Die SPD-Abgeordnete Andrea Ypsilanti 2011 im Hessischen Landtag.
Die SPD-Abgeordnete Andrea Ypsilanti 2011 im Hessischen Landtag. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Um ein Haar wäre sie hessische Ministerpräsidentin geworden. Zehn Jahre nach ihrem Scheitern an der eigenen Partei kündigt Andrea Ypsilanti nun ihren Rückzug aus der Landespolitik an. Zur kommenden Landtagswahl tritt sie nicht mehr an.

Die frühere hessische SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti verlässt Anfang 2019 den Landtag in Wiesbaden. Bei der Landtagswahl Ende 2018 will sie nicht mehr kandidieren. Die Politikerin sagte dem Mannheimer Morgen, dass sie dann bereits seit 20 Jahren Abgeordnete sei und drei Monate später 62 Jahre alt werde: "Da wird es Zeit, andere Sachen anzugehen."

Ypsilanti äußerte sich laut dem Zeitungsbericht nicht näher darüber, was sie nach ihrem Ausscheiden aus dem Landesparlament vorhat, fügte aber hinzu: "Ich werde ein politischer Mensch bleiben und mich weiter einmischen." Am Donnerstagabend will Ypsilanti in Frankfurt zusammen mit anderen Sozialdemokraten eine Idee zur Neuaufstellung der SPD vorstellen.

Die 60-Jährige ist nach wie vor eine von mehreren Vorstandssprecherinnen der 2010 gegründeten linken Denkfabrik Institut Solidarische Moderne.

SPD wieder auf Augenhöhe mit der CDU geführt

Ypsilanti war 2008 in Hessen mit der Bildung einer rot-grünen Minderheitsregierung unter Tolerierung der Linkspartei gescheitert. Vor der Landtagswahl hatte sie noch ausgeschlossen, mit Hilfe der Linken Ministerpräsidentin werden zu wollen. Vier Abgeordnete aus der eigenen Fraktion verweigerten ihr einen Tag vor der Wahl die Unterstützung. Bei den Neuwahlen gewannen dann CDU und FDP klar, die SPD stürzte auf ein historisch schlechtestes Ergebnis von 23,7 Prozent ab.

Den Parteivorsitz in der Hessen-SPD hatte Ypsilanti nach der Wahlniederlage von 2003 übernommen. Ende 2006 gelang es ihr überraschend, dem favorisierten Rivalen Jürgen Walter die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl zu entreißen. Dann legte sie einen fulminanten Wahlkampf hin. Unter ihr erreichte die SPD einen Stimmenzuwachs von 7,6 Prozentpunkten bei der Landtagswahl im Januar 2008, der ihre Partei wieder auf Augenhöhe mit der CDU von Ministerpräsident Roland Koch führte und dieser die absolute Mehrheit kostete.

Doch auf den Wahljubel folgte ein Kurswechsel, der als Wortbruch kritisiert wurde. Nach der Wahl wollte Ypsilanti doch die sechs Stimmen der Linken im Landtag in Anspruch nehmen, um sich zur Nachfolgerin Kochs wählen zu lassen. "Tricksilanti" war eine der milderen Schmähungen.

Seit 2009 kein Parteiamt mehr

Nach dem gescheiterten Versuch, mit Hilfe der Linken hessische Ministerpräsidentin zu werden und der anschließenden SPD-Niederlage bei der Landtagswahl hatte Andrea Ypsilanti Anfang 2009 ihre Parteiämter niedergelegt. Sie ist aber weiter Abgeordnete und derzeit Vorsitzende des Petitionsausschusses im Landtag.

Die Politikerin stammt aus einer Arbeiterfamilie in Rüsselsheim. Sie verdiente ihr Geld als Sekretärin und Stewardess, bevor sie Soziologie studierte und Referatsleiterin in der Staatskanzlei unter dem SPD-Ministerpräsidenten Hans Eichel wurde. Sie zählt zum linken Flügel der Partei. Noch im Januar 2017 hatte sie für eine rot-rot-grüne Regierungskoalition im Bund geworben. Sie wohnt in Frankfurt.