Anti-AfD-Protest am Abend der Bundestagswahl in Frankfurt
Anti-AfD-Protest am Abend der Bundestagswahl in Frankfurt Bild © hessenschau.de

"Nazis", "Rassismus", "verkommene Bande": Hessische Politiker attackieren die bei der Bundestagswahl erstarkte AfD. CDU-Landeschef Bouffier riet seiner Partei, an ihrem Kurs festzuhalten. In Frankfurt formierte sich eine Anti-AfD-Demo.

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Eines wurde am Wahlabend rasch klar: Die hessische CDU war entschlossen, sich vom starken bundesweiten Ergebnis der AfD nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzender Volker Bouffier sowie sein Generalsekretär Manfred Pentz betonten mehrfach routiniert, es sei ein Erfolg der Union, mit ihrem Ergebnis Rot-Rot-Grün verhindert zu haben.

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„Bekämpfen wir diese verkommene Bande.“ Zitat von Grünen-Landesvorsitzender Kai Klose über die AfD
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Andere in Hessen zeigten sich alarmierter über den AfD-Erfolg, der national und international das Thema dieses Abends war: SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel stellte fest, erstmals seit 1945 sei wieder eine Partei im Bundestag, "die Nazis in ihren Reihen duldet".

Bis zu 800 Teilnehmer an Anti-AfD-Demo

Bis zu 800 Mitglieder der linken Szene in Frankfurt demonstrierten am Abend gegen die AfD, die auch in Hessen mit 11,9 Prozent drittstärkste Kraft wurde. "Ganz Frankfurt hasst die AfD", hieß es auf einem Transparent. Die Teilnehmer zogen friedlich durch die Innenstadt. Zu Zwischenfällen kam es nicht, wie ein Polizeisprecher sagte. In anderen deutschen Städten wie Köln kam es ebenfalls zu Anti-AfD-Protesten.

Auch die Grünen, im Land Partner der CDU, wurden deutlich. "Bekämpfen wir diese verkommene Bande", sagte Grünen-Landeschef Kai Klose. Und fügte mit Blick auf die Landtagswahl 2018 hinzu: "Lasst uns dafür kämpfen, dass der hessische Landtag 2018 der erste Landtag ohne AfD bleibt."

"Kann einem wirklich Angst machen"

Der innenpolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Jürgen Frömmrich, sagte über Aussagen des AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland über die künftige Bundesregierung ("Wir werden sie jagen"): "Es kann einem wirklich Angst machen."

Bei der AfD war die Stimmung wenig überraschend gut: Die hessische AfD-Spitzenkandidatin zur Bundestagswahl, Mariana Harder-Kühnel, nannte das Ergebnis famos. "Wir wirken schon allein dadurch, dass wir da sind", sagte sie, "das macht den Altparteien Druck".

Bei den Konsequenzen auf das AfD-Ergebnis setzten die Parteien unterschiedliche Akzente. Die Linken-Spitzenkandidatin in Hessen, Sabine Leidig, sagte: "Jetzt geht's um solidarische Alternativen gegen Rassismus." Schäfer-Gümbel begründete den Gang seiner Partei in die Opposition auch damit: "Der Wettbewerb zwischen den Volksparteien muss wieder klarer und schärfer werden."

"Müssen die AfD entzaubern"

CDU-Generalsekretär Peter Tauber aus dem Main-Kinzig-Kreis sagte: "Wir sind die Partei mit dem C, wir sind immer Patrioten, wir sind nie Nationalisten. Die AfD werde ich politisch immer energisch bekämpfen."

Ministerpräsident Bouffier riet seiner Partei von einem Kurswechsel ab. Auch nach dem Erfolg der AfD solle man jetzt "nicht plötzlich alles wegschmeißen, was wir bis gestern für richtig gehalten haben", sagte er.

Eine neue Diskussion innerhalb der Union über eine Obergrenze für Flüchtlinge hielte er für nicht klug. "So wie die waren wir nie", sagte Bouffier, "es muss uns gelingen, ihre Wähler besser zu erreichen. Wir müssen die AfD entzaubern."