Mini-Jobber
Haben Mini-Jobber nix gelernt? Die Statistik widerspricht dem CDU-Generalsekretär. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Wer sich mit Mini-Jobs über Wasser hält, ist selber schuld - diese Sicht der Dinge wird CDU-Generalsekretär Peter Tauber nach einem Tweet vorgeworfen. Nach dem Shitstorm kam der Rückzug. Aber was haben Ausbildung und Mini-Jobs miteinander zu tun? Ein Blick auf Hessen.

Mehr Arbeit, mehr Wohlstand und Vollbeschäftigung bis zum Jahr 2025 verspricht das CDU-Programm für die Bundestagswahl. Kurz nach der Vorstellung setzte sich Partei-Generalsekretär Peter Tauber bei einem Disput auf Twitter in die Nesseln: "Wenn Sie was ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs", befand der Bundestagsabgeordnete aus dem Main-Kinzig-Kreis.

Die folgende Empörungswelle zeigte: Viele halten das für ziemlich daneben. Tauber selbst ("blöd formuliert") ruderte zurück. Aber was ist dran an der These, eine gute Ausbildung schütze davor, sich mit Mini-Jobs durchschlagen zu müssen?

Was bedeutet Mini-Job eigentlich genau?

Mit Mini-Job ist eine geringfügige Beschäftigung oder eine Beschäftigung von kurzer Dauer gemeint, bei der nicht mehr als 450 Euro monatlich verdient wird. Mini-Jobber zahlen keine Lohnsteuer und verdienen fast "brutto wie netto". Einzig ein Rentenversicherungsbeitrag ist fällig, von dem man sich aber befreien lassen kann. Der Arbeitgeber zahlt pauschal Abgaben für die Beschäftigung.

Kann man überhaupt drei Mini-Jobs gleichzeitig haben?

Ja, theoretisch schon. Dass jemand gleich drei steuerfreie Mini-Jobs hat, funktioniert aber nur, wenn sein Einkommen daraus insgesamt nicht mehr als 450 Euro übersteigt. Verdient er mehr, werden alle drei Mini-Jobs versicherungspflichtig - und sind damit keine mehr. Gleich drei solcher Jobs sind daher auch eine seltene Ausnahme.

  • Mit knapp 88 Prozent hatte die große Mehrheit der hessischen Betroffenen 2016 einen einzigen Mini-Job.
  • 8,3 Prozent der geringfügigen Beschäftigten haben noch mindestens einen weiteren Mini-Job. Bundesweit hatten im ersten Quartal 2017 laut der zuständigen Meldestelle für Mini-Jobs, der Minijob-Zentrale, lediglich 2,3 Prozent der Beschäftigten drei Mini-Jobs auf einmal.
  • Vergleichsweise groß ist dagegen die Zahl derjenigen, die neben ihrem regulären Job noch mit einem Mini-Job aufstocken. Sie liegt in Hessen bei rund 217.000 Menschen. Wer einer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung nachgeht, darf einem steuer- und beitragsfreiem 450-Euro-Job nachgehen.

Fehlt es Mini-Jobbern in der Regel an einer Ausbildung?

"Das lässt sich keinesfalls so sagen", sagt Wolfgang Buschfort von der Minijob-Zentrale. Das gilt auch für Hessen, wie aktuelle Zahlen zeigen.

  • Immerhin 44 Prozent aller Mini-Jobber haben eine Berufsausbildung oder ein Fachhochschul- oder Universitätsstudium abgeschlossen.
  • Rund 23 Prozent aller Mini-Jobber haben keine abgeschlossene Berufsausbildung. Bei allen anderen weiß die Arbeitsagentur nichts über die Ausbildung.

Wer macht überhaupt Mini-Jobs?

Nach Einschätzung Buschforts sind es vor allem Arbeitnehmer, die in ihrem eigentlichen Job zu wenig verdienen oder kurzfristig Zusatzeinnahmen brauchen - etwa um eine Renovierung zu bezahlen. Auch die Zahl der älteren Menschen, die Mini-Jobs annehmen, steigt seit Jahren. Viele Betroffene stocken so ihre Rente auf. Das machten sie oft nicht in dem Beruf, für den sie ursprünglich ausgebildet wurden und in dem sie gearbeitet haben.

Andere wiederum bräuchten das Geld nicht unbedingt, wollen aber trotzdem länger arbeiten. Deswegen sind auch Ärzte oder Ingenieure unter denen zu finden, die zum Mini-Job-Modell greifen. Oder Hausfrauen verdienen sich mit Putzen etwas hinzu, wenn sie zum Beispiel in ihrem erlernten Beruf als gelernte Arzthelferin keinen Mini-Job finden. Der Großteil der Mini-Jobs findet sich laut Buschfort in Läden oder in der Gastronomie. Oft sind es Studenten, die hier jobben.

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