Felder so weit das Auge reicht: Blick von der Burganlage in Münzenberg
Felder so weit das Auge reicht: Blick von der Burganlage in Münzenberg Bild © picture-alliance/dpa

Agrarprodukte, Mineralwasser und Gesundheitsdienstleistungen sind aus der Wetterau bekannt. Doch längst siedeln sich immer mehr Betriebe in der Region an - das sorgt für Streit um den wertvollen Boden.

Die größten Herausforderungen

Vor allem die südlichen Gemeinden in der Wetterau profitieren von der Nähe zum Ballungsraum Frankfurt. Immer mehr Gewerbetreibende siedeln sich lieber an den günstigeren Baugebieten, die zusätzlich gut angebunden sind an. Neustes Beispiel ist der Fahrzeughersteller Mitsubishi, der seinen Sitz nach Friedberg verlegt. Allerdings zieht sich ein Riss durch den Landkreis.

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Der Wahlkreis Wetterau I ist der wohlhabendere Teil des erst 1975 entstandenen Landkreises. Der Nordosten des Kreises ist bis heute strukturschwächer. Die Region um Büdingen zählt zum Wahlkreis Wetterau II, der zum Main-Kinzig-Kreis dazugezählt wird. Vor allem die starken Gebiete im Süden, wie Karben, Bad Vilbel oder Rosbach locken junge Familien. Hier entstehen immer neu Wohnbaugebiete, die sehr schnell vergeben und bebaut werden.

Die Ausgangslage

Obwohl die CDU den Wahlkreisabgeordneten in den vergangenen zwei Wahlperioden stellte, ist der Kreis im Gesamtbild eher sozialdemokratisch orientiert. Seit 1985 stellt die SPD den Landrat im Kreistag. Die strukturelle Spaltung im Kreis macht sich auch politisch bemerkbar. So hat die NPD seit Jahren Sitze im Kreistag und auch in den Städten Altenstadt und Büdingen ist die rechtsextreme Partei noch bei zehn Prozent. Das hat dem Kreis und den Städten bundesweit traurige Berühmtheit gebracht.  Auf den gesamten Kreis relativieren sich die Wählerstimmen sehr schnell. Bei der vergangenen Bundestagswahl im Jahr 2013 kam die NPD in der Wetterau auf 1,9 Prozent der Stimmen. Bei der diesjährigen Wahl könnte die AfD punkten und der NPD weitere Stimmen ablaufen.

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Der Wahlkreis im Kurzporträt

In der Mitte Hessens gelegen ist die Wetterau vor allen Dingen für ihre Agrarprodukte bekannt. Bis heute ist der Kreis der ertragreichste in ganz Hessen. So sind die Kirschen aus Ockstadt bei Friedberg weit über die Kreisgrenzen bekannt. Neben den herkömmlichen Produzenten gibt es hier auch zahlreiche Biobetriebe. Die haben sich in der Modellregion Wetterau mit Vermarktern und dem Kreis zusammengeschlossen. Die Wetterau als fruchtbare Region, ist aber nicht nur für die Landwirtschaft bekannt. Verschiedene Städte profitieren bis heute von den Mineralwasserquellen. Vor allen Dingen Bad Vilbel ist für sein Wasser bekannt. Aber auch der Gesundheitseffekt wird genutzt. Schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Bad Nauheim Heilbad für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bis heute ist die Stadt Kurstadt. Zusammen mit Friedberg lockt Bad Nauheim auch Elvis Fans. Der Rockstar kam 1958 zum Militärdienst hierher. Bis heute sind die beiden Städte und der längst verstorbene Rockstar miteinander verbunden. Aber der Wetteraukreis lebt nicht nur in der Vergangenheit. Der Landkreis macht immer wieder deutlich, dass er sich zum Rhein-Main-Gebiet zählt. Unter den 300.000 Bewohnern des gesamten Landkreises pendeln zahlreiche mit Zug und Auto jeden Tag durch die Region. Zunehmend siedeln sich die unterschiedlichsten Gewerke in den Gewerbegebieten zum Beispiel bei Rosbach, Karben oder Bad Vilbel an. Darunter Lebensmittelhändler, Reifenhersteller oder auch Medizintechnik. Die Region boomt, das zeigt sich am anhaltenden Bauboom und der niedrigen Arbeitslosenquote von 4,4 Prozent im Juli 2017.

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Wer sind die Direktkandidaten?

