Gutscheine
Am Mittwoch in allen Briefkästen der Evakuierungszone: Gutscheine für Zoo und Museen. Bild © picture-alliance/dpa, Stadt Frankfurt (Collage: hr)

Zoo und Museen kostenlos: Frankfurter, die Anfang September wegen der Entschärfung einer Bombe ihre Häuser verlassen mussten, sollen am Mittwoch Freikarten in ihren Briefkästen haben. Die Aktion sorgt in der Stadtregierung für Streit.

Es war ein Sonntag, der die gesamte Stadt in Atem hielt - die große Evakuierung wegen der Bombenentschärfung Anfang September in Frankfurt wird für alle betroffenen Anwohner und Einsatzkräfte zu guter Letzt noch ein angenehmes Nachspiel haben.

Die Stadt Frankfurt wird am Mittwoch im Evakuierungsgebiet Gutscheine für einen freien Eintritt in die städtischen Museen und in den Zoo verteilen - verbunden mit einem Brief von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Pro Haushalt dürfen zwei Erwachsene und ihre Kinder gratis in den Zoo. An die Einsatzkräfte hat die Stadt die Freikarten schon am Dienstag verteilt.

Grünen und CDU ist Gratis-Aktion zu teuer

Feldmann konnte für die Aktion aber nicht alle Verantwortlichen in der Stadtregierung gewinnen. Weitere Gratis-Eintritte in andere städtische Einrichtungen wird es somit nicht geben.

Während Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), verantwortlich für die städtischen Museen, gleich mit im Boot war, sagte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) bei der Gutschein-Aktion ab - zu teuer. "Einen freien Eintritt in den Palmengarten können oder wollen wir uns nur schlichtweg nicht leisten“, sagte ein Dezernatsprecher zu hessenschau.de. Das heiße aber nicht, dass man die Aktion von Oberbürgermeister Feldmann und Kulturdezernentin Hartwig negativ bewerte.

Auch in den Schwimmbädern wird es keinen freien Eintritt geben, wie eigentlich gewünscht - das unterliegt dem Sportdezernenten Markus Frank (CDU). Frank sagte der Frankfurter Rundschau (FR), die Kooperation bei der Evakuierung sei eine "Bürgerpflicht", er sehe deswegen keinen Anlass für eine Gratis-Aktion. Zumal für den Oktober eine Party für alle Helfer geplant sei.

CDU: "Unausgegorene PR-Aktion"

Dass die Oberbürgermeisterwahl im Februar 2018 in greifbare Nähe rückt, führt bei der CDU zu dem Vorwurf, Amtsinhaber Feldmann mache Wahlkampfgetöse in eigener Sache. Für die Herausforderin von Feldmann im kommenden Jahr, OB-Kandidatin Bernadette Weyland (CDU), ist das glasklar: "Das ist eine PR-Aktion für Feldmann", sagte Weyland hessenschau.de.

Die Aktion sei "unausgegoren", im Haushalt sei so eine Verteilaktion nicht vorgesehen, niemand wisse genau, was das kosten soll. Weyland ist aber sicher, es handele sich um "eine gigantische Summe". Dem Steuerzahler werde man das am Ende nicht erklären können.

Nicht alle in der Stadtregierung sind mit dieser Wohtat des Oberbürgermeisters und der Kulturdezernentin einverstanden. Die FR berichtete ohne Nennung von Quellen, der finanzielle Aufwand der Aktion werde sich wohl auf bis zu einer Million Euro belaufen. Auf Nachfrage von hessenschau.de bei der Stadt Frankfurt, hieß es, für Versand und Druck habe die Stadt rund 7.000 Euro veranschlagt. Wie teuer die Aktion am Ende tatsächlich sein wird, ist unklar - es kommt darauf an, wie viele Menschen überhaupt ihren Gutschein einlösen.

Im Magistrat rumort es ohnehin schon: Auch die vom Aufsichtsrat des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) unter dem Vorsitz Feldmanns beschlossene Preissenkung für die Städte Frankfurt, Mainz und Wiesbaden sorgt im Römer für Ärger - und den Vorwurf, der OB verteile auch hier Wahlgeschenke.

OB-Sprecher: Vorwurf der Wahlbeeinflussung ist Blödsinn

Den Vorwurf der Wahlbeeinflussung hält der Sprecher von Feldmann, Ralph Klinkenborg, für "Blödsinn": "Was soll daran denn Wahlbeeinflussung sein? Auf den Gutscheinen ist ja nicht mal ein Bild vom OB abgedruckt", sagte er hessenschau.de über die Aktion mit den Gratis-Zoobesuchen. Außerdem seien es noch sechs Monate bis zur Oberbürgemeisterwahl. Die Gutscheine seien als Dankeschön an die Bürger und Einsatzkräfte gedacht.

Wie viel der gesamte Einsatz rund um die Entschärfung der Weltkriegsbombe in Frankfurt gekostet hat, ist noch unklar. Aus dem Büro des Oberbürgermeisters hieß es, es werde wohl Wochen oder Monate dauern, das zu beziffern. Die Kosten würden am Ende wahrscheinlich vom Land getragen.