SPD Abstimmung Groko
362 Delegierte stimmten am Sonntag beim SPD-Sonderparteitag in Bonn für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der CDU. Bild © picture-alliance/dpa

Die SPD hat auf ihrem Sonderparteitag für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der Union gestimmt. Die Reaktionen aus Hessen sind gespalten. Landeschef Schäfer-Gümbel kündigt harte Verhandlungen an, Ministerpräsident Bouffier schickt eine klare Ansage.

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Vier Monate nach der Bundestagswahl hat die SPD den Weg zu Verhandlungen mit der Union über eine Neuauflage der große Koalition frei gemacht. Auf dem Sonderparteitag in Bonn stimmte am Sonntag eine Mehrheit von 362 der 642 Delegierten und Vorständler nach kontroverser Debatte dafür. Es gab 279 "Nein"-Stimmen und eine Enthaltung.

TSG kündigt "harte Verhandlungen" an

Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel kündigte nach der Abstimmung "harte Verhandlungen" mit der Union über eine große Koalition an. Die zweite Halbzeit werde "alle Seiten noch mal richtig fordern", sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende seiner Partei.

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Uneinigkeit bei Hessen in Bonn

Ein blasser Parteichef, klare Worte gegen einen neuerliche GroKo und viel Jubel in der Frage nach Thorsten Schäfer-Gümbels Zukunft: hr-Korrespondent Christopher Plass über den Sonderparteitag der SPD.

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Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) erklärte, er freue sich über den Ausgang des SPD-Bundesparteitags. "Das Ergebnis der Sondierungsgespräche gilt", adressierte er gleich hinterher in Richtung SPD. Die Kernpunkte dürften nicht mehr infrage gestellt werden, Koalitionsverhandlungen müssten nun zügig aufgenommen werden, so Bouffier.

Emotionale Debatte in Bonn

Thorsten Schäfer-Gümbel beim SPD-Sonderparteitag
Thorsten Schäfer-Gümbel beim SPD-Sonderparteitag Bild © Screenshot Livestream phönix

Kurz vor der für die SPD schicksalhaften Abstimmung in Bonn hatte Schäfer-Gümbel im Saal noch einmal für die Aufnahme der Koalitionsverhandlungen plädiert. Es gebe keine einfache Lösung, betonte er und ergänzte: "Es ist die Entscheidung zwischen schwierig und ganz schwierig. Ich bin dafür, dass wir den schwierigen Weg gehen."

Die Abstimmung wurde zum erwarteten Krimi. Das erste Votum per Handzeichen war so knapp, dass die Stimmen ausgezählt werden mussten. Zuvor hatten sich die 600 Delegierten über mehr als vier Stunden eine heftige Debatte über Ja oder Nein zu Verhandlungen über eine neue große Koalition geliefert.

Reaktionen: SPD hat noch viel Arbeit vor sich

Die Reaktionen aus Hessen schwankten zwischen Erleichterung, Skepsis und auch Ablehnung: Der Hersfelder Bundestagsabgeordnete Michael Roth twitterte: "Eine gute, mutige, notwendige Entscheidung. Jetzt wartet auf uns alle viel Arbeit."

Auch der Gießener SPD-Landtagsabgeordnete Gerhard Merz zeigte sich via Twitter glücklich und stolz und lobte Andrea Nahles. Die SPD-Fraktionschefin hatte in einer leidenschaftlichen Rede harte Verhandlungen mit CDU und CSU für den Fall angekündigt, dass der Parteitag grünes Licht gibt: "Wir werden verhandeln, bis es quietscht auf der anderen Seite", so Nahles.

Bravo, Andrea Nahles! Well roared, lioness!

GroKo-Gegner setzen auf Mitgliedervotum

Der Hofheimer SPD-Stadtverordnete Jonas Tresbach hatte nach der Abstimmung bereits das Mitgliedervotum im Blick, bei dem die rund 444.000 SPD-Mitglieder über einen dann verhandelten Koalitionsvertrag abstimmen sollen: "Trotz der einmütigen Parteispitze sagen fast 44 Prozent der Delegierten #NoGroKo", twitterte er. "Das Mitgliedervotum wird extrem eng und nach meiner Einschätzung noch enger werden."

Trotz der einmütigen Parteispitze sagen fast 44 Prozent der Delegierten #NoGroKo . Das Mitgliedervotum wird extrem eng und nach meiner Einschätzung noch enger werden. #spdbpt18

Ähnlich sieht das auch der bekennende GroKo-Gegner Giorgio Nasseh, stellvertretender Landesvorsitzender der Jusos in Hessen. Er richtete sich beiTwitter an den Parteinachwuchs und schrieb: "Ihr jungen Menschen habt jetzt konkret die Chance, Teil von Veränderung zu sein."

Eine Mitgliedschaft in der #spd ist billiger als ein abo bei @NetflixDE . Ihr jungen Menschen habt jetzt konkret die Chance Teil von Veränderung zu sein #NoGroKo #spdbt18

Hessen-Genossen bis zuletzt uneinig

Über die Frage, ob die Sozialdemokraten Koalitionverhandlungen mit der CDU aufnehmen sollen, wurde im Vorfeld auch innerhalb der hessischen SPD heftig gestritten. Bis zuletzt hatten sich die Genossen, anders als andere Landesverbände, nicht auf einen gemeinsamen Kurs geeinigt. Jeder Delegierte war nur seinem Gewissen verpflichtet.

Allerdings hatte Schäfer-Gümbel stets für eine GroKo geworben. Der SPD-Landeschef hatte das Ergebnis der Sondierungsgespräche mit der Union verteidigt. Am Mittwoch sagte er, er sehe "sehr viel sozialen Fortschritt" in dem 28-Seiten-Papier. Allerdings seien Nachbesserungen nötig.