Während die CDU wieder auf den jetzigen Wahlkreisabgeordneten Oswin Veith aus Bad Nauheim  setzt, geht die SPD mit der gerade einmal 25-jährigen Natalie Pawlik ins politische Rennen. Auch die Linke setzt mit dem noch sehr jungen 18-jährigen Julian Eder auf ein junges Gesicht. Die Grünen haben mit Kathrin Anders wie auch die SPD eine Frau aufgestellt. Für die FDP wirbt Peter Heidt aus Bad Nauheim um Stimmen. Die freien Wähler haben Thorsten Schwelnus aus Karben zum Direktkandidaten gemacht. Die AfD rechnet sich indessen mit Klaus Herrmann, der auch Kreissprecher ist, Chancen aus.

Die Topthemen vor der Wahl

Vor allem der Bauboom stößt nicht überall auf Begeisterung. Seit Jahren wird bereits über den Bau von Windkraftanlagen im Kreis gestritten. Zum Beispiel in Butzbach, aber auch auf den Winterstein in Friedberg. Zu Diskussionen haben außerdem die wachsenden Gewerbegebiete in Rosbach und Bad Vilbel geführt. Insbesondere in Rosbach tut sich der Bürgermeister Thomas Alber schwer damit, neue Gewerbeflächen bei den Stadtverordneten und der Bevölkerung durchzusetzen. Auch in Wölfersheim regt sich Widerstand gegen geplante Flächen. Auch die Bäder, für die der Kreis bekannt ist, sind immer wieder Thema in der öffentlichen Diskussion. Während in Bad Nauheim die Therme seit Ende 2015 geschlossen und weiter unklar ist, ob und wann neu gebaut wird, steht man in Bad Vilbel kurz vor Baubeginn einer riesigen Anlage. Ein Großinvestor will hier einen riesigen Komplex mit Hotel bauen.

Das sind die wichtigsten "Köpfe"

Herausstechend ist nach wie vor die CDU-Politikerin Lucia Puttrich. 14 Jahre lang war sie Bürgermeisterin in Nidda ehe sie in die Landespolitik ging. Seit 2014 ist sie Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten. Auch der ehemalige Landesjustizminister Jörg-Uwe Hahn, der noch im Landtag sitzt, kommt aus der Wetterau und zählt zu den Bekannteren. Einzig Oswin Veith, der jetzige Abgeordnete des Kreises hat bislang Erfahrungen in der Bundespolitik. Die anderen Kandidaten für den Bundestag haben sich vor allen Dingen lokal bisher einen Namen gemacht.

So gehen die Parteien in den Wahlkampf

Die CDU, die momentan den Sitz inne hat, spiegelt vor allen Dingen die Themen des Bundestages. Der aktuelle Abgeordnete der CDU, Oswin Veith aus Bad Nauheim prüft aktuell eine Klage gegen die Ausweitung der "Ehe für Alle“. Die Grünen in der Wetterau machen sich währenddessen weiter für den Beschluss stark. Die FDP macht sich lokal zum Beispiel stark dafür, dass  die Stadt Karben zum Mittelzentrum wird und damit mehr Gelder vom Land erhält. Die SPD setzt mit der jungen Natalie Pawlik mehr auf personenbezogene, typisch sozialdemokratische Themen, wie auf eine Stärkung Europas, berufliche Perspektiven auch für junge Arbeitnehmer und eine Sicherung der Renten. Bündnis 90/Die Grünen nutzt das lokal wichtige Thema der Landwirtschaft, für den eigenen Wahlkampf. Die Partei möchte, dass mehr Lebensmittel ökologisch für den Absatzmarkt Rhein-Main erzeugt werden. Außerdem soll die "Marke Wetterau“ gestärkt werden.

Diese Entscheidungen stehen am 24. September noch an

Spannend wird es in Friedberg: Nachdem im ersten Wahlgang zur Bürgermeisterwahl am 3. September kein Kandidat gewinnen konnte, geht es nun in die Stichwahl. Für die SPD geht Klaus Dieter Rack ins Rennen, für die CDU startet der momentan erste Stadtrat, Dirk Antkowiak. Bei der Kommunalwahl 2016 hatte die CDU gegenüber der SPD einen lange nicht mehr dagewesenen Vorsprung von sieben Prozent erreicht. In der knapp umkämpften Kreisstadt, war so ein Vorsprung das letzte Mal 2001 vorgekommen. Der amtierende Bürgermeister Michael Keller von der SPD wird nach zwölf Jahren im Amt nicht noch einmal antreten.

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