Wahlkabinen
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22 Direktmandate für den Bundestag werden in Hessen vergeben. hessenschau.de wagt einen Ausblick, wie die Duelle in den Wahlkreisen am Sonntag verlaufen könnten. Vor allem die SPD muss um bestehende Mandate bangen.

Fünf Wahlkreise gingen bei der letzten Bundestagswahl an die SPD, 17 an die CDU. Am kommenden Sonntag werden die Karten neu gemischt. hessenschau.de hat versucht zu berechnen, in welchen Wahlkreisen das Rennen besonders knapp werden könnte und wo sich die Kandidatinnen und Kandidaten schon sicher fühlen können.

Ergebnis: Gerade für die SPD droht es, in einigen Wahlkreisen eng zu werden. Die ohnehin schon geringe Zahl von fünf sozialdemokratischen Direktmandaten könnte in der kommenden Legislaturperiode noch kleiner werden. Besser stehen die Kandidaten der CDU da. Für sie könnte es nur in ein paar Wahlkreisen knapp werden. Einen Überblick bietet die unten stehende Karte. Darin wurden die Siegchancen der Parteien in den Wahlkreisen in je drei Stufen mit unterschiedlichen Farbtönen eingeteilt: sicher, sehr wahrscheinlich und wahrscheinlich (mehr Erklärungen zur Analyse).

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Die CDU-Hochburgen liegen vor allem im Osten und ganz im Südwesten des Landes, die der SPD traditionell im Norden. Allerdings wird es für die SPD den Berechnungen zufolge teilweise sehr knapp. In die Karten spielt den Sozialdemokraten, dass in drei von fünf SPD-Wahlkreisen die Sieger der vorherigen Bundestagswahlen erneut antreten und sozusagen einen "Amtsbonus" mitbringen.

Im aktuellen SPD-Wahlkreis "168 Kassel" bewerben sich mit Timon Gremmels (SPD) und Norbert Wett (CDU) hingegen zwei neue Kandidaten ums Direktmandat. Den Berechnungen zufolge hat der SPD-Politiker nur ganz leicht die Nase vorn. Sollte der Wahlkreis an die CDU fallen, wäre das eine echte Überraschung - Kassel ist seit Jahrzehnten in SPD-Hand.

Für die CDU könnte es vor allem in Wiesbaden, Kassel und Waldeck spannend werden. In Waldeck will CDU-Kandidat Thomas Viesehon sein Mandat verteidigen, das er 2013 nach jahrzehntelanger SPD-Vorherrschaft erstmals erobern konnte. In Wiesbaden und Groß-Gerau bewerben sich neue Kandidaten um die Nachfolge der prominenten CDU-Größen Franz Josef Jung und Kristina Schröder. Beide treten in diesem Jahr nicht mehr zur Bundestagswahl an.

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Die Analyse

Wie kommt die Einstufung der Kandidaten zustande? Für die Analyse wurden verschiedene Daten zusammengeführt und ausgewertet. Zum einen fließen aktuelle Umfrageergebnisse ("Sonntagsfrage") in die Analyse ein. Umfragen unterliegen aber immer Schwankungen. Um diese zu minimieren, bietet es sich an, Durchschnittswerte von verschiedenen Instituten über einen bestimmten Zeitraum zu verwenden. Für die vorliegende Analyse wurde auf den Umfrageschnitt des unabhängigen Portals "Signal & Rauschen" zurückgegriffen.

Allerdings handelt es sich hier immer nur um bundesweite Umfragen. Zudem wird in den Sonntagsfragen nicht explizit nach der Entscheidung bei der Erststimme gefragt. Umfragen für Bundesländer geschweige denn Wahlkreise liegen kaum oder gar nicht vor. Die aktuellen Umfragewerte werden daher in der Analyse um die Ergebnisse der Bundestagswahl 2013  ergänzt. Der Anteil von CDU und SPD bei den Erststimmen ist in der Regel immer etwas als bei den Zweitstimmen, da viele Wähler taktisch entscheiden und ihre Erststimme nicht an chancenlose Kandidaten "verschenken" wollen. Dieser Faktor wurde auch berücksichtigt.

Mit der Erststimme werden Personen gewählt. Die Bekanntheit und Erfahrung der Kandidatinnen und Kandidaten spielen eine große Rolle. Es wurde daher auch berücksichtigt, ob ein Kandidat bereits seit 2013 oder noch länger im Bundestag sitzt. Zudem wurde mit berechnet, ob ein Wahlkreis traditionell bei Bundestagswahlen eine SPD- oder CDU-Hochburg ist oder nicht. Lokale Faktoren wie z.B. Skandale und Diskussionen um einzelne Bewerber können in der Analyse nicht berücksichtigt werden.

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187 Bewerber für Direktmandate

Insgesamt bewerben sich 187 Kandidatinnen und Kandidaten um die 22 Direktmandate in Hessen. Doch die Bewerber der kleineren Parteien und die unabhängigen Kandidaten dürften aller Voraussicht nach chancenlos sein. Seit Jahrzehnten teilen sich CDU und SPD die hessischen Wahlkreise unter sich auf.

Die Direktmandate werden über die Erststimme entschieden. Derjenige Kandidat, der in einem Wahlkreis die meisten Erststimmen bekommt, zieht als direkt gewählter Abgeordneter in den Bundestag ein. Zwar ist das Ergebnis der Erststimmen für die Zusammensetzung des Bundestages zweitrangig - hier ist das Ergebnis der Zweitstimmen maßgeblich -, aber welcher Abgeordneter wo gewinnt, ist vor allem für die Bewohner der Wahlkreise interessant, wo der Direktkandidat großen Einfluss haben kann.