AfD Robert Lambrou, Klaus Herrmann
Robert Lambrou (l.) und Klaus Herrmann sind die neuen Sprecher des AfD-Landesvorstandes Hessen. Bild © picture-alliance/dpa

Die hessische AfD hat es geschafft: Im zweiten Anlauf wählte sie am Samstag in Gießen zwei neue Landessprecher. Dabei gab es eine Überraschung - und der Kandidat des rechten Flügels fiel durch.

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Künftig stehen nur noch zwei statt der bislang drei Landessprecher an der Spitze der hessischen AfD. Das entschieden die rund 220 Delegierten am Samstag mit großer Mehrheit auf dem Landesparteitag in Gießen.

Und nachdem die Vorstandswahl im November nach einem organisatorischen Chaos gescheitert war, klappte es nun im zweiten Anlauf: Robert Lambrou, Fraktionsgeschäftsführer der AfD in der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung, und der ehemalige Kriminalbeamte Klaus Herrmann aus Butzbach wurden an die Spitze der Hessen-AfD gewählt. Die drei bisherigen Landessprecher Albrecht Glaser, Peter Münch und Rolf Kahnt waren nicht mehr angetreten.

Schlappe für rechten Flügel

Im ersten Wahlgang setzte sich mit rund 56 Prozent der 50 Jahre alte Lambrou für den Sprecherposten durch. Lambrou war auch vorher schon als chancenreich gehandelt worden. Aber nach einer teilweise leidenschaftlichen Vorstellungsrede ließ er im ersten Wahlgang seine Mitbewerber sehr deutlich hinter sich. Er appellierte an die Geschlossenheit der AfD. Der politische Gegner stehe außerhalb der Partei. Lambrou zählt sich selbst zum Lager der Gemäßigten in der Partei.

Eine Überraschung war aber vor allem die Wahl Herrmanns, der im ersten Wahlgang gar nicht kandidiert hatte. Der 57-Jährige trat erst bei der Wahl für den zweiten - aber gleichberechtigten - Sprecherposten an und erhielt 55 Prozent der Stimmen.

Für den rechten Parteiflügel bedeutet dies eine Schlappe, denn dessen Vertreter, Andreas Lichert, fiel in beiden Wahlgängen durch. Der Unternehmensberater aus der Wetterau gilt als Vertreter der Neuen Rechten und soll Verbindungen zu rechtsextremistischen Gruppierungen haben. Lichert wollte auch in den Bundestag, scheiterte aber knapp. Der nun gewählte Herrmann wird politisch eher einer konservativen CDU zugeordnet, der er auch kurze Zeit lang angehörte.

Vorstandswahl geht weiter

In ersten Reaktionen hieß es in der Partei, ein Rechtsruck in der Hessen-AfD sei damit abgewendet. Die Delegierten vergaben auf ihrem Parteitag in Gießen auch die weiteren Posten im Landesvorstand. Die Zahl der stellvertretenden Sprecher wurde ebenfalls von drei auf zwei verringert.

Die AfD hat in Hessen rund 2.500 Mitglieder. Hauptaufgabe des künftigen Vorstands ist der anstehende Landtagswahlkampf. Bei der Kommunalwahl 2016 und bei der Bundestagswahl 2017 kam die Partei in Hessen auf knapp zwölf Prozent. Auf dem AfD-Parteitag wurde aber warnend auf das Beispiel Niedersachsen hingewiesen: Dort landete die AfD bei der Wahl für den Bund bei neun Prozent. Drei Wochen später bei der Landtagswahl reichte es nur für gut sechs Prozent.

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Stimmzettel der AfD auf dem Parteitag in Gießen

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Lambrou und Herrmann: AfD mit neuer Führungsspitze

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