Ismail Yozgat
Ismail Yozgat Bild © picture-alliance/dpa

Er ist der Vater eines NSU-Opfers und soll gehört werden: Ismail Yozgat wird am Montag als letzter Zeuge im Untersuchungsausschuss des Landtags zu Wort kommen. Sein Sohn Halit wurde vor elf Jahren in Kassel erschossen.

Der NSU-Untersuchungsausschuss in Wiesbaden schließt am Montag seine Zeugenaufnahme. Als letzter Zeuge soll der Vater des in Kassel erschossenen Internetcafé-Betreibers Halit Yozgat zu Wort kommen. Mit seiner Vorladung möchte die Opposition im Ausschuss den Opfern des NSU-Terrors ein Gesicht geben.

Ermittlungen gegen familie, Verfassungsschützer am Tatort

Ismail Yozgat hatte seinen Sohn im April 2006 kurz nach den tödlichen Schüssen im Café aufgefunden. Im Zuge der Mord-Ermittlungen hatte es gegen ihn und seine und seine Familie verdeckte Ermittlungen gegeben, auch sein Telefon wurde zeitweise überwacht. Erst fünf Jahre später wurde klar, dass der Mord an Halit Yozgat von der rechtsextremen Terrorgruppe NSU verübt worden war.

Der NSU-Ausschuss des Landtags untersucht seit 2014, ob nach dem Mord an Halit Yozgat Fehler von hessischen Behörden gemacht wurden. Zum Zeitpunkt der Tat oder kurz davor war ein damaliger Mitarbeiter des Landesamts für Verfassungsschutz am Tatort. Da er sich nicht von sich aus als Zeuge meldete, geriet er vorübergehend unter Verdacht.

Ringen um einen Abschlussbericht

Zuletzt war Ende September die Zeugin Corryna G. gehört worden. G. war langjähriges Mitglied der rechtsextremen Szene in Thüringen und Nordhessen und hielt sich kurz vor dem Mord an Halit Yozgat in seinem Internetcafé auf. Der Ausschuss prüft, ob sie die Örtlichkeiten für den NSU auskundschaftete.

Nach der Zeugenaufnahme beginnt der Untersuchungsausschuss mit der Erstellung des Abschlussberichts. Dass es zu einem von allen Fraktionen getragenen Dokument kommt, gilt wegen der großen Differenzen im Ausschuss als praktisch ausgeschlossen.

Sendung: hr-iNFO, 27.11.2017, 8.20 Uhr