Blick auf den Vogelsberg, das größte zusammenhängende Vulkangebiet Europas
Blick auf den Vogelsberg, das größte zusammenhängende Vulkangebiet Europas Bild © picture-alliance/dpa

Früher war der Vogelsberg einmal fest in SPD-Hand. Das hat sich geändert. Als Zünglein an der Waage gelten heute die Freien Wähler. Heftig gestritten wird in Europas größtem Vulkangebiet über die Energiewende.

Die Ausgangslage im Landkreis

Der Vogelsbergkreis galt bis in die 90er Jahre hinein als eher "rot". Traditionell ging die SPD als Sieger aus den Wahlen hervor. Das änderte sich erst um die Jahrtausendwende. Als "Zünglein an der Waage" gelten die Freien Wähler. Sie hatten bis zur letzten Kommunalwahl im Jahr 2011 mit CDU und FDP im Kreistag zusammengearbeitet. Nach der Wahl 2011 gingen sie eine Zusammenarbeit mit SPD und Grünen ein.

Landrat ist Manfred Görig (SPD), der im November 2011 per Direktwahl von den Bürgern in sein Amt berufen wurde. Görig ist studierter Diplom-Ingenieur, war lange bei der Telekom beschäftigt und saß zuletzt für seine Partei im Wiesbadener Landtag.

Die größten Herausforderungen

Der demographische Wandel ist im Vogelsbergkreis deutlich spürbar. Viele jüngere Einwohner verlassen den Kreis, nachdem sie ihre Schulausbildung beendet haben. Sie kehren nicht mehr zurück. Das schlägt sich in günstigen Immobilienpreisen nieder. Wer im Vogelsbergkreis lebt und arbeitet baut gerne neu, was dazu führt, daß ältere Wohngebäude nicht mehr genutzt werden. Viele Gebäude stehen leer.

Der Vogelsbergkreis gehört zu den Landkreisen in Hessen mit einer traditionell sehr niedrigen Arbeitslosenquote. Allerdings nehmen rund 16.000 Menschen täglich auch teilweise lange Fahrten zum Arbeitsplatz in Kauf. Sie pendeln bevorzugt ins Rhein-Main-Gebiet oder in den Nachbarlandkreis Fulda. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Fahrzeugdichte im Vogelsbergkreis hoch ist. Der öffentliche Nahverkehr spielt nur eine untergeordnete Rolle. Die Züge auf der Bahnstrecke Gießen - Fulda ("Vogelsbergbahn") werden vorwiegend für den Schülerverkehr genutzt.

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Der Landkreis im Kurzporträt

Der Vogelsbergkreis - in der Mitte Hessens gelegen - ist ein sehr ländlich geprägter Kreis. Er gehört zu den größten Landkreisen in Hessen, hat aber nur vergleichsweise wenig Einwohner. Durchschnittlich 72 Menschen leben auf einem Quadratkilometer. Im Vergleich: In Frankfurt sind es 2.900. Das heisst - wer die Einsamkeit sucht, ist im Vogelsberg richtig.

Namensgeber des Kreises ist der "Vogelsberg" - das größte zusammenhängende Vulkangebiet Europas. Der Hausberg Hoherodskopf ist ein gerade von Bewohnern aus dem Rhein-Main-Gebiet gerne genutztes Ausflugsziel. Zu den größten Arbeitgebern gehören der weltweit tätige Verpackungshersteller "STI Group" und zunehmend auch Logistikunternehmen, die sich am Rande der Autobahnen A5 und A7 angesiedelt haben. Das erfolgreichste Internet-Startup im Vogelsbergkreis ist der Lampenversender "Lampenwelt.de".

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Das Topthema vor der Wahl

Das Thema Flüchtlinge spielt im Vogelsbergkreis keine große Rolle. Die Unterbringung von knapp 1.000 Menschen hat reibungslos funktioniert. Die vier für die Unterbringung genutzten Turnhallen sind für den Schul- und Vereinssport wieder verfügbar. In einigen Orten haben sich Bürger zusammengefunden, um Flüchtlingen direkt zu helfen und sie bei der Eingliederung zu unterstützen.

