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Sechs Abgeordnete ziehen in den Bundestag: Die AfD kann sich über Erfolge in Hessen freuen. Bild © Imago

Empörung der Gegner begleitet ihren Einzug in den neuen Bundestag: Sechs Frauen und Männer aus Hessen gehen für die AfD nach Berlin. Wer sind diese Menschen? Und wo in Hessen war die Partei am erfolgreichsten? Ein Überblick.

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Martin Hohmann (AfD) Wahlplakat - Meine Nächsten - Video Startbild

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hessische AfD-Kandidaten im Bundestag

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Einen Wahlkreis und damit ein Direktmandat zu gewinnen - anders als in Sachsen ist die AfD in Hessen davon noch weit entfernt. Doch mit einem Wahlkampf, der vor allem aus harten Parolen gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung bestand, hat die Partei auch hierzulande so starke Zugewinne wie keine andere erzielt. Mit 11,9 Prozent der Stimmen liegt die AfD in Hessen zwar unter dem Bundesdurchschnitt (12,6 Prozent), aber doch über dem in Westdeutschland (11,1 Prozent).

Zur Empörung ihrer Gegner ziehen sechs hessische AfD-Politiker über die Landesliste in den Bundestag ein. Am Dienstag war keiner von ihnen dem Vorbild der AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry gefolgt, die mit ihrem Mann Marcus Pretzell demnächst aus der Partei austreten und sich auch nicht der Fraktion anschließen will.

Wer sind die AfD-Abgeordneten aus Hessen, wo war ihre Partei am stärksten - und wo am schwächsten?

Im Osten stärker, in großen Städten schwächer

Die besten Ergebnisse hat die AfD in östlichen Wahlkreisen eingefahren: Der hessische Spitzenwert für die AfD wurde im Wahlkreis Fulda mit 15,8 Prozent erreicht, dicht gefolgt vom Wahlkreis Main-Kinzig/Wetterau II/Schotten mit 15,4 Prozent. Das dürfte nicht zuletzt an den jeweiligen Kandidaten gelegen haben: Ex-CDU-Mann Martin Hohmann und die hessische AfD-Spitzenkandiatin Mariana Harder-Kühnel.

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Bei den Gemeinden lag Neuhof (Fulda) mit 22 Prozent an der Spitze der AfD-Werte, auf den zweiten Platz kam mit 20,6 Prozent für die Partei Hosenfeld (Fulda), gefolgt von der Gemeinde Sinntal (Main-Kinzig) mit 20 Prozent.

Deutlich wurde aber auch: In den hessischen Großstädten hat die AfD weniger Sympathisanten, gerade in Uni-Städten. Marburg ist der Ort mit den wenigsten AfD-Wählern im Bundesland, hier kam die Partei auf 7,1 Prozent der Stimmen. Auch in Darmstadt und Hesseneck (Odenwald) hatte die AfD mit 8,4 Prozent unterdurchschnittlichen Erfolg.

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Wo konnten die Parteien in Hessen punkten, wo schnitten sie am schlechtesten ab?
Die Wahl in Hessen in acht Grafiken

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Anwältin, Ex-Kämmerer, Berufssoldat

Diese Kandidaten haben über die AfD-Landesliste den Einzug in den Bundestag geschafft:

Mariana Harder-Kühnel Wahlinterview
Mariana Harder-Kühnel war Spitzenkandidatin der hessischen AfD Bild © HR/van Bebber

Mariana Harder-Kühnel aus Gelnhausen ging als Spitzenkandidatin für die Hessen-AfD ins Rennen. Die Anwältin, einst Klassenkameradin von CDU-Bundesgeneralsekretär Peter Tauber, betont häufig: Sie sei wertkonservativ und für Rechtsextreme sei in der Partei kein Platz. Bei der Wahl-Abschlusskundgebung mit Alice Weidel in Viernheim behauptete sie vor begeistertem Publikum, in Städten wie Hanau, Offenbach, Frankfurt oder Darmstadt sehe man nur noch vereinzelt Deutsche und unverschleierte Frauen auf der Straße.

AfD-Vize Albrecht Glaser
AfD-Vize Albrecht Glaser Bild © picture-alliance/dpa

Albrecht Glaser war CDU-Kommunalpolitiker und Stadtkämmerer in Frankfurt. Nach 42 Jahren trat er 2012 aus der CDU aus, gründete die AfD mit und ist heute im Bundesvorstand der Partei. Dort fiel er vor allem als harscher Islamkritiker auf. Mit rechtsnationalen Positionen griff er den damaligen AfD-Chef Bernd Lucke an, später wurde er von Parteichefin Frauke Petry als "konservativer Intellektueller" gelobt. Nun wird Glaser der AfD-Bundestagsfraktion angehören, Petry aber nicht. Sie will als fraktionslose Abgeordnete im Parlament sitzen.

Martin Hohmann 2004 in Neuhof (Fulda)
Martin Hohmann 2004 in Neuhof (Fulda) Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Martin Hohmann war im Jahr 1998 im Wahlkreis Fulda für die CDU in den Bundestag eingezogen, bis ihn die Partei 2004 wegen des Vorwurfs ausschloss, sich antisemitisch geäußert zu haben. Seit 2016 gehört er der AfD an. Im vergangenen Jahr zitierte ihn der "Spiegel" mit der Aussage, Merkels Flüchtlingspolitik berge die Gefahr, dass das Volk schleichend ausgetauscht werde.

Joana Eleonora Cotar aus Gießen war bis 2014 Ko-Vorsitzende der hessischen AfD, trat aber wegen parteiinternen Streitigkeiten von dem Posten zurück. Cotar kam im Alter von fünf Jahren aus Rumänien nach Deutschland, ihre Eltern waren vor dem Ceaușescu-Regime geflohen. Nach der Wahl am Sonntag schrieb sie über die "Altparteien" auf ihrer Facebookseite: "Von Medien und Altparteien höre ich im Moment nur ganz lautes 'Mimimi' und ich gebe offen zu, das macht richtig Spaß."

Uwe Schulz war viele Jahre CDU-Mitglied und trat 2013 in die AfD ein, seit 2014 ist er Vorsitzender des AfD-Kreisverbands Gießen. Am Sonntagabend kündigte er für die bevorstehende Oppositionsarbeit an: "Wenn wir erstmal Zugang zu den Zahlen und zu den Fakten haben, werden wir ganz andere Angriffspunkte haben als heute, als Nobody. Bald werden wir mitspielen."

Jan Ralf Nolte ist der jüngste unter den hessischen AfD-Abgeordneten, Vorsitzender der Jugendorganisation Junge Alternative in Hessen und Fraktionsvorsitzender der AfD im Kreistag von Waldeck-Frankenberg. Er ist Berufsoldat und schlägt gerne radikalere Töne an. Auf Facebook jubelt er nun: "Jetzt trifft die realitätsferne Gutmenschenbande in Berlin endlich auf eine entschlossene Opposition!"