Rewe-Einkaufskorb mit Obst
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Um das Umweltbewusstsein von Kindern zu fördern, macht das hessische Umweltministerium gemeinsame Sache mit dem Supermarkt-Riesen Rewe. Doch Eltern sehen ihren Nachwuchs für Werbezwecke missbraucht - und haben einen Stopp der Aktion bewirkt.

Als das hessische Umweltministerium im Februar Aktionen für seine landesweite Umweltkampagne "Sauberhaftes Hessen" präsentierte, klang das so: "Hier können die Kinder lernen, wie einfach es ist, auch beim täglichen Einkauf auf die Umwelt zu achten."

Eine der vorgestellten Ideen: In einer gemeinsamen Aktion des für die Aktion "Sauberhaftes Hessen" zuständigen Fördervereins mit dem Handelskonzern Rewe sollten Kitas und Kindergärten möglichst viele Kinder mobilisieren, um in den Supermärkten der Kette Recycling und umweltbewusstes Einkaufen zu lernen. Dem Förderverein gehören zahlreiche Kommunen sowie kommunale Entsorgungsbetriebe an.

So präsentiert sich die Kampagne im Internet.
So präsentiert sich die Kampagne im Internet. Bild © sauberhaftes-hessen.de / Screenshot: hessenschau.de

"Sauberhafte Rallye" wurde das genannt. Doch damit ist wenige Monate nach der Vorstellung erst einmal Schluss, wie ein Sprecher des Ministeriums am Mittwoch sagte. Das Umweltministerium beugt sich anhaltender Kritik von Landeselternbeirat und Landesschülervertretung, die einen sofortigen Stopp der Supermarkt-Besuchstage gefordert hatten.

Ministerien prüfen, Rewe reagiert mit Unverständnis

Der Landeselternbeirat erklärte, die Kinder würden in Märkte der Kette geführt und erhielten dort Geschenke. Ziel sei "offensichtlich die Produkt- und Markenwerbung" für Rewe. Elternbeirats-Geschäftsführerin Tanja Pfennig kritisierte, Kindergartenkinder und Grundschüler würden von Rewe instrumentalisiert.

Umwelt- und Kultusministerium prüfen nun, ob und wie die Aktion fortgesetzt werden kann. Solange noch keine Entscheidung gefallen ist, ruhe die Umwelt-Rallye, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums.

Anja Krauskopf, Sprecherin von Rewe-Mitte, wies die Kritik zurück: "Uns geht es darum, die Kinder für gesundes Essen und nachhaltiges Einkaufen zu sensibilisieren." Rewe unterstütze die 2002 gestartete Aktion "Sauberhaftes Hessen" seit vielen Jahren als Sponsor.

Werbeverbot im Schulgesetz verankert

Vor fünf Jahren hatte Rewe in Hessen Ärger wegen einer Schulaktion. Bundesweit sollten alle Grundschüler einen Apfel bekommen und zeitgleich an einem Tag um 11 Uhr im Unterricht hineinbeißen - zugunsten von SOS-Kinderdörfern in Afrika, für die der Handelskonzern spenden wollte. Nach Protesten stoppte das Kultusministerium in Wiesbaden die Aktion, bei der die werbende Absicht eindeutig im Vordergrund gestanden habe.

Der zuweilen schmale Grat zwischen Sponsoring und Werbung hatte erst vor Kurzem den Landtag beschäftigt: Anfang Mai beschlossen die Abgeordneten eine Änderung des hessischen Schulgesetzes, wonach Werbung für Produkte und Dienstleistungen verboten wird, die nichts mit der Schule zu tun haben.

Hier gilt von nun an die Regel: Sponsoring ist möglich, wenn der Nutzen für die betroffene Schule größer ist als die Werbewirkung für das Unternehmen, das beispielsweise den Schülern seine Produkte zukommen lässt.

Sendung: hr-iNFO, 21.06.2017, 18.00 Uhr