Das Thema "Energiewende" sorgt seit Jahren für viel Ärger im Kreisgebiet. Im Vogelsbergkreis stehen mehr Windkraftanlagen als anderswo in Hessen. Und es sind für die nächsten Jahre weitere Standorte geplant. Es gibt viel Widerstand gegen den Bau dieser Anlagen. Als großes Ärgernis empfinden viele Einwohner des Kreises auch die schlechte Versorgung mit einer schnellen Internetverbindung. Bemühungen des Landkreises, hier in Eigenregie für Abhilfe zu sorgen, haben noch zu keinem greifbaren Ergebnis geführt. In einzelnen Kommunen konnte mittlerweile über einen Kabel-Anbieter ein schneller Zugang geschaffen werden. Generell ist im Vogelsbergkreis ein Zugang zum Kabelfernsehen eher selten zu finden.

Das sind die wichtigen Köpfe

Landrat Manfred Görig (SPD) ist sicherlich die herausragendste Figur in der Kreispolitik. Aus dem Vogelsbergkreis kommen zwei Landtagsabgeordnete: Der Landwirt Kurt Wiegel (CDU) und die Betriebswirtin Eva Goldbach (Grüne). Beide sind auch Mitglieder des Kreistages.

So gehen die Parteien in den Wahlkampf

Die CDU fordert eine bessere Wirtschaftsförderung im Kreis, den Erhalt der Schulen und eine harte Finanzdisziplin bei der Kreisverwaltung. Die SPD will die Schulen im Vogelsberg sanieren und besser ausstatten. Auch der Ausbau von Ganztagsangeboten soll in Angriff genommen werden. Die Grünen setzten bei der Kommunalwahl auf die Themen Bildungspolitik und Inklusion. Die Linke fordert die Einführung eines Sozialpasses für ärmere Menschen, der den kostenlosen oder ermäßigten Zugang zu öffentlichen Einrichtungen und Verkehrsmitteln gewährt.

Die FDP möchte den Vogelsbergkreis zur "Bildungsregion Nr. 1" in Hessen machen und viel Geld in Schulgebäude und deren Ausstattung investieren. Außerdem sollen keine weiteren Windräder mehr aufgestellt werden. Die AfD ist bislang noch nicht im Kreistag vertreten. Sie möchte den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Energie- und Umweltpolitik, die Finanzierung der Kommunen und der Landwirtschaftspolitik legen. Bei den Freien Wähler ist kein kommunalpolitisches Programm ersichtlich. Auch auf Nachfrage erfolgte keine Reaktion.

Diese Entscheidungen stehen noch an

Am 6. März stehen im Kreis auch einige Bürgermeiserwahlen an: In Homberg/Ohm tritt Bürgermeister Béla Dören (SPD) nach einer Amtszeit nicht mehr an. Die CDU schickt Eckhard Hisserich ins Rennen, der schon einmal Bürgermeister in der Stadt war (1992 – 1998). Die SPD hat die Unternehmensberaterin Claudia Blum nominiert. Die Freien Wähler Homberg wollen die Sozialpädagogin Monika Krebühl ins Rathaus entsenden.

In Feldatal muss sich Amtsinhaber Dietmar Schlosser (Freie Wähler) nach seiner ersten Amtszeit mit Gegenkandidaten auseinandersetzen. Für die CDU fordert Michael Bierbach den Rathauschef heraus. Die Liste Alternative Unabhängige Feldataler (AUF) hat mit ihrem Vorsitzenden Peter Weiß einen eigenen Kandidaten für die Bürgermeisterwahl nominiert.

In Romrod trifft Bürgermeisterin Birgit Richtberg, die von der CDU/FWG unterstützt wird, auf SPD-Kandidat Joachim Lubrich, der als Verwaltungsbetriebswirt in der Kreisverwaltung arbeitet.

In Gemünden trifft Bürgermeister Lothar Bott (parteilos) auf keinen Gegenkandidaten.

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