berauscht erscheint, ließ sich auch am Überschwang des Kasseler Oberbürgermeisters Bertram Hilgen ablesen, der seine Partei in Kassel, "dem New York Nordhessens", begrüßte.

Gute Umfragen seien verantwortlich für die "gute Laune", auch die Spitzenkandidatur von Martin Schulz. Der neue Star der SPD war zwar selbst nicht in Kassel, aber als Hoffnungsträger schwirrte er durch viele Beiträge. Ein Knoten sei geplatzt, frohlockte Parteichef Schäfer-Gümbel, der gleichzeitig eine "Wiedergeburt der Sozialdemokratie" wahrnimmt. 1.600 Neumitglieder allein in Hessen seit Januar werden als Beleg genommen.

Ein bisschen Landtagswahl-Feeling

Die Partei fühlt sich unverdrossen im Aufwind. Schäfer-Gümbel erwartet, dass sich das nicht nur auf die anstehende Bundestagswahl auswirken werde, sondern auf die Landtagswahl 2018: Das sei "ein Doppelpack".

Nach Landtags-Wahlkampf riecht auch schon das einstimmig beschlossene Projekt, die Kindergarten- und Kita-Gebühren nach einem möglichen Wahlsieg in Hessen in Stufen abzuschaffen. Gleichzeitig  müssten auch die Kommunen bei den Betriebskosten entlastet werden, das Land müsse Kosten übernehmen.

In seiner kämpferischen Rede forderte Schäfer-Gümbel Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und seinen Stellvertreter Tarek Al-Wazir (Grüne) auf, die wirklichen Aufgaben im Land anzugehen und nicht wie "selbstverliebte Männer um ihrer selbst willen" das Land nur zu verwalten.

Die internationale Lage stimmt nachdenklich

Eine klare Sache war die Bestellung der Landesliste für die Bundestagswahl am 24. September. Es gab keinerlei Kampfkandidaturen. Spitzenkandidat der Hessen-SPD ist erneut der Staatsminister im Auswärtigen Amt, der 46 Jahre alte Michael Roth. Der frühere Staatssekretär der hessischen SPD wurde mit gut 95 Prozent Zustimmung auf Platz eins gewählt. Inzwischen ist er im Auswärtigen Amt für Europa-Politik zuständig.

Mit Blick auf die internationale Lage schwand die gute Laune in Kassel. Nachdrücklich forderte die Partei die Freilassung des in Flörsheim aufgewachsenen deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel. Spitzenkandidat Roth warnte vor Populismus in Europa und der Welt. Es stimme nachdenklich, dass bei der Frankreich-Wahl an diesem Wochenende eine Antisemitin und Rechts-Nationalistin in die Stichwahl kommen könnte. Populisten seien "erbärmliche Lügner", sie zu bekämpfen Aufgabe der Sozialdemokraten.