Ob Wahlbeteiligung oder Wahlsystem - Kommunalwahlen unterscheiden sich deutlich von anderen Urnengängen. Selbst die Frage, wer der Gewinner ist, lässt sich nicht immer leicht beantworten. Eine Analyse in sechs Grafiken.

1. Wer ist eigentlich der wahre Sieger?

Es ist ja durchaus üblich, dass sich nach Wahlen mehrere Parteien als Gewinner fühlen. Für Kommunalwahlen gilt das ganz besonders. Bei ihnen kommt es darauf an, welche Zahlen man sich anschaut. Nach der Wahl gibt es ein sogenanntes Landesergebnis. Das errechnet sich aus den Resultaten der 21 Landkreise und der 5 kreisfreien Großstädte (also ohne die 421 Städte und Gemeinden). Dort lag 2011 die CDU vorn. Doch schaut man sich an, wie viele Sitze die Parteien in allen 447 Kommunen zusammen gewonnen haben, ergibt sich ein anderes Bild - da hatte die SPD die Nase vorn. Auch interessant: Die Freien Wähler schneiden bei den Sitzen deutlich besser ab als im Landesvergleich.

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2. Stärkste "Partei" sind die Nichtwähler

Den stärksten Block bildet inzwischen aber gar keine Partei mehr. Die Gruppe der Nichtwähler ist schon seit 2006 größer als alle anderen Parteien zusammen. Zwar sinkt die Wahlbeteiligung tendenziell bei allen Wahlen seit Jahren, doch bei Kommunalwahlen ist der Rückgang besonders stark. 2011 ging nicht mal jeder zweite Wahlberechtigte (47,7 %) zur Wahl. Das wird besonders deutlich, wenn man die Stimmenanteile der Parteien ins Verhältnis zur gesamten Wählerschaft setzt. So gaben 2011 gerade mal noch 15,2 Prozent aller Wahlberechtigten ihre Stimmen für die CDU ab.

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3. Wahlbeteiligung schwankt stark

Als Faustregel gilt: Die Wahlbeteiligung nimmt mit zunehmender Einwohnerzahl der Kommune ab. Doch der Zusammenhang ist eher schwach. Die Schwankungen können insgesamt sehr stark sein. Spitzenreiter vor fünf Jahren war das nordhessische Ottrau. Dort gingen fast 84 Prozent aller Wahlberechtigten an die Urnen. Schlusslicht ist dagegen Offenbach - in Hessens fünftgrößter Stadt ging nur jeder Dritte zur Wahl.

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4. Kumuliert und panaschiert wird auf dem Land

Ein Grund für die sinkende Wahlbeteiligung ist vermutlich das komplizierte Wahlsystem mit den Möglichkeiten zum Kumulieren und Panaschieren. Bei dessen Einführung 2001 ging die Wahlbeteiligung besonders stark zurück. Doch die Bereitschaft zum Kumulieren und Panaschieren ist unterschiedlich - und sehr abhängig von der Einwohnergröße der jeweiligen Kommune. In ganz kleinen Orten (unter 3.000 Einwohner) haben bei der Wahl 2006 mehr als 70 Prozent aller Wähler kumuliert und panaschiert. Nur knapp 28 Prozent verzichteten darauf und machten stattdessen ein einfaches Listenkreuz. In den Großstädten sind es ungefähr doppelt so viele, die ihre Stimmzettel unverändert abgeben. Möglicherweise sind die Kandidaten den Wählern dort weniger bekannt und sie verzichten auf die Möglichkeiten des Wahlsystems.

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Noch viel geringer ausgeprägt ist das Interesse am Kumulieren und Panaschieren übrigens auf Kreisebene: Dort geben fast zwei Drittel aller Wähler ihre Stimmzettel unverändert ab.

5. Trendergebnis = Endergebnis?

Am Wahlabend werden in den Kommunen und auf Landesebene nur sogenannte Trendergebnisse bekannt gegeben. Diese errechnen sich aus den unverändert abgegebenen Stimmzetteln. Erst in den Tagen darauf werden dann auch die übrigen Stimmzettel, auf denen kumuliert und panaschiert wurde, ausgezählt - und somit schließlich das Endergebnis der Wahl berechnet. Erst dann können die Parteien sicher sein, wie viele Sitze sie errungen haben, und anfangen, Koalitionen zu schmieden.

Doch wie stark unterscheidet sich das Trendergebnis eigentlich vom Endergebnis? Auf Landesebene wichen die Ergebnisse der Parteien vor fünf Jahren nur maximal um 0,6 Prozentpunkte vom Trendergebnis ab. Nur bei den Grünen war das Endergebnis (18,3 % ) ein gutes Stück niedriger als der Trend vom Wahlabend (20 %). Kein Wunder: Die Grünen-Wähler gelten als besonders aktiv beim Kumulieren und Panaschieren.

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6. EU-Ausländer

Noch eine Besonderheit bei Kommunalwahlen: Hier dürfen auch viele Bürger ohne deutschen Pass wählen. Zumindest diejenigen aus anderen EU-Ländern, die seit mindestens drei Monaten in Hessen leben. Ihr Anteil an der Wählerschaft beträgt bei diesen Wahlen knapp 8 Prozent. Den größten Anteil daran machen die Polen aus (18 %), gefolgt von Italienern (17 %) und Kroaten (10 %).

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Kaum etwas weiß man dagegen über das Wahlverhalten der nicht-deutschen EU-Bürger. Weder über die Wahlbeteiligung noch darüber, welche Parteien sie wählen. Diese Zahlen werden von der repräsentativen Wahlstatistik nicht erfasst.

Noch Fragen? Alles, was Sie noch zu den Kommunalwahlen wissen müssen, finden Sie in unseren FAQs.